Zeigt her Eure Geschichten

Die Bank unter der grossen Eiche ist genau das richtige gemütliches Plätzchen um über alles mögliche zu Quatschen und Neuigkeiten zu verbreiten.
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Pfeffer Mäusemus
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Re: Zeigt her Eure Geschichten

Ungelesener Beitragvon Pfeffer Mäusemus » Samstag 30. Dezember 2017, 03:30

Für dich, Maeral:

Der Baum-Traum

Es war einmal ein Mensch, der hatte einen Traum. Ein Traum von einem Baum, unter dem man gut Geschichten schreiben konnte. Er träumte, dass er unter diesem Baum saß und auf jedem einzelnen Blatt stand ein Stückchen eines Satzes, das man nur abpflücken und mit anderen Blättern verbinden musste, um die tollste Geschichte aller Zeiten zu erfinden. "Mensch," dachte der Mensch in seinem Traum, "dieser Baum ist ein Traum! Damit kann ich ja richtig reich werden." Und er machte sich an die Arbeit, reich zu werden, und pflückte ein Blatt nach dem anderen ab.

Nach einer Weile hatte er so viele Ringe aus Blättern um den Baum gelegt, wie der Baum Ringe in seinem Stamm hatte, und es war ein wirklich dicker Stamm, den der Mensch nicht einmal in seinen Träumen zu umschlingen vermochte. Jeder gelegte Blätterring war eine Geschichte. Da war eine, in der es um die ewig vor sich hindümpelnde Liebe zweier Elben ging, die sich über hunderte Jahre hinweg immer wieder anturtelten und doch nie zueinander fanden. Natürlich war das einer der längeren Ringe. Bei den kürzeren ging es zum Beispiel um die geschmacksvielfalt eines dritten Hobbitfrühstücks oder um einen Selbstgespräche führenden Vogel. Eine Geschichte bestand fast nur aus Namen, weil es um eine alte Frau ging, die jeden einzelnen Stachel ihres Kaktus in einer winzigen Zeremonie mit einer Pipette taufte. Der Mensch, der den Traum träumte, wollte sich eigentlich entscheiden, welche Geschichte er am Besten fand, aber dafür war keine Zeit, weil noch sehr, sehr viele Blätter am Baum hangen. Unermüdlich legte er Ring für Ring, Geschichte für Geschichte, eine besser als die Andere, in der Hoffnung, DIE eine Geschichte, die ihn vollends zufriedenstellte, zu entdecken. Und dabei bemerkte er gar nicht, dass jede einzelne Geschichte ihn vollends zufrieden stellen würde, würde er sie nur genießen.

Als er endlich bemerkte, dass an dem Baum in seinem Traum jedes Mal, wenn er ein Blatt pflückte, an anderer Stelle ein neues wuchs, wachte er schweißgebadet auf. "Mensch!" dachte der Mensch, "Was für ein Traum." und hatte all die wunderbaren Geschichten wieder vergessen.
» Und wenn Du nichts nettes sagen kannst, dann sag' doch besser gar nichts. «
(Schweinchen Babe)

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Maeral
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Re: Zeigt her Eure Geschichten

Ungelesener Beitragvon Maeral » Samstag 30. Dezember 2017, 07:57

Immer ruhig Blut Gutmald, ist mein erstes Mal das ich mich im Forum so betätige, es sei mir verziehen *seufzt* Bin nun mal aufgeregt, da habe ich etwas Anlaufschwierigkeiten. RP ist eine Sache, Forum eine ganz andere Welt.

Dies ist eine Heilrune und man flüsterte mir mal das man sie auch schon viel früher auf eine Waffe / Buch / Stein drauf packen kann. Habe es allerdings nicht ausprobiert.

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Filbu
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Re: Zeigt her Eure Geschichten

Ungelesener Beitragvon Filbu » Samstag 30. Dezember 2017, 12:18

Feine kleine Geschichte, Pfeffer. ^^

@ Maeral
Manchmal brauchen neue Ideen etwas Zeit. 1-2 Tage sind in einem Forum nicht sehr viel. Hier im Suedviertel reagieren die Leute meist schon sehr schnell auf sowas. In anderen Foren wartet man manchmal Wochenlang vergeblich auf Reaktionen. Also nicht verzagen. Es läuft ja. ;) Bubi hat es ja auch schon geschrieben. Hier gibt es so viele kreative Köpfe, da wird sich sicher oft jemand finden der was schreibt.^^
Ich finde die Idee auf jeden Fall sehr gut und bin schon gespannt auf die nächsten Geschichten. Ich persönlich fänds auch toll wenn die Geschichten/Begründungen auch hier im Thread gepostet werden, damit wir alle uns daran laben können. :lol: Pfeffer hat es ja vorgemacht. ^^^

Also. Bitte weitermachen. ;meinung
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Re: Zeigt her Eure Geschichten

Ungelesener Beitragvon Bubikopf » Samstag 30. Dezember 2017, 17:18

Genau. Schöne geschichte pfeffer. Tut mir leid wenn dich mein verknüpfungswahn nicht begeistert^^ es fällt mirwohl schwer mich kurz zu fassen und etwas alleine stehen zu lassen wenns um geschichten geht. Es ist doch schliesslich alles eine grosse symphonie
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Maeral
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Re: Zeigt her Eure Geschichten

Ungelesener Beitragvon Maeral » Samstag 30. Dezember 2017, 20:18

Lieber guter Bubikopf *lächelt* Wir Beide haben schon manche Stunden verbracht, auch wenn es um deine Geschichte und deren Verknüpfungen geht. Und auch Heute noch stehe ich oft auf dem Schlauch weil mir der Kopf schwirrt (nicht böse gemeint). Dennoch möchte ich diese Zeit mit dir ja nicht missen und freue mich auch schon wenn wir uns erneut einmal Treffen werden !

Und Filbu und auch Gutmald, ihr habe ja Recht mit dem was ihr sagt.. es war noch keine Zeit. Ich bin sehr aufgeregt weil ich mich überwunden habe meine Scheu zu überwinden und auch hier mal eine Idee einzubringen. Aufgeregt in einem so großem Forum zu so etwas aufzurufen. Mein erster Aufruf für einen SZ war da nicht minder von Aufregung, Sorge alles richtig zu machen geprägt. Bitte tragt es mir nicht nach, ich werde es lernen den Dingen seinen Lauf zu lassen und auch diese Idee wird von mir nicht verworfen.

Auch habe ich mir sagen lassen... ich hatte ja eines gar nicht bedacht, wir hatten Weihnachtszeit und der Jahreswechsel steht an. Daher werde ich meinen Aufruf einfach um eine Woche verlängern und für das nächste Mal, eine kleine Erklärung was es überhaupt ist, das was ich anbiete.. hinzufügen.

Mein Bankchar birgt einige schöne Dinge.. und vor allem wird es auch verschiedene Levelbereiche, Housingteile usw. ansprechen, damit jeder sich auch einmal angesprochen fühlt.

Und eine hervorragende Idee es doch hier im Forum zu Posten Filbu, genau so machen wir es *lächelt*

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Valimaro
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Kurzgeschichte für Maeral

Ungelesener Beitragvon Valimaro » Samstag 30. Dezember 2017, 22:15

Eine kurze Wintergeschichte aus Bockland

Es war einmal vor langer Zeit, da lebte eine kleine Hobbit-Familie nahe Krickloch bei Bockland und war dort für ihre Herzlichkeit und Güte über die kurze Türschwelle ihres Smials am Brandywine wohl bekannt.
Der Vater, Gisbert Hohlbein, arbeitete zu dieser Zeit als Fährmann auf der Bockenburger Fähre und hatte ein frohes Gemüt, denn stets war er freundlich zu seinen Passagieren und gut gelaunt, wenn er diese vom Bree- zum Auenland und wieder zurück an das Ufer übersetzte. Seine kleine Tochter, Honoria, war zu jener Zeit zwölf Sommer alt und der ganze Stolz ihres Vaters, denn sie war klug und strahlte immer bis über beide Ohren, wenn ihr lieber Vater von einem langen Arbeitstag wieder nach Hause zu ihr kam, denn die kleine Hobbit wuchs ohne Mutter auf, die bei ihrer Geburt leider verstorben war.
Gisbert brachte seiner Tochter jeden Tag etwas Schönes von seiner Arbeit mit, einmal eine kleine Holzschnitzerei eines Ponys, ein weiteres Mal einen Blumenstrauß vom Wegesrand der Fähre und ein anderes Mal einen hübschen Stein, der im Dunkeln glitzerte und kleine, helle Punkte an die Zimmerdecke warf.
Zu jedem dieser Gegenstände dachte sich Gisbert eine kurze Geschichte für seine Tochter aus und erzählte ihr diese, bevor er ihr das Geschenk überreichte und sie dieses in ihrem Zimmer aufbewahrte und zusammen mit den anderen dort in einer grünen Geschenkschachtel hortete wie einen Drachenschatz aus den altvorderen Tagen.

Die kleine Hobbitfamilie war nicht besonders reich an Gold oder wohlhabend an Besitz, doch an Liebe und Heiterkeit mangelte es den beiden Hohlbeins nicht und das wussten auch die Passagiere der Fähre sehr zu schätzen, vor allem immer dann, wenn sie nicht genug Kupferlinge parat hatten, um sich die schnelle Überfahrt über den Fluss leisten zu können.
Dann lächelte Gisbert stets, denn das war so seine Art und sprach zu den Reisenden: „Erzählt mir nur eine kleine Geschichte für meine geliebte Tochter daheim und ich setzte euch sicher über den Fluss.“
Und so erzählte Gisbert seiner Honoria die abenteuerlichsten Geschichten und brachte manchmal auch ein Geschenk aus weit entfernten Ländern für sie mit, immer dann, wenn sich die Passagiere aufgrund der Großzügigkeit des Fährmanns bei ihm mit etwas anderem als Kupfer bedankten.
So sammelten sich in den Wochen vor dem Julfest etliche Geschichten an und Honoria musste sich eine zweite und dritte Geschenkschachtel falten, um die Gegenstände zu verstauen, die ihr Vater von den Reisenden zum Dank erhielt.
An einem kalten Tag im Winter, es muss noch etwa eine Woche vor dem Höhepunkt des Julfestes gewesen sein, gefror der Brandywine an einigen Uferstellen und nur eine kleine Wasserpassage wurde von den Hobbits des Auenlandes und den Menschen aus Bockland komplett frei vom Treibeis und schiffbar gehalten, um den Fährbetrieb möglichst aufrecht erhalten zu können.
Dennoch beäugte der letzte Passagier an diesem Tag kritisch die schneebedeckte Eisfläche, die sich dicht von Ufer zu Ufer geschlossen hatte. „Warum soll ich hier teuer Geld für eine Überfahrt an dich Halbling bezahlen, wenn ich auch zu Fuß schnell über den zugfrorenen Fluss laufen kann?“, sprach der Mensch aufgebracht zu Gisbert, der am Anleger der Bockenburger Fähre wartete.
„Nun mein Herr.“, antwortete der Hobbit höflich und sprach nach einer kurzen Denkpause weiter: „Der Schein trübt und der schneebdeckte Brandywine mag aussehen, als könne man ungehindert über die weiße Schneeschicht laufen, aber es ist immer noch ein Fließgewässer und die Eisschicht ist nicht so dick und fest, wie ein ungeübter Blick vermuten ließe, sie würde euch nicht zur Gänze tragen mein Herr. Aber wenn ihr mir eine kleine Julfestgeschic.....“, lautstark unterbrach ihn der letzte Passagier und fuhr ihn wütend an: „Meister Fährmann, es ist mir gleich, was ihr mir erzählen wollt. Ich werde nun über den Fluss marschieren und jedem Hobbit von eurer falschen Freundlichkeit berichten und auch in Bockland davon berichten, wie ängstlich Fährmann Hohlbein doch ist, wenn er nicht einmal in der Lage ist, einem Reisenden über das Eis zu helfen.“
Aus Freundlichkeit und Sorge, weil sich der fremde Gast nicht von ihm belehren ließ, aber nicht als Konsequenz ob der unfreundlichen Worte und Drohungen seinerseits, die an ihn gerichtet gewesen waren, band sich Gisbert ein Seil um die Hüften und tat dasselbe auch mit dem Reisenden, um sich zur Not gegenseitig Halt auf dem Eis geben zu können.
Dann bewegten sie sich beide vorsichtig über die zugefrorenen Stellen des Flusses, Gisbert immer mit ein wenig Abstand hinter seinem letzten Passagier. Sie hatten gerade gut die Hälfte der Wegesstrecke hinter sich gelassen und waren auf der Mitte des Fluss angekommen, als der Passagier seine Schritte in falschem Eifer beschleunigte und kräftig am Seil zog. Der Hobbit war zu schwach, um dagegen zu halten und es dauerte nicht lange, da knackte die dünne Eisschicht unter dem Gewicht des Menschen, der allerdings einfach weiterging und die Geräusche um sich herum ignorierte. Als der Fährmann auf jene Stellen trat, wo der Passagier eben das Eis hatte knacken hören, war es zu spät. Mit einem lauten Getöse zerbrach das Eis unter Gisberts Füßen und der Hobbit tauchte in das kalte Wasser des Flusses ein.
Der Mensch drehte sich kurz um, blickte in alle Himmelsrichtungen und vergewisserte sich, dass sie beide alleine waren.
Nachdem er festgestellt hatte, dass sie niemand beobachtete, holte er flink ein kleines Messer aus einer Tasche und durchtrennte eilig das Seil, das ihn mit Gisbert verband. Schnellen Schrittes erreichte der Passagier das Ufer auf der Seite des Auenlandes und machte sich aus dem Staub, ohne ein weiteres Mal zum Fährmann zurück zu blicken. Der Hobbit kämpfte derweil mit der Kälte und zappelte aufgeregt im Wasser.
Mit nassen Händen versuchte sich Gisbert zunächst alleine aus dem Fluss zu ziehen, allerdings zerbrach das Eis an diesen Stellen und das Einbruchsloch wurde immer größer. Seine Hilferufe wurden schließlich von zwei sich in der Nähe befindlichen Hobbits gehört, die gerade beim Eisfischen waren. Gisbert wurde halb ohnmächtig aus dem Fluss geborgen und in sein Smial nach Bockland gebracht.
Dort kauerte er viele Stunden lang vor dem kleinen Kamin und fiel schließlich in einen warmen Schlaf, dick in Decken eingemummelt, welche von einigen Nachbarn spendiert worden waren, denn die Hohlbeins hatten gerade einmal zwei Decken für sich zum Schlafen.
Honoria wachte Stunde um Stunde am Bett ihres Vaters und kümmerte sich liebevoll, um ihn warm zu halten.
Am Abend war Gisbert wieder bei vollem Bewusstsein, doch zitterte fürchterlich, denn auch die zahlreichen Kannen Tee, die seine Tochter ihm aufbrühte und anreichte, konnten die bittere Kälte, die ihn so lange Zeit umgeben hatte, nicht vollends auswärmen.
Nach ein paar Tagen bekam Gisbert hohes Fieber und konnte nicht mehr arbeiten gehen, sodass bald alle Vorräte im Smial aufgebraucht waren und Honoria anfing, die großen Möbel und unwichtige Gegenstände zu veräußern, um ihrem Vater dadurch teure Medizin sowie Lebensmittel besorgen zu können.
Doch auch mit der teuer erkauften Medizin verbesserte sich der Zustand ihres Vaters nicht sonderlich und das Fieber wurde stärker, sodass Gisbert bald nur noch in einem Halbschlaf anwesend war und schrecklich schwitzte.
Am Höhepunkt des Julfestes packte Honoria schweren Herzens ihre über Jahre gesammelten Gegenstände in eine große, leere Kiste zusammen und zog von Tür zu Tür, um die wertvollsten von ihnen an die umliegenden Familien verkaufen zu können, während ihr Vater immer schwächer wurde. Und bei jedem der Gegenstände, zu denen sie wundervolle Geschichten kannte, schluchzte sie äußerlich und weinte innerlich bittere Tränen, denn diese Tagesgeschenke ihres Vaters waren ihr kostbarster Schatz, doch wollte sie alles Nötige hergeben, nur um ihren Vater gesund pflegen zu können.
Als die Medizin langsam zur Neige ging und bereits alles Wertvolle im Smial sowie alle Geschenke von schätzbarem Wert verkauft worden waren, kramte Honoria voller Trauer auf dem Boden ihrer grünen Geschenkschachtel und holte die drei letzten Gegenstände hervor: die hölzerne Ponyschnitzerei, die letzten getrockneten Blumen vom einstigen Blumenstrauß und den glitzernden Stein, der ihr die Nacht erhellte.
Einsam seufzte sie aus und sprach zu sich selbst: „Nun muss ich mich auch von euch trennen, auch wenn ich euch schweren Herzens weggeben, aber Papa muss wieder gesund werden und braucht seine Medizin.“
Doch niemand in Bockland und den umliegenden Gehöften wollte Kupfer für eine Holzschnitzerei, alte, getrocknete Blumen und einen kleinen, unscheinbaren Stein ausgeben und voller Verzweiflung wandte sich Honoria an jeden Menschen und Hobbit in ihrer nahen Umgebung, um Geld für die Medizin ihres Vaters zu bekommen.
Doch niemand erbarmte sich ihrer und so kehrte sie unverrichteter Dinge zu später Stunde zurück und brach erschöpft vor der Haustür des Smials zusammen.
Es hatte gerade angefangen zu schneien und die weißen Flocken legten sich sanft auf das Haar und die Stirn der jungen Hobbt, als diese schließlich wieder zu sich kam und ein alter, in einer dunklen Kutte gehüllter Mann vor ihr stand und sie vorsichtig mit seinem langen Holzstab am Fuß berührte.

„Ist alles in Ordnung, Mädchen?“, fragte der Fremde mit tiefer, männlicher Stimme.
Honoria blickte zu ihm auf, nickte dann leicht und sprach: „Es ist alles in Ordnung, auch wenn ich heute nichts von meinen Schätzen verkaufen konnte. Ich sollte zu meinem Vater ins Haus gehen.“
Die Hobbit machte sich daran, aufzustehen und legte eine Hand an die Türklinke ihres Smials, als der Fremde plötzlich sagte: „Was verkaufst du denn für teure Schätze, mein liebes Kind?“ Honoria war verblüfft, wie oft hatte sie heute Absagen erhalten, wollte sie noch eine weitere hören? Doch weil sie eine freundliche Seele hatte, lächelte sie den Fremden fröhlich an und zeigte ihm die drei Gegenstände. „Das ist mein kleiner Schatz, werter Herr. Der wertvollste Besitz, den ich anzubieten habe....“ Und so erzählte Honoria dem Fremden ihre drei Lieblingsgeschichten, jeweils passend zu den drei Gegenständen und ließ dabei kein Detail aus, auch wenn es noch so lang dauerte, die Geschichten einzeln vorzutragen.
Und der Fremde lauschte gebannt ihren Worten und nicket ihr stumm zu.
Als die Hobbit schließlich am Ende angekommen war und verstummte, schloss der Fremde seine Augen und fragte Honoria: „Was möchtest du für deinen Schatz haben, mein Kind?“ Honoria wirkte neugierig, denn so hatte niemand an diesem Tage auf ihre Geschichten und Gegenstände reagiert. „Was kannst du mir anbieten, mein Herr? Ich möchte zur Zeit des Julfestes auch nicht viel von jemanden verlangen, denn alle hier haben nicht mehr als das Nötigste, was sie zum Leben brauchen. So würde ich nur einen Kupferling für alle drei Gegenstände oder etwas zu Essen oder ein wenig Medizin gegen Fieber erbitten, wenn ihr eines von diesen Dingen entbehren könntet.“
Der Fremde dachte kurz nach und sprach dann mit sanfter Stimme: „Ich besitze einen magischen Heilstein, der in der Lage ist, jeden gesund zu machen, egal, welche Krankheit ihn befallen hat. Alles, was man dafür braucht, ist eine fröhliche Geschichte, die man dem Stein einflüstert. Dann entfaltet er seine Wirkung und heilt denjenigen von seinen Gebrechen, der ihn mit beiden Händen fest umschließt und ihm eine Geschichte zuflüstert.“
Honoria bekam große Augen und war sichtlich irritiert: „Aber so etwas Wertvolles kann ich nicht annehmen mein Herr, ich kann euch nur meine Gegenstände anbieten, mehr nicht.“ Der Fremde überlegte ein weiteres Mal und sprach dann: „Nun, ich liebe Geschichten. Wenn du mir 10 schöne und vor allem unterschiedliche Geschichten zu 10 unterschiedlichen Gegenständen hier und jetzt erzählen kannst, dann schenke ich dir diesen Stein ohne deinen Schatz, also die drei Gegenstände, im Tausch zu verlangen.“
Honoria grinste über beide Ohren und reichte dem Fremden ihre Hand zum Einschlagen. „Abgemacht.“, sprach sie zu ihm.
Nach einem kurzen Handschlag erzählte Honoria dem fremden Alten die 10 schönsten Geschichten ihres Vaters, mit Ausnahme der drei, die sie ihm bereits zuvor geschildert hatte und ließ auch dabei kein Detail aus.
Und bis tief in die Nacht berichtete die junge Hobbit ihm von gefährlichen Abenteuern, lustigen Quatsch- und süßen Liebesgeschichten zweier Herzen und in all der Zeit umgab die zwei ein warmes Gefühl, das sie vor der Kälte der Nacht und des Winters schützte und ihnen die Nacht nicht zu lang werden ließ.
In den frühen Morgenstunden, die Sonne ging gerade auf, fielen Honoria sanft die Augen zu und sie versank in einen warmen Schlummer.
Als sie erwachte, lag sie in ihrem Bett und wunderte sich, ob sie die Ereignisse der letzten Nacht lediglich geträumt hatte. Schnell schlüpfte sie aus ihrem Bett und eilte die Treppe zum Zimmer ihres Vaters herunter, der immer noch unter Fieberkrämpfen in seinem Bett lag.
Enttäuscht stiegen ihr ein paar Tränen in die Augen und sie setzte sich traurig auf einen nahen Stuhl, in dem Wissen, alles nur geträumt zu haben.
Doch plötzlich klopfte es laut an der Haustür und mit einem Schreck fuhr Honoria zusammen und blickte um sich.
Gerade noch rechtzeitig, denn ein großer Schatten huschte vor einem Fenster davon.
Flink stürmte die Hobbit zur Haustür und öffnete diese, sie ließ den Blick in alle Richtungen schweifen, doch da war niemand.
Aber was war das zu ihren Füßen? Ein kleiner weißer Briefumschlag lag auf der Fußmatte vor dem Smial. Sie hob ihn auf und ließ einen unscheinbaren, glatten Stein auf ihre Hand gleiten, der aus dem Umschlag fiel.
Was hatte dies zu bedeuten? Eilig öffnete sie den Umschlag und las das nach Zimt und Lebkuchen duftende Stück Papier, auf dem mit roter Tinte geschrieben stand:
„Für den wertvollsten Schatz der besten Geschichtenerzählerin, die ich bisher auf meinen Reisen traf, schenke ich dir, Honoria Hohlbein, meinen kostbarsten Besitz, einen magischen Stein, über den wir gestern Nacht gemeinsam sprachen. Verwahre ihn gut und nutze ihn sinnvoll. In tiefer Anerkennung deiner tollsten Geschichten, der Julvater“
Honoria war völlig sprachlos und las den Brief zwei weitere Male, dann stürmte sie voller Freude zurück in das Haus und probierte den Stein umgehend an ihrem Vater aus, indem sie ihn bat, eine seiner Lieblingsgeschichten in den Stein zu flüstern und diesen fest mit beiden Händen zu umklammern.
Nachdem Gisbert dies getan hatte fiel das Fieber von ihm ab und die Fröhlichkeit und das Leben kehrten zurück in seinen Körper.
Voller Freude umfasste er seine Tochter, erhob sich aus seinem Bett und wirbelte Honoria durch die Luft.
Beide Hobbits lachten laut und freuten sich, dass die schlimme Zeit nun überstanden war.
Das Schicksal der beiden rührte die Herzen der umliegenden Hobbitfamilien so sehr, dass alle im Winter zusammenlegten und so die Hohlbeins mit neuen Möbeln und Vorräten ausstatten konnten, auf dass diese ihr bescheidenes Leben voller Liebe und Wärme fortsetzen konnten, als wenn nie etwas Schlimmes passiert wäre.

Und so mancher Bockländer erzählt sich heute, dass fortan alle schlimmen Krankheiten von den Hohlbeins geheilt werden konnten, wenn jemand in tiefer Sorge mit seinem Leiden an ihre Tür klopfte und niemals verlangten sie Kupfer dafür oder wiesen jemanden ab.

Ab und an in einer der letzten Nächte des Julfestes, so berichten noch heute die Alten aus Bockland, sieht man im Bockland einen fremden, alten Mann in dunkler Kutte, der zum Smial der Familie Hohlbein schleicht und dort Geschichten bis tief in die Nacht erzählt bekommt.
Gisbert und Honoria lebten lang und glücklich.

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Re: Zeigt her Eure Geschichten

Ungelesener Beitragvon Tulpeline » Samstag 30. Dezember 2017, 22:32

Ich glaub Valimaro hat lang und kurz verwechselt :D
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Re: Zeigt her Eure Geschichten

Ungelesener Beitragvon Gutmald » Samstag 30. Dezember 2017, 23:52

Schnief, muss mir erst die Tränen wegwifchen, so schön war die.
Tulpi, ich glaub das kommt einfach auf den Maßstab an, den man zugrunde legt (denkt an die Charaktervorstellung, die leider nicht mehr verfügbar ist).

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Re: Zeigt her Eure Geschichten

Ungelesener Beitragvon Tulpeline » Sonntag 31. Dezember 2017, 00:08

War ja auch nicht böse gemeint =)
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Re: Zeigt her Eure Geschichten

Ungelesener Beitragvon Bubikopf » Sonntag 31. Dezember 2017, 00:52

meine Güte, ich sagte ja hier sind kreative und gute Schreiber da, eine wundervolle Geschichte!
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