Re: Mein lieber Drubb, ...

Geschichten aus Tolkiens Welt vom Herrn der Ringe und anderen Werken.
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Re: Mein lieber Drubb, ...

Ungelesener Beitragvon Maiglockli » Dienstag 19. Mai 2020, 19:49

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27. Wedmath (August)
Mein lieber Drubb,
nach ein paar Tagen haben wir nun endlich die Lautwasser, oder den Bruinen, erreicht. Dieser Fluss ist wirklich sehr laut! Es ist ein herrlicher Anblick, vor allem jetzt im Herbst, wenn die schönen bunten Blätter an den Ufern liegen und den Flusslauf säumen. Mallenglîël wollte nicht, dass wir zu lang am Fluss verweilen, denn das Wasser zieht wohl allerlei Kreaturen an. Hernod wollte schon eine Angel basteln. Mallenglîël ist einfach weiter gegangen und er musste dann wohl oder übel hinterher kommen. Am Fluss hat Mallenglîël uns über eine seichtere Stelle ans andere Ufer gebracht. Für mich war das aber immer noch recht tief, also hat Hernod mich freundlicherweise auf seinen Schultern getragen. Mit trockenen Füßen ging es dann weiter und nun bergauf. Auf der anderen Seite stieg der Weg an und an einigen Stellen mussten wir ein wenig klettern, aber das haben wir mit gemeinsamer Stärke und Mallenglîëls Geschick geschafft. Nun rasten wir und Mallenglîël sagt, morgen würden wir zu einem besonderen Ort gelangen, das sollte aber eine Überraschung werden. Mallenglîël und ich haben uns noch lang am Lagerfeuer unterhalten, während Hernod geschlafen hat. Dabei habe ich Mallenglîël nach dieser Unsterblichkeit der Elben gefragt, weil ich das nicht so ganz verstehe. Sie meinte, dass sie so lange in dieser Welt existiert wie diese Welt selbst existiert. Daher sind das endgültige Sterben, wie sie es nennt, und der Tod völlig abstrakte Begriffe für sie. Mallenglîël hat mir auch gesagt, dass sie eigentlich in den Westen reisen sollte, in einen Westen, den kein Sterblicher je erreichen könne. Sie werde jedoch von dieser Reise abgehalten durch ihr eigenes Selbst und sie wisse, dass dieses Zaudern und die Sehnsucht nach Mittelerde eine Gefahr bergen würden. Das verstehe ich nicht.
Dann hat mir Mallenglîël noch erklärt, dass manche Elben neidisch auf die Menschen sind, weil die ein Schicksal haben, das den Elben unbekannt ist und weil sich die Menschen immer weiter ausbreiten und die Elben Platz machen sollen. Aber, lieber Bruder, Mittelerde ist so groß, da werden doch wohl alle beienander leben können, oder etwa nicht? Dann meinte Mallenglîël, dass jeder Elb eine Zeit hat, in den Westen zu reisen und dass diese Zeit genutzt werden solle. So sei es vorherbestimmt, und dennoch schaut sie immer so wehmütig, wenn es darum geht, Mittelerde zu verlassen. Man kann dann wohl nie wieder hierher zurück. Ich frage mich, wie viele Verluste ein Elb wie sie in diesem langen Leben schon durchmachen musste. Vielleicht ist das Gemüt der Elben anders und sie verkraften das besser… Wenn ich da an uns Hobbits und die Menschen denke, die verkraften den Tod einer einzigen Person manchmal schon gar nicht, aber bei den Elben sterben ja dann ganz ganz viele Personen. Ob die Elben nie im Hier und Jetzt leben? Ob sie nur in vergangenen, schöneren Zeiten schwelgen und mit bitterer Miene und Besorgnis in die Zukunft blicken? Hm… Aber wenn ich mir Mallenglîël so ansehe, kann sie ihr Leben genießen. Ich glaube, letztendlich können nur Elben andere Elben verstehen. Mallenglîël meinte, sie bleibt noch in Mittelerde, weil sie noch eine Aufgabe hat. Sie konnte mir nicht sagen, was diese Aufgabe ist. Grüße bitte alle herzlich von mir!
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Re: Mein lieber Drubb, ...

Ungelesener Beitragvon Maiglockli » Samstag 23. Mai 2020, 07:38

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2. Halimath (September)
Mein lieber Drubb,
nun sind wir schon eine ganze Weile in den Trollhöhen unterwegs. Mallenglîël hat uns, als wir hinter dem Bruinen weiter aufgestiegen sind, einen Vorsprung gezeigt, von dem aus kann man ganz wunderbar die ganzen Trollhöhen überschauen! Der Anblick war sehr schön mit all den bunten Bäumen. Dann sind wir weiter gegangen. Hernod meinte zu mir, dass wir bestimmt schon beobachtet wurden, aber ich weiß nicht, was oder wen er damit meint, und Mallenglîël hat nichts gesagt. Heute hat Hernod ihr einen Strauß hübscher Blumen geschenkt und sie hat ihm gleich gesagt, dass er sowas lassen soll. Dann hat sie nichts mehr gesagt und ist so weitergegangen. Später, am Lagerfeuer, da hat Mallenglîël abseits Wache gehalten und Hernod hat mit mir geredet. Er meinte, dass er ja versteht, wenn eine Elbin keinen sterblichen unbedeutenden Kerl abhaben will, aber er versteht nicht, warum die Elben nicht wie die Menschen mehrere Beziehungen in ihrem Leben haben können oder wollen, lang genug wäre ihr Leben ja, hat er gesagt. Die Menschen sind schon seltsam. Aber ich glaube, er hat Mallenglîël wirklich ernsthaft gern, so, wie er sie ansieht. Sie hat ihm gerade aber nochmal ganz deutlich gesagt, dass sie nichts mit ihm anfangen wird und es würde ihnen sonst nur großes Leid bringen. Da ist Hernod aufgesprungen und hat erklärt, er habe von einer Geschichte der Elben gehört, in der genau das möglich gewesen ist und dass wahre Liebe nicht von Sterblichkeit und Unsterblichkeit abhängig wäre. Hui, da ist Mallenglîël wütend geworden, und dabei ist sie sonst immer so ruhig. Naja, diesmal war sie auch ruhig, aber es war ganz bedrohlich und gruselig. Sie hat Hernod deutlich gemacht, dass er kein Recht hat, über die Taten vergangener Leute und so zu reden als wäre er dabei gewesen und würde verstehen, was damals geschehen war. Sie meinte, diese eine Geschichte ist eine ganz große Ausnahme. Ich habe keine Ahnung, von welcher Geschichte die beiden da geredet haben. Mallenglîël schien nun nicht mehr weiter reden zu wollen, aber Hernod setzte noch eins drauf und fragte, ob sie denn niemals geliebt habe. Mallenglîël hat ihn finster, also so richtig finster angesehen und meinte, dass die Herzen der Menschen stets schwanken und doch immer zum Eigennutz zurückkehren würden. Dann ist sie weggegangen. Ich hoffe, sie kommt morgen wieder.
Dann habe ich mich noch etwas mit Hernod unterhalten. Er hat wohl gleich wieder bereut, was er zu Mallenglîël gesagt hatte. Er hat mir gesagt, dass er sie ja versteht, und dass er wirklich eigennützig war. Er dachte, bei den Elben wäre es so wie bei den Menschen, dass es zu dieser Zeit ab und zu schon mal möglich ist, sich mehrmals zu verlieben. Da hab ich ihn gefragt, ob es dann überhaupt echte Liebe gewesen ist, wenn man danach wieder jemanden lieben kann. Hm, vielleicht haben die Elben aber auch generell ganz andere Gefühle. Und vielleicht ist das bei den Menschen auch so! Ich bin immer verwirrter.
Wie geht es euch? Geht es Mutter und Vater gut? Ich hoffe, alles hat mit der Ernte geklappt. Bitte grüße Mutter und Vater von mir. Ich hoffe, meine Briefe kommen überhaupt irgendwann bei dir an… Aber bestimmt tun sie das! Da bin ich mir ganz sicher! Irgendwann bestimmt. Hoffe ich.
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Re: Re: Mein lieber Drubb, ...

Ungelesener Beitragvon Maiglockli » Samstag 30. Mai 2020, 15:59

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3. Halimath (September)
Mein lieber Drubb,
Hernod und ich sind immer noch für uns, Mallenglîël ist noch nicht zurück zu uns gekommen. Der Hernod macht sich jetzt natürlich Vorwürfe, weil er sie wohl beleidigt hat. Mallenglîël ist gestern in der Nacht nochmal da gewesen, sie hat aufgepasst, dass Hernod sie nicht bemerkt und ich war schon beim Einschlafen. Sie hatte mir angeboten, mit ihr weiter zu reisen, wenn ich nicht bei Hernod bleiben wollte. Der Hernod und ich haben aber schon so viel durchgemacht und erlebt, da kann ich ihn ja nicht einfach so allein lassen, nein, nein. Mal sehen, vielleicht schließt sich Mallenglîël ja doch wieder uns an. Ich hoffe es sehr. Nun, jetzt müssen wir mehr klettern als vorher, weil Mallenglîël uns auf begehbareren Wegen durch die Wälder geführt hatte. Wir finden aber ganz viele Blaubeersträucher und ich konnte eine Menge sammeln! Hach, ein feiner Blaubeerkuchen wäre gut… Die Blaubeeren allein tun es aber auch. Während wir so gehen, unterhalten der Hernod und ich uns über alle möglichen Dinge. Wir haben auch darüber geredet, was wir beim Reisen am meisten vermissen. Also, ich vermisse ein schönes warmes Bad. Und ordentliches Essen. Und natürlich vermisse ich meine Freunde und euch! Und dann noch die Hügel und Wiesen und Felder und Flüsse und Bäche und Wälder im Auenland. Aber beim Reisen lerne ich neue Leute kennen und sehe neue Landschaften, und ich kann neues Essen probieren und der Regen ist wunderbar, wenn wir uns dabei unterstellen können. Der Hernod vermisst vor allem die Gelage in den Gasthäusern. Er meinte aber, dass er auf Reisen auch in viele Gasthäuser kommt. Am meisten vermisst er, jeden Morgen am gleichen Ort aufzuwachen und das gleiche aus dem Fenster zu sehen. Er ist aber auch sehr neugierig. Dann hat er mir eine Geschichte erzählt von einer Elbenfrau und einem Menschen, die sich ineinander verliebt hatten. Er meinte, er kenne selbst nur ganz wenig von dieser Erzählung, und dass die beiden viele Gefahren überstanden haben und die Elbin dann die Sterblichkeit gewählt hat. Die Geschichte war traurig, aber auch schön. Die beiden sollen die Vorfahren der alten Könige aus dem Westen gewesen sein, und der Hernod interessiert sich sehr für die Vergangenheit dieser Menschen. Er will deshalb von den Trollhöhen aus weiter nach Hulsten oder Eregion, weil da wohl viele Ruinen aus ganz alter Zeit sind. Jetzt gehen wir also eher in Richtung Süden, an einer Felswand entlang. Zum Abend hin hat es angefangen, zu regnen, aber wir konnten uns zu einer Nische im Stein retten und sind trocken geblieben. Hier ist es am Feuer recht gemütlich. Hernod hat gesagt, dass wir ganz in der Nähe von Bruchtal sind, da leben die Elben. Die Elben beobachten uns sicherlich auch, weil sie wachsam sind. Zuerst wollte Hernod nach Bruchtal, aber ich glaube, dass er sich jetzt ohne Mallenglîël nicht mehr hin traut. Die Elben würden ihn wohl nicht einfach so rein lassen. Wie es bei den Elben so ist, frage ich mich. Wie sieht es da aus? Und so viele Elben auf einmal kann ich mir gar nicht richtig vorstellen. Vielleicht kommen wir irgendwann noch da hin, wenn Mallenglîël wieder bei uns ist. Ich hoffe immer noch, dass sie zurück kommt, und Hernod hofft das auch. Wie geht es euch denn so? Grüße alle bitte recht herzlich von mir, ich vermisse euch alle sehr.
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Re: Re: Mein lieber Drubb, ...

Ungelesener Beitragvon Maiglockli » Montag 1. Juni 2020, 10:30

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4. Halimath (September)
Mein lieber Drubb,
Mallenglîël ist immer noch nicht da. So langsam mache ich mir Sorgen. Also, mit Hernod ist es ja sehr lustig, aber vermissen tu ich sie schon… Vielleicht kommt sie morgen wieder. In der Zwischenzeit sind Hernod und ich langsam und gemütlich weiter gewandert, wir haben es ja auch nicht eilig. Wir genießen die herbstliche Natur. Von weitem erkennen wir schon, dass es in Richtung Süden kahler mit der Landschaft wird und hügeliger und felsiger. Das ist sicherlich auch ein Grund dafür, warum wir beide nicht ganz so recht dort hin gehen wollen. Aber wir wollen uns diese alten Steine angucken und deshalb sind wir sehr motiviert! Wir singen auch ganz viel zusammen, das macht großen Spaß. Und der Hernod kann ganz viele Geschichten erzählen! Da ist zum Beispiel die Geschichte von einem längst untergegangenen Königreich der Menschen im Westen, das hieß Nu-Mennor. Die Menschen dort wurden ganz alt, viel älter als sie es eigentlich werden, und sie waren ganz schlau und künstlerisch und wohlhabend. Irgendwann wollten sie ihren Reichtum und ihr Glück gern mit den Elben im Westen teilen, und sie sind mit ganz vielen Schiffen dort hin gesegelt, aber die Valar haben den Elben den Besuch nicht gegönnt und haben das Königreich zerstört. Wie schade. Dieses Nu-Mennor hätte ich gern mal gesehen.
In einer anderen Geschichte ging es um einen Menschen, der hatte einen ganz großen Jagdhund, der hieß Huhand und der konnte sogar sprechen! Aber dieser Mensch hat seine Schwester geheiratet. Sowas machen wir beide nicht. Und weil er sowas Schlimmes getan hat, wurde ihm ein Drache auf den Hals gehetzt, um ihn dafür zu bestrafen. Den Drachen hat er aber mithilfe seines Jagdhundes getötet und hat sich mit seiner Schwester auf einer Insel versteckt. Dort sind die beiden dann gestorben. Dann hat Hernod mir noch eine Geschichte über Gil-Galad, den großen Elbenkönig, erzählt. Der kam ursprünglich aus dem fernen Westen und hat sich unterirdisch in einer riesigen Grotte niedergelassen. Als es ihm dort zu langweilig wurde, ist er an der Küste auf eine Insel gezogen. Ich habe Hernod gefragt, ob er auch Geschichten von dem Land kennt, zu dem wir gerade unterwegs sind. Und was denkst Du, natürlich kennt er welche darüber! Da lebten einst Zwerge und Elben in Freundschaft zusammen, und die Zwerge haben eine schöne Halskette gemacht und die Elben einen schönen Edelstein, und das haben sie dann miteinander verbunden. Nun gab es aber das Problem, dass jeder die Kette mit dem Edelstein für sich haben wollte. Das hat der Große Böse Dunkle Herrscher mitbekommen und hat sich als Elb verkleidet und hat den Elben und Zwergen ein Tauschgeschäft vorgeschlagen. Er hat beiden Seiten Ringe gegeben und dafür die Kette mit dem Edelstein bekommen. Aus dieser Kette mit dem Edelstein hat er dann noch einen Ring gemacht und das war ein Zauberring mit ganz riesiger Macht, und mit dem Ring hat er dann versucht, alle zu unterjochen, bis er von Gil-Galad, dem Elbenönig, der auf einer Insel wohnte, besiegt wurde. Elendil, einer der Könige von Nu-Mennor, hat dem Bösen den Ring vom Finger geschnitten und sein Sohn Isildur hat den Ring dann in Sicherheit gebracht. Huiuiui, das sind alles ganz spannende Geschichten! Und der Hernod weiß so viel, er ist so schlau! Ich freue mich schon auf die nächsten Geschichten. Bitte grüße alle herzlich von mir!
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Re: Re: Mein lieber Drubb, ...

Ungelesener Beitragvon Maiglockli » Dienstag 2. Juni 2020, 12:23

9-5. FurchtbarSeite1.jpg
9-5. FurchtbarSeite1.jpg (1.11 MiB) 15 mal betrachtet



5. Halimath (September)
Mein lieber Drubb,
ich weiß nicht recht, was ich Dir schreiben soll. Mallenglîël meinte, ich soll mich ablenken, indem ich einen Brief schreibe, aber beim Schreiben muss ich auch an das denken, was passiert ist. Es ist etwas ganz Furchtbares passiert. Heute morgen wurden Hernod und ich angegriffen. Das war eine Gruppe Bilwisse aus dem Gebirge, die hatten sich wohl zu uns verirrt. Wir haben sie zu spät bemerkt und es ging alles so schnell. Hernod wurde von einem Pfeil getroffen, von hinten in den Rücken. Oh je, ich hoffe ganz doll, dass er das übersteht! Als die Ungeheuer uns angegriffen haben, sind plötzlich Elben zwischen den Bäumen und aus dem Gebüsch gesprungen und haben die vielen Bilqisse rasch erledigt. Mallenglîël war auch dabei und sie hat sich gleich um Hernod gekümmert und ihn hochgehoben und auf eins der Pferde gepackt. Mich hat sie auf ihr eigenes Pferd mitgenommen. Naja, sie hat kein eigenes Pferd, das war wohl eins der anderen Elben. Diese Elben haben uns nach Bruchtal gebracht, aber ich konnte vor Tränen gar nichts sehen. Ich hatte auch nur zu Hernod geguckt. Seine Wunden werden behandelt, aber sie wollen mich nicht zu ihm lassen, weil er Ruhe braucht. Die Elben können nicht sagen, ob er durchkommt, weil der Pfeil vergiftet war. Jetzt können wir nur noch abwarten… Ich kann nicht einschlafen, ich muss immerzu an all das Blut denken und an den armen Hernod. Er hat versucht, mich noch in Sicherheit zu bringen und hat dabei einen Pfeil abbekommen. Ich hoffe so sehr, dass es ihm bald wieder besser geht… Bitte grüße alle von mir.
Deine Maiglockli

_________________________________________________________________________________________________________________________________________

Nun folgt ein Kommentar der letzten Ereignisse aus Hernod Glimmziegels Sicht.


Plötzlich bin ich ganz weit weg. Ein seltsames Gefühl. Als wäre ich in einem dicken Nebel. Ich blicke an mir herab und sehe eine Pfeilspitze. Sie ragt aus meinem Brustkorb.
Wurde ich von einem Pfeil getroffen? Ich habe einen seltsamen Druck am Rücken gespürt… Das wird es wohl gewesen sein…

Mein Atemzug brennt.

Der Pfeil hat mein Herz durchbohrt. Ich spüre, wie es mit aller Kraft versucht, zu pumpen… zu pumpen… ...zu pumpen… Hektisch zieht es sich zusammen. Unregelmäßig. Zittert es vor Angst?

Ein Schmerz setzt ein. Er ist sehr fern. Es rauscht in meinen Ohren. Mein Herz windet sich panisch.

Jetzt spüre ich einen starken Druck in meinem Kopf. Ich sehe kleine Flecken, die auftauchen und gleich wieder verschwinden. Was ist das dort in meiner Brust?... Wurde ich von einem zweiten Pfeil getroffen? Oder sehe ich schon doppelt… Nein… Dort sind meine Hände, zwei Hände… Zwei Hände voller Blut.

Ich spüre einen stechenden Schmerz. Er rammt sich in meine Brust. Ich keuche auf und spucke dabei Blut. Mein Brustkorb brennt.

Ahhh, verdammt! Verdammt nochmal, verdammt, ver-… verdammt…

Wie bin ich auf meine Knie gekommen?... Ich muss wieder aufstehen. Dadurch huste ich, der Schmerz schwillt an, ich muss. Ich muss aufstehen.
Wo sind meine Freunde? Wo ist Mallengliel? Wo, wo ist Maiglockli? Ihnen darf nichts geschehen!

Tränen trüben meine Sicht. Sie vermischen sich mit Blut. Die Welt ist rot und fleckig.

Ich sehe Maiglockli. Auf ihrem Gesicht sehe ich den Schmerz, den ich verspüre.
Lauf weg! Versteck dich, kleiner Hobbit! Das kannst du doch, versteck dich und bring dich in Sicherheit! Wo ist Mallengliel? Ich kann dich nicht mehr beschützen.

Ich höre ein Lied. Es ist weit entfernt. Es ist unser Wanderlied.

Da ist Mallengliel. Sie ist ruhig. Also seid ihr in Sicherheit.
Bitte zieht mir die Pfeile raus, damit ich euch ein letztes Mal umarmen kann.
Ihr haltet mich… Ihr umarmt mich trotz der Pfeile. Umklammert meine Schultern, meine Arme.

Ein stechender Schmerz. Mein Herz überschlägt sich. Es wird langsamer. Meine Lider sind schwer.

Ich höre den Gesang. Ganz nah an meinem Ohr. Maiglockli schluchzt. Jetzt müssen wir Abschied voneinander nehmen. Wandert ohne mich weiter, meine Freunde. Mein Herz ist dahin, aber ich werde in euren Herzen weiterleben.

Seht für mich die Welt…
Ich hätte so gern mehr von der Welt gesehen… Ich wollte noch so viel sehen… So viel, es… es gibt noch so viel, das ich… Ich wollte nur…

Ein Rauschen in meinen Ohren. Die Flecken verdichten sich. Sie werden heller. Immer heller. Ich spüre keinen Schlag in meiner Brust. Ich spüre keinen Schmerz. Keinen körperlichen Schmerz.

Ich spüre Hände, die mich halten. Ich spüre Wärme um mich herum. Ich spüre… Ich spüre, dass ich… Dass ich euch nicht verlieren will. Ich will euch nicht verlassen. Ich will euch nicht vermissen müssen.

Ein stechender Schmerz. Mein Herz hat noch einen Sprung gemacht. Wenn ich jetzt herab sehe, sitzen die Pfeile tiefer. Oder ist es jetzt doch nur ein Pfeil? War das Herz links oder rechts?...

Alles wird weiß.

Alles wird schwarz.

Wandert ohne mich weiter.


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