OOC oder IC? Ich oder mein Charakter?

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Filbu
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OOC oder IC? Ich oder mein Charakter?

Ungelesener Beitragvon Filbu » Donnerstag 4. Januar 2018, 01:54

OOC oder IC? Ich oder mein Charakter?

Liebe Südvierteler,

um die verschiedenen Bereiche des Rollenspiels (Beziehungs RP, Konflikt RP etc.) besser einordnen und verstehen zu können, ist es eigentlich unumgänglich sich mit dem oben genannten Thema zu befassen.

Dafür müsste man ein bisschen ausholen und sich mit der Definition von Rollenspiel befassen.


Was ist Rollenspiel eigentlich?

Die Definition lautet: Als Rollenspiel bezeichnet man in der Spielwissenschaft eine Spielform, bei der die Spielenden die Rollen realer Menschen, fiktiver Figuren, Tiere oder auch Gegenstände übernehmen. Dies können die eigenen Eltern, Lehrer oder Freunde, aber auch Wunschfiguren aus dem Abenteuerbereich, Tiere wie Hunde oder Katzen bzw. Maschinen wie Motorräder oder Flugzeuge sein.

Das Rollenspiel das wir praktizieren würde ich in Richtung der „fiktiven Figuren“ einordnen. Flugzeuge und Motorräder kommen ja bei uns doch seltener vor. ;)


Um das mit den oben genannten Begriffen (OOC,IC) in Verbindung zu bringen würde ich es wie folgt zuordnen.

Ich, der Spieler = OOC

fiktive Figur, Rolle = IC


Ausformuliert würde das dann ungefähr so klingen.

OOC oder OT: Abkürzung für Out of Charakter. Bedeutet dass ein Rollenspieler nicht als Charakter sondern als Spieler schreibt und handelt.

IC oder IT : Abkürzung für „In charakter“ oder „In-Time“ Bezeichnet den Zustand in dem der Spieler aus Sicht seines fiktiven Charakters agiert. Er passt dabei Verhalten. Sprache, Eigenarten etc. an die Rolle des Charakters an.



Wie entsteht denn eine Rolle überhaupt?

Als ich als Neuling zum ersten Mal den Satz hörte „Schreib aus Sicht deines Charakters“ war ich sehr irritiert und es dauerte noch eine Weile bis ich den Inhalt dieses Satzes verstanden habe. Damals fragte ich mich nur „Warum hat mein Charakter überhaupt eine eigene Sicht?“ und „Wo hat er die überhaupt her?“

Den Grundstein für die eigene Sicht des Charakters legen wir bei der Charaktererstellung. Manchmal fängt ein Charakter mit einer kleinen Idee an, um die sich dann langsam ein Konstrukt bildet, das mit Namen, Hintergrundgeschichte, Aussehen, Eigenschaften zusammengebaut wird. Manch einer geht dabei bis ins letzte Detail. Andere wiederrum begnügen sich mit einigen groben Eckdaten. Das ist Geschmacksache und hat seine Vor und Nachteile. Fest steht jedenfalls, ordnet man seinem Charakter Eigenschaften, Erfahrungen und eine Hintergrundgeschichte zu, so wird er auf seine ganz eigene Art entscheiden, urteilen, agieren und distanziert sich damit von der Person die ihn steuert, den Spieler.


Das ganze an einem Beispiel verdeutlicht. Mein Charakter „Filbu“ ist Sohn von sehr traditionellen, konservativen Hobbits. Er ist spießig, eigensinnig und rechthaberisch. (Kurzfassung)

Würde man z.b fragen ob eine Frau grundsätzlich Kleider tragen sollte, würden die Antworten von mir und meinem Charakter sehr weit auseinander gehen. ;) Das ist allerdings nicht immer so. Auch bei mir und meinen Charakteren gibt es sicher Überschneidungen, die allerdings nicht beabsichtigt sind. Man ist nun mal auch bei der Auswahl von Eigenschaften begrenzt.


Ist es noch Rollenspiel wenn der Charakter, in Eigenschaften und Sprache, exakt dem Spieler entsprechen? Wenn man sich Begriffe wie OOC/IC oder generell die Definition des Rollenspiels anschaut, müsste man hier eigentlich mit „Nein“ antworten. In jedem Fall kann man, denke ich, nicht von einer “fiktiven Figur“ sprechen, wenn der Charakter mich selber widerspiegelt. Das klingt dann eigentlich eher nach „Selbstdarstellung“. Hihi. Es sei denn man betrachtet sich selbst, den Spieler, als Rolle. Das finde ich allerdings etwas abstrakt und für mich persönlich auch nicht reizvoll. Aber das ist nur meine Meinung.



Hat es Vorteile seinem Charakter sehr ähnlich zu sein?

Ohja. Das denke ich schon. Gerade für einen neuen Spieler (mir ging es genauso) ist es sicherlich einfacher in verschiedenen Situationen zu agieren bzw. zu reagieren, da man nicht überlegen muss "wie würde mein Charakter entscheiden?“. Man wird sicher auch mehr Redeanteil haben wenn man einfach drauf losplappern kann ohne sich zu fragen „Würde mein Charakter das genau so sagen?“


Hat es Nachteile meinem Charakter ähnlich zu sein?

Ja. Das glaube ich schon. Ich denke dass es für einen Spieler der seinem Charakter gleicht, schwerer ist in Konfliktsituationen den kühlen Kopf zu bewahren. Er fühlt sich mit dem eigenen Charakter vermutlich „verbundener“ und könnte dadurch leichter anzugreifen sein. Des Weiteren kommt es vor das in Sippen und anderen Benutzerchats teilweise OOC und IC geschrieben wird. Hier ist es für andere Spieler sicherlich schwieriger zu differenzieren wer gerade schreibt, wenn ich meinem Charakter gleiche. Da helfen dann nur noch die Klammern.


Ist es möglich den Charakter im Nachhinein ein bisschen von mir zu distanzieren und ihm mehr Eigenleben zu geben?

Ja. Das finde ich schon. Viele Details werden vermutlich die wenigsten Charaktere über meinen Charakter wissen. Meinen Charakter Filbu hab ich mit wachsender Spielerfahrung immer wieder etwas verändert, ohne dass es groß aufgefallen ist. Dabei hat er sich von meinem Abbild, immer mehr zum Hobbit-Spießer entwickelt, mit dem ich persönlich wohl eher ungerne ein Bier trinken gehen würde. Hihi.


Kann ich meinen Charakter nicht einfach so lassen wie er ist?

Na klar. Keiner sollte vorschreiben wie man einen Charakter spielt. Man muss nur wissen dass andere in ihrer Charaktererstellung anders agieren und z.B. ein arrogant gespielter Charakter nicht einem arrogant gespielten Spieler gleicht.


Hat es denn Vorteile einen „fiktiveren“ Charakter zu spielen?

In erster Linie, und da kann ich denke ich für viele Rollenspieler sprechen, macht es viel Spaß mal eine Rolle zu spielen, die eben nichts mit mir als Spieler zu tun hat. Ich empfinde es auch als leichter, in Konfliktsituationen ruhig zu bleiben bzw. kann solche Situationen auch sehr genießen und mich aufs köstlichste darüber amüsieren. Gibt doch nichts Schöneres als einen Streit zwischen Mikho und Craaco. ïŠ


Hat es Nachteile einen „fiktiveren“ Charakter zu spielen?

Einen Nachteil sehe ich dann wenn der Charakter mit eher unbeliebten Eigenschaften erstellt wird. Hier kann es dann doch mal zu Konflikten kommen wenn jemand OOC und IC nicht auseinander halten kann. Ein Nachteil könnte es auch sein das mir der erstellte Charakter „fremd“ bleibt. Ich selber brauche vielleicht 2-3 Anläufe um ein Gespür für einen neuen Charakter zu bekommen. Manchmal gelingt das auch auf Anhieb. Das hat aber rein gar nichts mit dem Sympathiewert des Charakters zu tun und auch nicht damit ob er mir ähnlich ist. Ist auch irgendwie nur Übungssache. Zudem ist das erstellen eines detaillierteren Charakters auch zeitaufwendiger.


Ich hoffe dass ihr einen Einblick in die Möglichkeiten bekommen habt, wie ein Charakter erstellt werden kann. Falls hierzu noch Fragen oder Ergänzungen auftauchen, tut euch keinen Zwang an. Wichtig auch hier zu erwähnen. Ich möchte niemanden belehren sondern nur etwas Hilfestellung geben sich in der Welt der Rollenspieler besser zu Recht zu finden.
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Re: OOC oder IC? Ich oder mein Charakter?

Ungelesener Beitragvon Tulpeline » Donnerstag 4. Januar 2018, 12:49

Ich habe Tulpeline damals nicht mal als RP Char erstellt sondern wollte mit ihr eigentlich nur Questen. Erst danach wurde sie dann zu einem RP Charakter als ich vermehrt Hobbit RP machen wollte.
Ich hatte mir dann nur grob eine Geschichte ausgedacht und sie dann über Jahre "Wachsen" lassen. Da sie ja noch recht Jung war konnte ich das so machen das sie eben nach und nach neue Dinge lernt.

Um ehrlich zu sein entstehen praktisch alle meine RP Charaktere so. Ich hatte noch nie eine komplett detailreiche Hintergrundgeschichte bei der Erstellung eines RP Charakters. Es ist einfach nicht meine Art.
Klar eine Grundidee ist natürlich da. Aber das sind dann eher Stichpunkte als eine ganze Geschichte.
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Re: OOC oder IC? Ich oder mein Charakter?

Ungelesener Beitragvon Filbu » Donnerstag 4. Januar 2018, 13:01

Hehe. Ja so geht das manchmal.

Filbu war ein Lagerchar bevor ich zum RP kam. ^^
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Re: OOC oder IC? Ich oder mein Charakter?

Ungelesener Beitragvon Millaray » Sonntag 5. Januar 2020, 20:42

Ist eigentlich ic = intime und ooc = outtime?

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Re: OOC oder IC? Ich oder mein Charakter?

Ungelesener Beitragvon Valimaro » Sonntag 5. Januar 2020, 20:59

iC heißt in caracter und meint, dass alles, was ic gesagt und emotet wird, in der Charakterrolle erfolgt.

ooC heißt out of caracter und meint, dass alles, was ooc gesagt und emotet wird, außerhalb der Charakterrolle erfolgt.

Dazu gibt es einen tollen Guid vom Platzhirsch in Sachen MMORPG.

https://eu.battle.net/forums/de/wow/topic/5116093001

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Re: OOC oder IC? Ich oder mein Charakter?

Ungelesener Beitragvon Millaray » Sonntag 5. Januar 2020, 21:02

Genau. s.o., was Filbu geschrieben hat. Und andere Leute nutzen intime und outtime statt IC und OOC *zwinkert*

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Re: OOC oder IC? Ich oder mein Charakter?

Ungelesener Beitragvon Valimaro » Sonntag 5. Januar 2020, 21:04

Echt? Habe ich noch nie auf Bele gelesen

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Re: OOC oder IC? Ich oder mein Charakter?

Ungelesener Beitragvon Millaray » Sonntag 5. Januar 2020, 21:13

Jo. Ich habe schon mal die Begriffe das ein oder andere Mal zur Gesicht bekommen.

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Re: OOC oder IC? Ich oder mein Charakter?

Ungelesener Beitragvon Bango » Sonntag 5. Januar 2020, 22:00

Uh, einen Unterschied gibts da nur auf der höchsten Pingeligkeitsstufe, hihi.

Outtime gesagtes oder geschriebenes hat in der Spielwelt, also für die Charaktere, nicht statt gefunden. Out Of Character verstehe ich so das das gesagte oder geschriebene zwar nicht so formuliert wurde wie der Charakter es sagen würde, aber das es trotzdem in der Spielwelt stattegfunden hat.

Hier beim Verbund war eben ein gutes Beispiel. Jemand hat gefragt "Wollte soundso nicht auch noch kommen?", und jemand anders hat geantwortet "((Der hat RL))". Wenn man es nun ganz streng nimmt wissen die Charaktere noch nicht bescheid, weil es keine Intime Antwort auf die Frage gab.

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Re: OOC oder IC? Ich oder mein Charakter?

Ungelesener Beitragvon Irmeline » Dienstag 14. Januar 2020, 12:00

Ich muss sagen, dass ich ca. 10 Jahre lang Pen & Paper Rollenspiele gespielt habe und das für mich daher nie ein Problem war. Was zu einem Problem wird ist, dass ich im Chat manchmal das OOC vergesse und daher Irmeline sagen fragt, die sie eigentlich nicht fragen sollte (da sie offiziell das Auenland/Breeland/Ered Luin nie verlassen hat.

Ich denke mal, dass es vielen so geht und sie aus Bequemlichkeit das OOC weglassen (z.B. beim oben erwähnten Satz: Der hat RL). Wenn es aber sowieso klar ist, dass das OOC gemeint ist, finde ich das nicht weiter schlimm.

Es kann Euch halt passieren, dass Irmeline, wenn das OOC weggelassen wird, sich die nächsten zwei Stunden über den Satz "Der hat RL" lustig machen wird ;-)


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