Blutmond über Tham Gelair

Geschichten aus Tolkiens Welt vom Herrn der Ringe und anderen Werken.
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Valimaro
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Blutmond über Tham Gelair

Ungelesener Beitragvon Valimaro » Donnerstag 13. Juni 2019, 21:55

...es ist bereits tief in der Nacht...
...drei Reiter nähern sich unauffällig der Elbenruine Tham Gelair in den Ausläufern des Blauen Gebirges, ein jeder von ihnen ist sich über den Ernst der Lage sehr wohl bewusst und ein jeder von ihnen ist zu allem entschlossen, wenn sich die Vermutungen ihrerseits bestätigen sollten...

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...in den alten und unbewohnten Elbenruinen abseits von Celondim ist ein helles Flackern vom Feuerschein zu erkennen und heiterer Lärm dringt von der Anhöhe herunter zur Straße, auf welcher sich die Reiter im Schutze der Dunkelheit von ihren Pferden schwingen und sich geräuschlos und routiniert auf die Anhöhe zu bewegen...

"Was soll das bitte für ein widerlicher Fraß sein, den du mir da vorsetzt, Hetho? Kannst du nicht einmal ein verdammtes Reh richtig zu bereiten?"
Seine letzten Worte hallten allen Anwesenden um das knisternde Feuer noch gedanklich nach.
Für einen kurzen Moment herrschte Stille zwischen ihnen.
Um das kleine Lagerfeuer herum saßen sechs groß gewachsene und kräftige Männer, wie so oft dieser Tage stritten sie über das Essen, was ihnen vorgesetzt wurde.

Der Mann, an den sich die geäußerte Kritik ganz offenkundig richtete, drehte sich mit einem finsteren Gesichtsausdruck zum Wortführendem herum und fuhr diesen lautstark an:
"Das ist kein Reh, du dämlicher Hammelkopf, sondern der Gulasch, den die Vorbesitzer gestern hier für uns stehen ließen.
Ich habe ihn lediglich noch einmal für uns aufgekocht. Wenn es dir also nicht passt, was ich euch vorsetze, dann beweg' gefälligst deinen breiten Arsch und fang an, uns einen Rehbock hier zu jagen, dann könnte ich dir nämlich einmal zeigen, wie gut ich Wild zubereiten kann!"
Bei seinen lauten Worten fuchtelte Hetho wütend mit der großen Suppenkelle umher und verspritzte dabei nicht wenig von der heißen und kaum genießbaren Brühe auf die um das Lagerfeuer sitzenden Männer.
"Hey, pass doch auf, du Idiot!"
Einer der Männer stand sichtlich genervt auf und wischte sich die klebrige Soße von seiner Kleidung, währenddessen vier der Männer damit begannen, teilweise gespielt, aber auch teilweise ehrlich zu lachen.

Plötzlich gab der Späher, der nicht am Lager saß, sondern am äußersten Rand der Ruine Wache hielt, ein nervöses Zeichen in Richtung des Feuers und sprach leise, wenn auch hörbar:
"Ruhe, Psstt. Ich glaube wir bekommen dort Besuch."
Mit seinem Haupt deutete der Späher hinunter zur Straße, die von oben nicht zu erkennen war, auch wenn der Feuerschein weite Teilbereiche der nahen Ruine ausleuchtete.

Die Männer schauten aufmerksam in Richtung des Mannes, der am Rand der Anhöhe stand und sie gerade zur Ruhe anhalten wollte.
"Sollen wir rasch das Feuer ausmachen?", fragte Hetho in die Runde.
Dann sprach er jedoch schnell weiter:
"Nicht, dass es schon wieder diese Elben sind, das war nicht lustig mit der Schlampe vor kurzem."

Ein anderer Mann am Feuer schaute in anderen Gedanken verloren Richtung Celondim und sprach dann ruhig in die Runde der Männer:
"Wenn es die ansässigen Elben wären, dann wüssten wir es bereits. Ich denke nicht, dass sie es sind. Lass denjenigen die Anhöhe ruhig unbescholten zu uns heraufkommen, Cyril.
Wir sind schließlich keine gewöhnlichen Banditen oder Räuber. Wir werden diesen Gast schon so empfangen, wie er sich uns gegenüber verhalten wird. Vorerst will ich keine weitere Gewalt an diesem Tag."

Mit einem sanften Lächeln schaute der wortführende Mann flüchtig in Richtung der nahen Elbenruinen, wo zwei Frauen und ein Mann ängstlich gefesselt und geknebelt bei einander saßen und mit traurigen Blicken zu Boden schauten.

Der Späher nickte dem Mann daraufhin zustimmend entgegen und sprach: "Ja, mein Fürst."

Anschließend nahm Cyril seine rechte Hand von seinem Dolch am Gürtel und gesellte sich zu den anderen Männern am Feuer, die ihre Gespräche nun einstellten und den Gast aufmerksam erwarteten, der sich ihnen mit langsamen, aber überlegten Schritten, näherte.

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Valimaro
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Blutmond über Tham Gelair Teil 2

Ungelesener Beitragvon Valimaro » Sonntag 16. Juni 2019, 20:05

...ein einsamer Wanderer erklomm langsamen Schrittes die Anhöhe von Tham Gelair und trat allmählich in den warmen Feuerschein der Elbenruine, die sein Äußeres sodann etwas für alle bereits Anwesenden erhellte...

Die Männer am Lagerfeuer schauten interessiert und verwundert zu der Person auf, die sich ihrer Runde langsam näherte.
Mit einem bestimmenden Blick und einem kurzen Nicken signalisierte ihnen der Fürst, dass alle Männer ihre Hände von ihren Waffen nehmen und sich nun etwas entspannen sollten, nichts sollte einen falschen Eindruck für den neuen Gast erwecken.
Auf dieses stille Zeichen hin knirschten manche von den Männern mit ihren Zähnen, andere seufzten leise für sich oder schüttelten enttäuscht ihren Kopf und starrten anschließend in das nahe Feuer in ihrer Mitte.

Nach einigen Augenblicken befand sich der unbekannte Ankömmling in Ruf- und Hörweite, sodass sich Cyril, nach einem kurzen Blickkontakt mit seinem Fürsten, aus der Runde erhob und sich mit fröhlichen Gesichtszügen auf den Gast zubewegte.
Freundlich und mit viel Wärme in seiner Stimme sprach er dem ankommenden Gast entgegen:
"Was macht ihr hier oben, mein Herr? Seid ihr nicht mehr ganz bei Sinnen, dass ihr hier, mitten in der Nacht, die Gesellschaft unbekannter Männer in einem verlassenen Trümmerhaufen aufsucht, so ganz alleine und abseits der bekannten Straßen?"
Cyril deutete mit seiner Hand in die Richtung von Celondim und stemmte dann seine Arme in die Hüfte.

Der Unbekannte grinst breit unter seiner schwarzen Kapuze und hob nach kurzem Zögern den Kopf etwas in Richtung Cyril, um ihm darauf antworten zu können:
"Ich habe den Lichtschein von der Straße aus hier oben gesehen und mich plagt seit einigen Stunden ein fürchterlicher Hunger. Ich hatte in meinem Verlangen gehofft, hier oben würden eventuell Jäger oder Elben ihr Nachtlager aufgeschlagen haben und etwas von ihrer Mahlzeit für mich erübrigen können."
Sein Blick suchte anschließend über die Schultern Cyrils hinaus nach etwas und der Unbekannte betrachtete flüchtig die Gesichter der um das Feuer sitzenden Männer und kehrte dann mit seiner Aufmerksamkeit zurück zu Cyril, der ihn fragend ansah.
Cyril nickte dem fremden Mann entgegen und bedeutet ihm mit einer einladenden Handbewegung, sich der Runde der Männer am Lagerfeuer doch anzuschließen.
Der Fremde folgte seiner Einladung und als die beiden sich zu den anderen Gestalten am Feuer begeben wollten, sprach Cyril erneut in die Richtung des Unbekannten:
"Wir sind zwar keine Jäger oder Elben, mein Herr, aber ebenfalls fremde Wanderer, die hier nur auf der Durchreise sind. Wir teilen sehr gerne unser Weniges mit euch, seid heute Nacht unser Gast."
Mit einem über die Gebühr freundlichen Lächeln sah Cyril den Fremden in sein Gesicht, als dieser ihm erwiderte:
"Das ist wirklich sehr freundlich und hilfsbereit von euch, mein Herr, ich hoffe doch, ich werde euch diese Gastfreundschaft mit gleicher Münze zurückzahlen können."
Einige Männer horchten bei dem Wort Münze merklich auf und tauschten flüchtig verstohlene Blicke miteinander aus.
Doch niemand sprach auch nur ein Wort oder machte Anstalten, etwas anderes zu tun, als stumm da zu sitzen und Cyril und den Fremden aufmerksam zu beobachten.

Der Reihe nach von rechts nach links stellte Cyril dem fremden Gast die Runde der anwesenden Männer vor:
"Das hier ist Lech, unser guter Meister Spielmann."
Der angesprochene Mann nickte dem Unbekannten freundlich entgegen und griff schnell nach einer nahen Holzlaute, die so aussah, als wären erst kürzlich ein paar Saiten davon gerissen.
Der Fremde schaute schnell an Lech herab und suchte nach den Anzeichen von Waffen oder anderen Schwierigkeiten, die ihm eventuell gefährlich werden konnten.
Aber wie alle Anwesenden war Lech in eine graue Kutte gekleidet, die kaum eine genaue Vermutung über seine Habe darunter zuließ.

Cyril kam zum nächsten aus der Runde und zeigte stolz auf den Sitznachbarn von Lech:
"Jener dort nennt sich Gnarn. Er ist so dick, weil er der Faulste unter uns ist."
Alle Männer lachten kurz auf und Gnarn erhob sich schwerfällig, um eine nicht geübte Verbeugung anzudeuten, die weder überzeugend noch freundlich aussah.

Der Unbekannte musste daraufhin ein Schmunzeln unterdrücken und grüßte Gnarn mit einer flüchtigen Handbewegung.
Derweil machte Cyril mit der Vorstellungsrunde weiter:
"Dieser dort ist...." Cyril überlegte einen Moment zu lange für alle Anwesenden, sodass sich der Fürst, der nun an der Reihe war, selbst mit einer grüßenden Handbewegung vorstellt:
"Hedward, nennt man mich hier, sehr angenehm. Ich führe diesen Haufen hier."

Der fremde Gast musterte den Mann, der sich Hedward nannte, eindringlich.
Er war ein großer und einschüchternder Mann, der ihm dort auf der anderen Seite des Feuers gegenüber saß.
Zweifelsohne führte mindestens Hedward eine Klinge mit sich, wenn nicht noch andere Waffen.

Der Fremde wurde von den Worten Cyrils wieder abgelenkt und ließ seinen Blick von Hedward abwenden, als Cyril neben ihm sprach:
"Richtig, Hedward, unser bescheidender Anführer", brachte er knapp hervor und ging dann zum nächsten Mann:
"Das dort ist Hetho, unser erbärmlicher Koch."

Hetho nickte dem Fremden daraufhin unfreundlich entgegen und ließ seinen Blick fest auf seinem Antlitz ruhen.
Auch diese missbilligende Geste wird von allen Anwesenden deutlich registriert.
Cyril lachte in sich hinein und ging schließlich weiter zu den letzten beiden Männern, die dicht beisammen saßen und fast gleich alt waren.
Dort sprach er:
"Und die beiden hier heißen Faral und Feral. Sie sind Brüder und unsere Bühnenbildner."

Der Unbekannte nickte den beiden Brüdern freundlich entgegen und fragte dann verwundert in die Runde:
"Bühnenbildner? Was seid ihr für eine fahrende Truppe, wenn man bescheiden fragen darf?"

Cyrils Antwort war schnell und ruhig:
"Oh, wir sind als Spieltruppe in diesen Landen unterwegs und haben in Celondim bei den dort lebenden Elben aufgespielt. Kennt ihr uns etwa nicht? Hedwards fahrender Spielmannszug?"
Der Fremde schüttelte nachdenklich den Kopf.

Cyril wirkte daraufhin etwas enttäuscht und redete einfach weiter an ihn gerichtet:
"Oh, wie schade für euch, aber wir werden demnächst in Duillont aufspielen, wenn ihr uns also einmal zusehen möchtet....."

Unter seiner schwarzen Kapuze musterte der fremde Gast jeden einzelnen der anwesenden Männer unaufhörlich, während der zu freundlich wirkende Cyril ihn unentwegt vollquatschte.
Diese Männer waren genau diejenigen, nach denen sie suchten.
Daran bestand für ihn kein Zweifel mehr, nachdem was ihm hier von Anfang an aufgetischt worden war.
Gekonnt spielte er weiterhin den einfältigen Mann und durchdrang mit seinem wachen Blick vor allem den Mann, der sich Hedward nannte und der ihn ebenfalls unentwegt zu beobachten schien.

"....und wer seid ihr ihr, mein Herr?"
Die Frage holte den Fremden wieder zurück in den Dialog.
Mit ernster Miene antwortete er in Richtung Cyril:
"Ich habe fürchterlichen Hunger, darf ich mich zu euch setzen? Bei einem warmen Eintopf oder was auch immer ihr da zubereitet habt, lässt es sich viel besser reden."

Eine Sache fiel dem unbekannten Gast besonders in seinen Blick, und zwar die gefesselten Personen außerhalb des Lichtscheins, die abseits der Gruppe auf ihren Knien saßen.
Zwei Frauen und ein Mann waren dort mit gesenkten Blicken deutlich für ihn zu erkennen.

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Blutmond über Tham Gelair Teil 3

Ungelesener Beitragvon Valimaro » Montag 17. Juni 2019, 16:47

...zwei im Dunkeln verborgene Gestalten schleichen sich ruhig und leise auf die Anhöhe von Tham Gelair und kommen den Männern am Lagerfeuer auf Schussdistanz näher...
...ihre Sinne sind geschärft und gespannt verfolgen die beiden aus unterschiedlichen Richtungen die Szenerie am Lagerfeuer...

Der unbekannte Gast musterte derweil flüchtig die offenbar gefangenen Personen außerhalb des Feuerscheins, die abseits der Männergruppe auf dem Boden saßen.
Es waren eher zwei Mädchen statt Frauen, die vielleicht nicht einmal 20 Sommer zählten und beide ihre Blicke völlig ausdruckslos auf den Boden zu ihren Füßen gesenkt hatten.
Die Wangen der Beiden wiesen deutliche Spuren körperlicher Misshandlung auf, beispielsweise klaffte über dem rechten Auge der Schwarzhaarigen eine frische Schnittverletzung und die Lippen der Blonden waren blutunterlaufen und geschwollen, als wenn sie erst vor kurzem geschlagen worden war.

Hedward folgte aufmerksam und interessiert dem Blick des fremden Gastes und schmunzelte dabei amüsiert.
Mit einem süffisanten Unterton sprach er unvermittelt in dessen Richtung:
"Das sind Klara und Lieschen, zwei Räuberinnen, die wir zusammen mit ihrem nach Mord lüsternden Vater hier oben aufgelesen haben. Wir wollen sie nach unserem Auftritt in Duillont nach Bree bringen, um sie ihrer gerechten Strafe zuführen zu können."
Bei diesen Worten musste sich der unbekannte Gast spürbar beherrschen, gekonnt schluckte er seine Emotionen runter, die in ihm tobten, anschließend verkrampfte er seine Hände, die sich unwillkürlich zu Fäuste ballen wollten.
Sein Blick huschte über das Feuer hinweg zu Hedward und blieb wie versteinert auf ihm haften.
Mit sicherer Stimme sprach der stehende Gast zu ihm:
"Natürlich habt ihr das. Sie sehen mir nur etwas jung aus, um als für umherstreifende Banditen hier ihr Unwesen zu treiben."

Hedward winkte daraufhin abfällig ab und entgegnete ihm darauf etwas unhöflich:
"Das kann man doch bei Banditen nie wissen, wie jung oder alt sie sind und wie lange sie ihr Tagwerk schon beherrschen. Alles Abschaum, wenn ihr mich fragt. Außerdem, woher wollt ihr das so genau wissen Fremder?"
Die anwesenden Männer verfolgten interessiert den Dialog der beiden und manche fassten sich unbemerkt an ihren Waffengurt, denn sie ahnten, in welche Richtung sich dieses Zwiegespräch würde entwickeln können.

Der fremde Gast zog sich seine dunklen Handschuhe aus und hielt sich die Hände anschließend ein Stück weit über das nahe Feuer, vor dem er unmittelbar stand.
Alle Anwesenden sahen deutlich die unnatürlich weiße Haut für einen Menschen.
Beunruhigt tauschten Cyril und Hetho ernste Blicke miteinander aus.

Auch Lech runzelte die Stirn und legte unauffällig seine Schwerthand an den Griff seiner Stahlklinge, die noch in ihrer Scheide ruhte.
Mit klarer Stimme sprach der Unbekannte laut und verständlich in den Kreis der Männer:
"Nun, ich begegnete gerade vorhin einer diebischen Elbin, die mich um meine Habe erleichtert hatte. Deshalb nahm ich an, man muss so alt wie ein Elb sein, um diese Straßen hier unsicher machen zu können."

Die Männer schauten sich fragend an und einige begannen nun, aufgeregt miteinander zu flüstern.
Auch Hedward lauschte gespannt den Worten des Gastes, ließ sich seine Neugierde aber äußerlich nicht anmerken.

"So?", fragte er schließlich mit einer Spur Gelassenheit und völlig gespieltem Desinteresse, das spürbar geheuchelt klang.
Der unbekannte Mann nickte eifrig und schaute dabei stumm in das Feuer vor sich.
Nach einer kurzen Pause sprach er weiter:
"Sie schien schwer verletzt zu sein, ich denke, sie brach an der Wegkreuzung kurz vor Duillont zusammen und verstarb dort qualvoll. Wenn wir schnell sind, dann können wir meine Habe vielleicht noch zurückerhalten und was diese diebische Elster sonst noch alles mit sich geführt hat."

Daraufhin spuckte Cyril abfällig in das Feuer neben sich und sprach:
"Ich sagte ja, mein Schwerthieb hat gesessen, Hedward. Kein Elbenweib verträgt meinen Stahl..."

"BIST DU RUHIG! DU NARR!", unterbrach ihn Hedward brüllend in wütendem Tonfall.

Schweigen herrschte augenblicklich in der Runde um das Feuer herum.
Lediglich das Knistern und Knacken des Feuers war zu hören.

...in der Dunkelheit wurden sodann vorsichtig und leise Pfeile aus dem Köcher gezogen und der äußert wachsame Beobachter hätte die Geräusche vom Spannen zweier Sehnen nahe Tham Gelair vernommen...

...aber niemand der Personen am Lagerfeuer, noch die gefesselten Gefangenen außerhalb, bekam etwas davon mit...

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Blutmond über Tham Gelair Teil 4

Ungelesener Beitragvon Valimaro » Donnerstag 20. Juni 2019, 18:19

Der Mann, der sich den Namen Hedward gegeben hatte, musterte den fremden Gast aufmerksam, der sich seine schneeweißen Handflächen dicht über dem Feuer wärmte.
Eine unnatürlich weiße Hautfarbe für einen Menschen, das wussten alle anwesenden Personen und tauschten nervöse Blicke miteinander aus.

Allerdings konnte Hedward das Gesicht des Fremden nicht erkennen, dessen Konturen zwar leicht vom Flackern des Feuers erhellt wurden, aber nicht zur Gänze, der fremde Gast hatte sich eine schwarze Kapuze tief nach vorne gezogen und blickte herab, sodass seine Mimik nicht sichtbar war.

War das ein Elb vor ihm?
Die weiße Haut seiner Hände erhärteten seinen Verdacht und er gab Lech und Hetho mit einem schnellen Blickkontakt ein stilles Zeichen, dass sie sich für alle Fälle bereit halten sollten.

Die beiden Männer nicktem ihren Fürsten still und unbemerkt zu, griffen anschließend an ihren ledernden Waffengurt und zogen vorsichtig und legten ihre Schwerthand an den Griff ihrer Klingen, die noch in den Scheiden steckten.
Der fremde Gast schien dies nicht zu bemerken und ließ die Stille von eben auf sich wirken.
Nach einigen Augenblicken des Schweigens sprach er mit einer bestimmenden Stimme über das Feuer hinweg direkt an Hedward gerichtet:

"Ich gebe euch die Wahl, falscher Spielmann, verlasst diese Lande noch in dieser Nacht und lasst die beiden Mädchen und den Mann frei, die ihr Räuber nennt.
Setzt nie wieder einen Fuß über die Grenze der Ered Luin, und dann fleht zu Mandos, dass er euren Seelen für dieses Einlenken zumindest einen Teil eurer Lebensschuld vergeben mag, für das, was ihr in diesem Leben gewirkt habt."

Cyril, der in diesem Moment dicht neben dem Fremden stand, begann daraufhin sofort laut zu lachen und zwar ein kehliges und zutiefst verhöhnendes Lachen und die beiden Brüder, Faral und Feral, stimmten in das Gelächter über den Fremden mit ein und amüsierten sich köstlich über seine gesprochenen Worte.

Nur den übrigen Männern, allen voran Hedward, war überhaupt nicht zum Lachen zumute.
Sie nahmen diese Drohung doch sehr ernst, wenn sie auch die Situation verkannten.
Hetho und Lech erhoben sich schließlich von ihren Sitzplätzen und ließen ihre Schwerter im Feuerschein gut sichtbar für alle aufblitzen, als sie diese zogen.

Hedward grinste den Fremden über das Feuer hinweg an, zeigte dann mit einer abschätzigen Geste auf ihn und sprach schließlich laut in die Runde der Männer, wenn auch im Wortlaut direkt an den Fremden gewandt:
"Wie schade, dass es so schnell und abrupt mit uns beiden enden muss, ich hatte bis eben noch gehofft gehabt, wir teilen zumindest noch ein paar amüsante Geschichten miteinander, bevor wir euch dann im Schlaf die Kehle aufgeschlitzt und euch ausgeweidet hätten, Herr Elb."

Nachdem er diese Worte ausgesprochen hatte, schritten Hetho und Lech angriffslustig und sichtlich erfreut auf den unbekannten Mann am Feuer zu, der den Blick fest auf Hedward gerichtet hielt.

Leise sprach er über das Feuer hinweg und hielt dabei den Blick fest auf Hedward gerichtet:
"Ich wünschte, ihr hättet eingelenkt und nachgegeben."

...zwei Pfeile sausten daraufhin durch die Luft bei Tham Gelair und suchten sich je ein Ziel in der Finsternis, als der Vollmond auf das Blaue Gebirge hernieder schien...

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Blutmond über Tham Gelair Teil 5

Ungelesener Beitragvon Valimaro » Sonntag 23. Juni 2019, 23:02

Wer ich bin

...zwei Pfeile durchflogen die Nacht bei Tham Gelair und trafen ihre Ziele...

Hetho und Lech wurden fast gleichzeitig von Pfeilen getroffen, der eine bohrte sich seitlich in den Hals von Lech, der unmittelbar nach dem Einschlag keine Luft mehr bekam, sein Schwert in Panik zu Boden fallen ließ, röchelnd mit sich im Todeskampf auf seine Knie sank und dabei Schaft und Pfeilspitze krampfhaft mit seinen Händen berührte, die jeweils an Ein- und Austrittsstellen des Halses weit herausragten.
Nach wenigen Momenten kam der Todeskampf von Hetho zum Erliegen, als der Mensch an seinem eigenen Blut erstickte und schließlich leblos nach vorne überfiel.

Parallel zum Einschlag von Lech traf ein zweiter Pfeil, der aufgrund seiner Flugbahn aus einer anderen Richtung abgefeuert sein musste, Hetho frontal in sein rechtes Auge und durchschlug mit seiner Spitze den Hinterkopf des Mannes mit einer solchen Kraft, dass der bereits leblose Körper des Mannes ruckartig nach hinten gerissen wurde und steif über die Anhöhe nach unten fiel und sich dabei mehrmals in der Dunkelheit überschlug.

Noch bevor die übrigen Männer wussten, wie ihnen geschah, stieß der unbekannte Gast vor dem Feuer den Kessel neben sich in Richtung desselben um, sodass die faulig riechende Brühe sich über die hellen Flammen ergoss und diese augenblicklich erstickte. Das Feuer erlosch auf der Stelle und tauchte die Elbenruine in plötzliche Dunkelheit, die auch der fahle Mondschein nicht aufhellen konnte, da sich schwere Wolken vor diesen gezogen hatten und das Licht vollends abschirmten.

"Ein Hinterhalt! Bringt euch in Sicherheit Männer!", brüllte der Mann, der sich Hedward nannte und hielt sich schützend die Arme über den Kopf während er zusammen mit Gnarn, der sich vor ihn stellte, versuchte, in die Ruinen zu entkommen.

Angst ergriff jetzt Besitz von den übrigen Männern, die mit ansehen musste, wie sich ihr Anführer in den Eingangsbereich der Ruinen zurückziehen wollte und Gnarn es ihm gleich tat.
In dem Durcheinander auf der Anhöhe liefen Faral und Feral völlig überstürzt die Anhöhe auf der anderen Seite des Feuers hinunter, ließen ihre Waffen und Kumpanen oben im Stich und hofften dadurch, der Szenerie entkommen zu können.
Cyril zog derweil schreiend seinen Dolch aus dem Ledergurt, der um seine Taille gebunden war und suchte mit der anderen Hand im Dunkeln nach seinem Köcher und dem Bogen, die er in einiger Entfernung an einer nahen Säule abgelegt hatte.

Derweil waren die beiden Brüder nach wenigen Zügen unten angekommen und sahen in einiger Entfernung drei Pferde vor sich grasen, die etwas abseits der Straße friedlich beisammen standen.
Als sie sich ihnen vorsichtig nähern wollten, wurde Faral auf Brusthöhe von hinten von einem weiteren Pfeil getroffen.
Der Schuss durchbohrte sein Herz, sodass er auf der Stelle tot war und sein Körper in sich zusammensackte und dann geräuschlos zu Boden fiel.

Schreiend lief Feral weiter in Richtung der Straße und versuchte dabei, im Zick-Zack den möglichen Pfeilen auszuweichen, die eventuell auch auf ihn abgefeuert würden.
In der Dunkelheit stolperte er jedoch über einen abstehenden Felsen und fiel hart auf den Bauch.
Als er langsam über den Waldboden krabbelte und versuchte, sich wieder aufzurappeln, reichte ihm plötzlich eine vor ihm stehende Gestalt eine Hand zum Aufstehen entgegen.

Verängstigt blickte Feral nach oben in das Gesicht eines Elben, der ihn aus kalten Augen heraus ansah.
Auf seinem Rücken hatte dieser einen langen Bogen geschultert.
Seine Haare schimmerten im blassen Mondlicht silbrig-grau.
Mit Nachdruck hielt der Elb Feral die ausgestreckte Hand zum Aufstehen entgegen.
Als dieser jene zögerlich zupackte und sich am Arm des Elben hochziehen wollte, schnellte der Elb in einer fließenden Bewegung nach vorne und bohrte Feral eine winzige Stahlklinge in sein Herz.
Schmerzlos und schnell.
Ferals Körper erschlaffte augenblicklich in den Armen des Elben, der seine Klinge aus dem Toten zog und sie sich am Saum seiner Kleidung abwischte.

Cyril hatte sich sofort nach dem Erlöschen des Feuers in die Nähe der Gefangenen begeben und sich die erstbeste Person geschnappt, die er in der Dunkelheit zwischen ihnen ergreifen konnte.
Es war der Vater der beiden Mädchen, die versuchten, sich schützend vor ihren Vater zu werfen, doch Cyril stieß die beiden hektisch beiseite und hielt dem alten Mann eine Klinge an die Kehle.
Mit dem Mann vor sich drehte sich Cyril in alle Richtungen auf der Anhöhe und brüllte schließlich laut in die Nacht hinaus:
"Ihr Dreckselben. Was ist es euch wert, mein Blut zu vergießen? Ich schlitze den Alten hier auf, wenn ihr euch nicht sofort zu erkennen gebt und eure Waffen niederlegt."

Nach einigem Zögern trat der unbekannte Gast von Vorne in das Sichtfeld von Cyril, der sich sofort zu ihm drehte und ihn herrisch anschrie:
"Wer zum Henker bist du Mann?! Was hat das alles hier zu bedeuten? Warum haben du und deine Helfer das hier getan? Konntet ihr nicht einfach deiner Wege gehen?"

Der unbekannte Mann nahm daraufhin seine Kapuze ab und gab sich durch seine spitzen Ohren eindeutig als Elb zu erkennen.
Dann sprach er ernst in fließendem Westron zu seinem Gegenüber und ließ den Blick dabei auf der Klinge ruhen, mit welcher der Alte vor ihm von Cyril bedroht wurde:
"Ich heiße Valimaro. Aber für dich und deinesgleichen werde ich Taurthir sein, Cyril."

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Re: Blutmond über Tham Gelair

Ungelesener Beitragvon Valimaro » Mittwoch 26. Juni 2019, 05:44

Wer wir sind

...ein weiterer Pfeil wurde aus dem Köcher gezogen und angelegt.
Der Elb, der den Bogen aus sicherer Entfernung schließlich spannte und sein Ziel treffsicher in sein Visier nahm, blickte in Richtung Valimaro und wartete auf sein Zeichen, die Sehne losschnellen zu lassen...

...doch durch das mehrmalige Antippen vom linken Mittelfinger auf den linken Zeigefinger, signalisierte der Elb dem Bogenschützen, vorerst abzuwarten und den Bogen wieder zu senken...

...die unauffällige Geste war für den schwachen Verstand Cyrils nicht wahrzunehmen und er fixierte lediglich das Gesicht seines Gegenübers und stand mit dem Alten Mann, den er immer noch unmittelbar mit seinem Dolch an dessen Kehle bedrohte, direkt vor Valimaro...


Cyril spuckte vor die Füße des Elben aus und brüllte ihn an:
"Ich geb nen Scheiß darauf, wie dein Name ist. Ich will wissen, wer du bist und was du hier machst? Weißt du eigentlich, wen du hier angegriffen hast, Elb?"
Valimaro legte besorgt den Kopf auf die Seite und starrte Cyril mit seinen smaragdgrünen Augen in Grund und Boden, dann antwortete er ihm schließlich:
"Lügner? Mörder? Vergewaltiger? Und ich habe euch bereits gesagt, wer ich bin. Wenn ein Funken Barmherzigkeit in euch steckt, Cyril, dann senkt ihr jetzt euren Dolch und lasst diesen unschuldigen Mann gehen, den ihr mit dem Tod bedroht."

Cyril lachte dem Elben daraufhin spöttisch entgegen und sagte dann trocken:
"Damit eure kleinen Elbenfreunde mich dann hinterrücks erschießen, so, wie sie es mit meinen Kameraden dort drüben getan haben?", Cyril neigte sein Haupt in Richtung der leblosen Körper von Lech und Hetho.
Dann sprach er weiter an Valimaro gerichtet:
"Ich fürchte, das werde ich nicht tun. Wenn ihr das tatsächlich denkt, dann sind die Munkeleien über den messerscharfen Verstand der Elben ziemlich weit hergeholt, meint ihr nicht auch?"
Die letzte Frage war an den Mann gerichtet, den Cyril vor sich her schob und nun mit einem kräftigen Tritt gegen dessen linke Kniekehle ein schmerzhaftes Aufjaulen abringen konnte.

Auf der anderen Seite erschien Lumar auf der Anhöhe und trat seitlich in das Sichtfeld der beiden wortführenden Kontrahenten.
Erschrocken wandte sich Cyril dem ankommenden Elben zu und schrie diesem entgegen:
"Sieh an, der heimtückische Bogenschütze aus dem Hinterhalt, ihr hinterhältigen Elben. Lass sofort deinen Bogen da zu Boden fallen oder der Alte muss dran glauben."
Um seiner Drohung sichtlich Nachdruck zu verleihen, zwang er den alten Mann mit Gewalt auf die Knie und drückte seine Klinge dann etwas fester an dessen Hals, auf dass die Klinge die Haut eindrückte.

Valimaro schüttelte kaum sichtbar seinen Kopf in Richtung Lumar, der daraufhin seinen Bogen abnahm und diesen dann langsam vor sich auf den Boden ablegte.
"Gut so", sprach Cyril zu beiden Elben.
Aufgeregt blickte Cyril zwischen den beiden Elben vor sich hin und her, dann sagte er plötzlich mit dem Anflug von Verzweiflung und Angst in seiner Stimme:
"Ich will doch nur lebend aus dieser Situation hier heraus kommen, lasst mich einfach in Ruhe abziehen und niemand muss heute Nacht mehr an diesem Ort sterben."
In diesem Moment schaut Lumar angestrengt zu Valimaro hinüber und der missbilligende Ausdruck in dessen grauen Augen verriet dem Sinda vom Nachtwald nur zu gut, dass Lumar dies unter gar keinen Umstände akzeptieren würde, so wie er selbst es auch nicht würde.

Valimaro erinnerte sich an die schwer verletzte Elbin, die vor wenigen Stunden in seinem Beisein zusammengebrochen war. Als der Gedanke seinen Geist dann ausfüllte sprach er entschlossen und ruhig in Richtung Cyrils:
"Wir lassen dich ziehen, auch wenn dein Leben hier verwirkt ist, Cyril. Aber nur unter einer Bedingung."
Cyril amüsierten die Worte des Elben ungemein:
"Bedingungen? Wir führen hier doch keine Verhandlungen du Narr! Ich diktiere dir lediglich meine Forderungen, damit du das Leben dieses Mannes hier beschützen kannst! Schließlich geht es euch Elben doch stets darum, Leben zu erhalten, ist es nicht so?"

Valimaro ignorierte den herrischen Tonfall sowie den Inhalt der Aussage Cyrils, besonnen sprach er ihm entgegen:
"Die Elbin, von der ich vorhin sprach. Sie war auch eure Gefangene, ist das richtig?"

Das brachte Cyril nun etwas aus der Fassung, überrascht fragte er zurück:
"Warum sollte ich dir das verraten? Was kümmert es dich, was sie war oder woher sie kam? Das steht doch hier gar nicht mehr zur Debatte."

Ruhig sprach Valimaro weiter:
"Die Elbin lebt und erholt sich von der Wunde, die du ihr zugefügt hast."

Cyrils Augen weiteten sich bei diesen Worten, dann brachte er ungläubig hervor:
"Unmöglich. Ich habe diesen Dolch...", Cyril fuchtelte wild mit seinem Dolch auf und ab, "...tief in sie hinein gestochen, sie hätte verbluten müssen, dieses elbische Miststück!"

Valimaro pustete etwas Luft aus und entgegnete fragend darauf:
"Warum habt ihr sie niederstechen wollen Cyril?"

Dieser antwortete ihm provokant:
"Was schert es euch so? Lasst mich laufen, dann verrate ich euch, was ich darüber weiß."

Valimaro nickte seinem Gegenüber gespielt höflich zu:
"Zuerst lasst ihr den vor euch Mann frei, dann lassen wir euch gehen. Oder habt ihr noch eine weitere Forderung Cyril?"

Cyril überlegte einen Moment lang, dann antwortete er sachlich und etwas ruhiger im Tonfall als zuvor:
"Die diebische Elbin hat nicht nur eure Habe gestohlen Valimaro, sondern auch etwas, das für meinen Fürsten von großer Bedeutung ist. Ich möchte es wieder haben."

Lumars Blick schnellte zu Valimaro und dann zu Langlas, der sich mit leicht gesenktem Bogen von hinten an Cyril aus der Dunkelheit heran schlich und näher kam.
Valimaro erkannte den besorgten Blick Lumars und schaute wieder zurück zu Cyril, um dann weiterzusprechen:
"Nun, ihr müsst mir wohl sagen, um welchen Gegenstand es sich dabei handelt. Ihr werdet sicherlich verstehen, dass wir euch nicht zu der Elbin führen werden."

Cyril wirkte nun etwas in die Enge getrieben, bedrohlich kehrte der Zorn und die Verzweiflung über seine Situation wieder zurück und verlieh seiner Stimme etwas Panisches:
"Sie führt ein Schriftstück mit sich, das ihr nicht gehört und von großem Wert für mich und meinen Fürsten ist. Bringt mir dieses Pergament zurück! Das Wachs darauf darf nicht gebrochen sein!"

Valimaro hörte aufmerksam auf diese Worte und fragte anschließend entspannt und völlig ruhig:
"Wohin soll ich das Pergament bringen? Denn ich befürchte, ihr werdet uns nicht wiedersehen wollen, Cyril."

Cyril dachte einen Augenblick über die Frage des Elben nach, dann antwortete er Zähne knirschend und übereilt:
"Trefft einen meiner Boten in zwölf Tagen am Südtor von Bree, er wird einen roten Strohhut tragen und auf die Losung, 'Schweine werden Hühner schlachten' hören. Kommt allein, nur ihr Valimaro."

Valimaro nickte Cyril nach dessen Worten zu, dann schaute er unauffällig und besorgt an ihm vorbei in Richtung Langlas, der nur noch wenige Meter von Cyrils Rücken entfernt stand und begann, lautlos seine kurze Klinge aus der Schwertscheide zu ziehen.
Diesmal bemerkte Cyril den flüchtigen Blickkontakt zwischen Langlas und Valimaro jedoch, da er sich seit einigen Herzschlägen völlig auf den Elben vor sich konzentriert und seine Augen dabei stets beobachtet hatte.

Spöttisch drehte Cyril daraufhin seinen Kopf kurz nach links über seine Schulter und schmunzelte wissend.
Schließlich sprach er verbittert und trotzig:
"Ich hätte wissen müssen, dass ihr Elben falsch seid. Und man euch nicht vertrauen darf."

Die Elben tauschten sofort schnelle Blicke miteinander aus und stürmten dann gemeinsam auf Cyril zu.
Dieser nutzte den Bruchteil eines Herzschlages dazu aus, seinen Dolch bis zum Griff tief in den Hals des von ihm bedrohten Mannes zu drücken.
Sie kamen zu spät.
Lumar fing den zur Seite taumelnden Mann auf, der im Begriff stand, jetzt zu bluten.
Langlas setzte von hinten zum Sprung auf Cyril an und wollte schon das Kurzschwert zielsicher in den Rücken seines Opfers eindringen lassen, aber Valimaro blockte den Schwerthieb seines Freunde gekonnt ab und warf Cyril stattdessen mit beiden Händen und seinem Körpergewicht zu Boden, indem er sich mit voller Wucht auf den unvorbereiteten Menschen warf und diesen auf den harten Steinboden der Ruinen zwang.

Mit beiden Händen umfasste Valimaro den Hals von Cyril und drückte ihm die Luft ab während er laut mit ihm sprach.
"Wer ist die Elbin? Wie seid ihr an sie geraten und warum habt ihr sie niedergestochen Cyril?"
Cyril funkelte den Elben wütend über sich an und spuckte ihm mit letzter Kraft in sein Gesicht.

Hinter den beiden Kontrahenten hielt Lumar den blutüberströmten und zappelnden Mann in seinen Armen auf den eigenen Knien fest während Langlas völlig routiniert mit der Verarztung seiner schweren Halswunde begann.
Der Elb drückte die Wunde zusammen und versuche im Dunkeln, die wichtigsten Adern am Hals zu ertasten.
Zu seinem Entsetzen stellte er fest, dass sie alle vom Dolchstoß betroffen waren, es war hoffnungslos.
Der Mensch war verloren.
Nach wenigen Augenblicken blickte Langlas emotionslos in die kühlen Augen von Lumar und schüttelte vergeblich seinen Kopf.
Beide Elben ergriffen im Todeskampf des Mannes je eine von seinen Händen und ließen den vor Schmerzen und nach Luft ringenden Mann diese fest zudrücken und sich verkrampfen.
Nach einem weiteren Atemzug stach Lumar mit seiner freien Hand in einer schnellen und gekonnten Bewegung mit seiner kleinen Stahlklinge tief in das Herz des Mannes, um ihn von seinen Qualen zu erlösen.
Schnell und schmerzlos, wie es schon einmal an diesem Abend getan hatte.

Unterdessen verstärkte Valimaro den Druck auf Cyrils Hals und presste allmählich das Leben aus ihm heraus.
Cyril lief langsam blau an und die Adern in seinen Augen verfärbten sich rot und traten deutlich sichtbar hervor.

Der Elb hielt den Hals von Cyril eng umklammert und verlagerte sein Gewicht mit aller Kraft auf den sich windenden Mann unter ihm, der vollständig vom Elben begraben schien.
Langlas und Lumar wischten sich derweil das Blut von den Händen und legten den leblosen Körper des Alten, behutsam auf den Steinboden nieder.
Nach einem kurzen Blickkontakt zwischen Langlas und Lumar, erhob sich Letzterer während Langlas berührende Worte auf Sindarin in das Ohr des Alten flüsterte und sich vom ihm verabschiedete.
Beide Elben schauten flüchtig zu Valimaro hinüber, der dort mit seinen Knien auf den Schulterpartien Cyrils saß und dabei war, ihn zu erwürgen.

Cyrils Gegenwehr verschwand mit jedem weiteren seiner Herzschläge und seine Zuckungen wurden schwächer, in wenigen Momenten würde er wohl das Bewusstsein verlieren.
Viele Gedanken schossen Valimaro beim Anblick des sterbenden Cyrils durch den Kopf, die allerdings abrupt unterbrochen wurden, als Lumar sanft eine Hand auf seine Schulter legte und zu ihm sprach:
"Beruhige dich mein Freund, lass uns nicht vergessen, wer wir sind. Die Mädchen hier brauchen uns dringender als er."
Bei Lumars Worten lockerte Valimaro merklich seinen festen Griff und ließ Cyril augenblicklich nach Luft ringen.
Dieser japste sofort nach Sauerstoff und würgte förmlich, um das Leben in seinem Körper zu erhalten.

Dann erhob sich der Elb langsam vom kalten Boden der Ruine, gab Cyrils Körper wieder frei, der sich sofort auf die linke Seite drehte und tief und laut Luft einatmete.
Valimaro drehte sich zu Lumar herum und nickte dem Elben freundlich entgegen, danach klopfte er ihm seinerseits auf die Schulter und sprach: "Wer wir sind, Lumar."
Anschließend bewegte er sich an ihm vorbei in Richtung der gefesselten Mädchen im hinteren Bereich der Ruine.
Mit ernster Miene bewegte er sich schnellen Schrittes auf die zwei zu.

Lumar funkelte den am Boden liegenden Mann aus seinen tiefliegenden grauen Augen heraus an und zog nach einem kurzen Moment des Beobachtens völlig emotionslos und ohne eine Spur von Ausdruck in seinem Gesicht erneut seine kleine Klinge, mit der er heute Nacht schon zwei Männer an diesem Ort schnell und schmerzlos das Leben genommen hatte.
Nach wenigen Schritten beugte sich Lumar auch dieses Mal in einer schnellen Bewegung über den seitlich liegenden Cyril und stach dem Mann unnatürlich schnell und zielsicher auf Brusthöhe seitlich in den Rücken und rammte seine Klinge dabei tief in das Herz Cyrils.
Dieser erschlaffte sofort und atmete ein letztes Mal lang und flach aus, bevor er mit einem wohligen Geräusch aus dieser Welt schied.

Unterdessen zählte Langlas, der sich vom Leichnam des Alten Mannes erhoben hatte die toten Männer auf der Anhöhe und suchte in der Dunkelheit nach den übrigen Lebenden.
Valimaro hatte die Mädchen schon fast erreicht, als Langlas ihm quer über die Anhöhe zurief:
"Es sind nur fünf, Vali. Es fehlen zwei von ihnen."

Der Waldläufer deutete mit seinen Fingern auf den Eingangsbereich der Ruinen und Valimaro nickte zustimmend.

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Blutmond über Tham Gelair Teil 6

Ungelesener Beitragvon Valimaro » Sonntag 30. Juni 2019, 16:54

Wer du bist

...die beiden Mädchen senkten ihre Köpfe mit völlig ausdruckslosen Blicken zu Boden...

Valimaro nickte dem Waldläufer Langlas bei seinen Worten entgegen und beugte sich anschließend hinunter zu den Mädchen, um sie genauer untersuchen zu können.
Seitdem der alte Mann durch Cyril aus dem Leben gerissen worden war, hatten die Mädchen spürbar jedweden Lebenswillen verloren und sich ihrem Schicksal bedingungslos ergeben, ganz gleich, was die für sie nun fremden Neuankömmlinge mit ihnen würden veranstalten wollen.

Valimaro taxierte die beiden Frauen sehr genau, las an ihren Wunden und auffälligen Verletzungen die Spuren ihrer körperlichen Misshandlungen ab und schloss daraus auf die inneren Schäden an Geist und Seele der Menschenkinder.
Die sieben Männer, die sich noch vor einiger Zeit für ihn als fahrender Spielmannszug ausgegeben hatten, hatten sich ganz offensichtlich mehrfach an diesen Frauen vergangen, gewaltsam und dabei ihren Willen und ihre Seele gebrochen.
Für ihn war klar, dass beide Frauen hier durch ein körperliches und seelisches Martyrium gegangen waren.
Diese tiefen Wunden, die sich in ihren Erinnerungen eingenistet hatten, würden nie zur Gänze ausheilen können und die Schmerzen der heutigen Nacht und -Eru-bewahre - der letzten Nächte würde auch keine elbische Arznei oder Behandlung je vollständig lindern können.
Das war ein Umstand, den Valimaro nicht mehr abwenden konnte, niemand vermochte dies.

Langlas und Lumar kamen nun langsam und ruhig näher auf die drei zu und stellten sich dann etwas abseits neben Valimaro, der sofort leise das Wort an die beiden Elben richtete und dabei in Sindarin zu ihnen sprach, da er zuvor in Westron mit den Männern geredet hatte, die Mädchen aber nichts von den folgenden Worten verstehen sollte, sofern sie nicht der elbischen Sprache mächtig wären:
"Langlas, hast du etwas in deinen Satteltaschen dabei, dass die Mädchen ruhig einschlafen lässt, damit sie wenigstens für ein paar Momente von diesem Trauma hier erlöst werden und wir sie in Ruhe nach Celondim in Sicherheit bringen könnten?
Niphaleon und seine Frau beherrschen dort die elbische Heilkunde und könnten sich für den Moment um die beiden kümmern, sie waschen und ihre äußeren Wunden ärztlich versorgen, bevor sie dann erwachen."

Langlas antworte sodann auf die ihm gestellte Frage:
"Ich habe immer etwas Lavendel und auch einige Baldrianwurzeln dabei, wenn wir kurz etwas Wasser hier aufkochen und die Pflanzen dort einwirken lassen, dann sollte das bloße Einatmen von wenigen Dämpfen ausreichen, um die beiden Frauen in einen sanften und wohltuenden Schlaf zu versetzen, der mehrere Stunden anhalten wird."
Nachdem er dies ausgesprochen hatte, machte sich Langlas umgehend an die Arbeit und rannte die Anhöhe zu den Pferden hinunter.
Lumar nahm sich unterdessen eine kleine Schale, die aus billigem Eisen gegossen war und entzündete ein kleines Feuer in einigem Abstand zu Valimaro und den Mädchen.

Dieser löste mit wenigen Handgriffen die Fesseln und Knebel der Mädchen und hielt dabei bewusst körperlichen Abstand zu ihnen, um die zwei nicht unnötig in Panik zu versetzen oder gar anderes Verhalten durch seine körperliche Nähe zu provozieren.
Allerdings ließen die beiden Frauen, auch nachdem sie von allem befreit worden waren, keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie sich vollends ihrem Schicksal ergaben und weder aufsprangen, schrien oder sonst eine Aktivität zeigten.
Keine der beiden sagte auch nur einen Ton oder bewegte sich auch nur für einen Moment von der Stelle.
Wie versteinert schauten die Frauen emotionslos zum Steinboden hinunter, auf dem sie niederknieten.
Ihr Blick war leer und ziellos auf den Boden gerichtet, sie hatten mit dem Leben abgeschlossen.

Schließlich eilte Langlas mit einem kleinen Lederbeutel in seiner linken Hand die Anhöhe wieder hinauf und trug auch zusätzlich zwei mächtige Wolldecken unter seinen Armen.
Valimaro ging die wenigen Meter auf den Elben zu und nahm ihm die Decken ab, die er sogleich, je eine für jedes Mädchen, behutsam um sie legte, damit es zumindest oberflächlich für sie den Anschein erweckt hätte, sie wären geborgen und in Sicherheit, was sie de facto noch nicht waren.
Anschließend half Valimaro den beiden Elben mit den Vorbereitungen, indem er die Baldrianwurzeln mit seinen Händen zerbröselte und die winzigen Stücke in das Wasser der Schale rieseln ließ.
Dabei sprach er zu den Elben über das kleine Feuer hinüber:
"Die Spuren der beiden übrigen Männer führen in die Ruinen hinein."
Lumar stimmte ihm zu:
"Wir werden heute Nacht noch einmal Blut vergießen müssen. Ein Blutmond wird über Tham Gelair aufziehen."
Langlas und Valimaro sahen sich daraufhin kurz an und nickten dann einander still zu.

"Lumar...", sprach Valimaro schließlich: "Du hast Frau und Kind in Duillont und ich habe heute Nacht schon zu viel von deiner kostbaren Zeit in Anspruch genommen. Innerhalb der engen Gänge und Gewölbe dieser Ruine ist die Gefahr einer Verletzung um ein vielfaches größer als hier draußen an der frischen Luft, wo du in der geschützten Dunkelheit Pfeile aus dem Hintergrund abfeuern und dich gut verstecken kannst. Ich habe heute schon zu viel von dir verlangt, mein Freund, bitte reite mit den Mädchen nach Celondim und bringe diese zu Niphaleons Haus. Nimm Valkas mit, damit es nicht zu schwer für deine Stute wird. Langlas wird mir hier für den Rest der Nacht aushelfen."

Daraufhin nickte Lumar dem Elben zustimmend entgegen und war innerlich erleichtert, denn er hatte schon seit vielen Jahren kein Wesen mehr auf diese Art wie heute Nacht töten müssen und wollte in diesem Moment nichts lieber tun, als zurück in seiner Werkstatt in Duillont stehen, um seine Frau und Kinder dort halten zu können.

Langlas legte eine Hand auf die Schulter Lumars und setzte dann an:
"Ich sehe das genauso. Valimaro und ich übernehmen den Rest. Sobald die Mädchen eingeschlafen sind bringen wir sie gemeinsam zu den Pferden hinunter und du brichst mit ihnen auf. Es dämmert in einigen Stunden bereits. Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Dächer Duillonts erreichen, solltest du unbedingt in deiner Werkstatt angekommen sein, damit niemand etwas bemerkt und dir unangenehme Fragen stellt. Wir müssen sicher stellen, dass hierüber niemand erfährt, der nicht eingeweiht werden sollte. Und ich als einer der der Wächter des Nordens halte es nicht für notwendig, dass die Kunde von dieser Nacht weiter getragen wird als über diese Anhöhe hier hinaus."

Der weißhaarige Elb drehte sich seinen Freunden entgegen und sprach dann:
"Wenn dies nun eure gemeinsame Einschätzung ist, dann werde mich dem beugen, auch wenn ich euch zwei nur ungern diesen letzten Akt hier alleine bestreiten lasse.", brachte Lumar gelassen hervor.

Nachdem das Wasser schließlich aufgekocht worden war, ließen die Elben beide Mädchen tiefe Züge vom benebelnden Qualm einatmen, der sie allmählich in einen tiefen Schlummer versetzte.
Als die beiden nach kurzer Zeit friedlich und ohne Gegenwehr zu leisten, auf dem Steinboden eingeschlafen waren, trugen Valimaro und Lumar je ein Mädchen auf ihren Armen nach unten zu ihren Pferden.
Währenddessen hatte sich Langlas mit Pfeil und Bogen bewaffnet und hielt den Eingang zu den inneren Gewölben der Ruine fest im Blick.

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Blutmond über Tham Gelair Teil 8

Ungelesener Beitragvon Valimaro » Montag 1. Juli 2019, 23:59

Wer ich war

...zwei Elben kamen die Anhöhe bei Tham Gelair ruhigen Schrittes hinunter, ein jeder von ihnen trug ein verletztes Menschenkind auf seinen Armen...

Das blonde Mädchen schlief sehr unruhig in Valimaros Armen, ihren Kopf hatte sie dicht an seine rechte Schulter angelehnt und seufzte gelegentlich.
Der Elb bemerkte ihren inneren Sturm vor allem an den ruckartigen Zuckungen, die ihren Körper für kurze Momente erfassten und ihn blitzartig durchschüttelten und sogleich wieder verließen.
Besonders ihren Kopf schüttelte die Blonde dabei leicht an seiner Schulterbeuge hin und her und vergrub das Kinn plötzlich etwas tiefer an seinem Brustansatz und das obwohl sie eigentlich schlief und keine Anzeichen dafür machte, dass sie bei Bewusstsein war. Es war ein unruhiger und von Schmerzen gequälter Schlummer, der Valimaro offenbarte, wie tief sich die äußere Misshandlung des Körpers auch in die Seele gefressen hatte. Betrübt schluckte der Elb und überlegte flüchtig, wie er ihr zumindest für diesen kurzen Moment mehr Ruhe gewähren könnte.
Langsam und melodisch summte er sodann weiche Töne eines Schlafliedes, das ihm seine Mutter vor vielen Jahren stets vorgesungen hatte, wenn er Ruhe in der Nacht finden und seinen Geist entspannen sollte.

Lumar, der einige Meter vor Valimaro mit dem schwarzhaarigen Mädchen auf seinen Arm ging, drehte sich kurz zu diesem herum und stimmte dann ebenfalls in dessen Schlaflied mit ein, das ihm wohl vertraut vorkam.
Und auf einmal setzten beide Elben unter dem Blutmond bei Tham Gelair ihre Stimmen dazu ein, um mit ihren Klängen die Mädchen innerlich etwas zu beruhigen und sie tiefer in den Schlaf einzulullen, so wie es Mütter für gewöhnlich mit ihren Kindern tun, wenn sie friedlich einschlafen sollen.
Auch wenn beide Mädchen schliefen, so löste sich auf den noch verbliebenen Schritten hinunter zu den Pferden der Elben doch spürbar ihre Verkrampfungen und Valimaro bemerkte, wie das Atmen des blonden Mädchens allmählich gelassener und ruhiger wurde, sie leicht damit begann, schlummernd zu seufzen, sich ihre Zuckungen einstellten und die Anspannung ihren Körper allmählich verließ, vielleicht auch, so dachte sich der Elb während er summte, weil das Mädchen durch die melodischen Klänge unterbewusst an etwas erinnert wurde, das ihr in ihrem bisherigen Leben vertraut und friedlich vorkam.
Als sie schließlich am Fuße der Anhöhe bei ihren Pferden angekommen waren lehnten die beiden Elben die Mädchen jeweils vorsichtig in die entsprechenden Sattel und mit ihren Oberkörpern gegen die Mähnen ihrer beiden Rösser, damit der Schlummer nicht unnötig gestört würde, auch wenn die Sitzhaltung nicht unbedingt bequem für sie wäre, aber das mussten die Elben in Kauf nehmen, es war nicht anders möglich.

Kurz bevor sich Lumar auf seine Stute schwingen wollte, hielt Valimaro ihn kurzerhand an seiner linken Schulter fest und flüsterte einige Worte in Sindarin zu ihm:
"Sobald Langlas und ich hier fertig sind und aufgeräumt haben, eilen wir zu dir und helfen dir mit den Mädchen, fürs Erste kannst du sie aber nach Celondim zu Nephaleon bringen, Lumar."
Der Elb nickte ihm daraufhin verständnisvoll entgegen, zog sich dann auf sein Pferd, nahm die Zügel in die linke Hand und schaute schließlich auf Valimaro herab, als er erwiderte:
"Ich kenne Nephaleon, er wird Verständnis haben und sich gut um die zwei kümmern, Vali. Ich fürchte allerdings ernsthaft um den Gemüts- und Geisteszustand der Mädchen. Ich denke, ihr Verstand ist bei den Schrecken, denen sie hier ausgesetzt waren, gänzlich zersprungen. Sie werden vielleicht nicht mehr bewusst in dieses Leben zurückkehren, wenn ihre Seelen von diesen Männern dort oben zu sehr vergiftet worden sind."

Valimaro blickte sehr nachdenklich zu Valkas hinüber, der dicht neben ihm stand, streichelte dann sanft den vorderen Teil seines Kopfes und fuhr dem Hengst anschließend über die schwarze Mähne, um ihn dort etwas fester berühren zu können.
Gleichzeitig nahm er mit der anderen Hand die Zügel seines Pferdes in die Hand und reichte diese Lumar an, der sie dankend in seine rechte Hand entgegen nahm.
Dann sprach Valimaro:
"Das ist noch ungewiss, mein Freund. Wir wissen nicht genau, wieviel Schaden der Geist dieser Mädchen hier genommen hat, aber ihre Körper, zumindest das, was wir bewusst erkennen können, lässt auf viel Schlimmes schließen. Es wird einige Zeit dauern, bis man Rückschlüsse auf einen nachhaltigen Schaden an Geist und Seele ziehen kann, wir sollten nicht voreilig urteilen. Es besteht immer Hoffnung."

Ein flüchtiger Gedanke huschte in diesem Moment über Lumars Gesicht und ein kurzer Zweifel ließ ihn sogleich die folgenden Worte gegenüber Valimaro aussprechen:
"Was ist, wenn ihr heute Nacht nicht und auch nicht morgen...." Lumar schluckte leicht "....wenn ihr vielleicht nie wieder an meine Tür anklopfen werdet?"

Für einen kurzen Moment dachte Valimaro daran, was seine Worte bedeuten würden, mit einem entschlossenen Blick schaute er dann zur rechten Satteltasche von Valkas, an der eine ledernde Schlaufe hing, an die ein einzelner langer Schwertgurt befestigt war, der von außen nicht erkennen ließ, welche Klinge sich innerhalb verbarg.
Nachdenklich schritt der Elb völlig geistesabwesend zu diesem hinüber und berührte anschließend die weite Schwertscheide daran, wie als wenn er in plötzlicher Trance versunken wäre.
Vorsichtig glitt sein Hand zum Schwertgriff hinauf und mit einem leichten Seufzer, der ihn an längst vergessene Tage und Stunden erinnern ließ, umklammerte der Elb sodann das Ende des Schwertes mit festem Griff und begann, seinen Zweihänder Natus langsam aus der Halterung zu ziehen, eine Klinge, die vor so vielen Jahren einst für ihn bereitwillig geschmiedet worden war.

Lumars Augen weiteten sich vor Erstaunen, denn auch in der Dunkelheit, welche die beiden Elben hier vollständig umgab, erkannte er doch deutlich die Elbenklinge aus dem Großen Grünwald, die Valimaro einst zu demjenigen werden ließ, den sie im weit entfernten Rhovanion, jenseits des Nebelgebirges, nicht Vali oder Valimaro nannten, sondern Taurthir, den Wächter des Waldes.
Ein klangvoller Beiname, der die Feinde der Elben aus dem Eryn Lasgalen, wie der Grünwald heute genannt wurde, noch immer erzittern und flüchten ließ.
Denn nichts fürchteten viele der Überlebenden Scharen von Narakes Dienern und anderer Kreaturen, denen die Geschichten über denjenigen Elben namens Taurthir erzählt worden waren mehr, als das Meisterstück von Keldor, der Natus einst für Taurthir schmiedete und mit dem bereits ein Umaiar niedergestreckt worden war.

Ungläubig brachte Lumar zaghaft folgende Worte hervor:
"Ich dachte, du hast Muriell vor langer Zeit versprochen gehabt, dass du...."

Valimaro unterbrach Lumar abrupt:
"Sie hat mich von diesem Versprechen nun entbunden und ich habe mir Natus wieder von ihr aushändigen lassen, ich....."
Valimaro ließ den Zweihänder, nachdem er ihn zur Gänze in den Händen hielt, vom fahlen Mondschein beleuchten, der für einen anwesenden Beobachter vieles auf der langen Klinge deutlich erkennen ließ.
Zahlreiche feine Gravuren und kleinste Verzierungen waren auf der breiten Klinge eingefasst und ließen die Waffe erhaben und mächtig wirken.
Die Schneide wurde zu beiden Seiten von einer goldenen Flamme in ihrem Inneren durchzogen, diese goldene Flamme hob sich deutlich vom silber schimmernden Rest des Klinge ab.
Einige Wörter in feinem Sindarin waren auf der Klinge zu lesen und auf dem Griff waren Runen eingefasst, die an Khuzdul erinnerten, die Sprache der Zwerge, die diese aber nur unter ihresgleichen sprachen.
Dazu schimmerten wertvolle Edelsteine, die das Licht der Sterne widerzuspiegeln schienen, an Griff und Klinge von Natus, wobei nur ein geübtes Auge erkennen konnte, um was für Steine es sich dabei konkret handelte.
Ja - Natus war ein Schwert, das einem Königsgeschenk gleich kam, doch war Valimaro weder König noch Fürst und wollte dies auch nie sein. Und dennoch führte er dieses Schwert mit sich, dessen Anblick schon einschüchternd wirkte.

Langsam streckte der Elb seine Klinge zum Himmel empor und dachte dabei an die vielen Kämpfe sowie die vielen Schrecken, denen sie bereits gemeinsam getrotzt hatten.
Als wenn er einen alten Freund begrüßen würde, sprach er in Gedanken einige Worte der Wertschätzung zu seinem Schwert, bevor er schließlich in Richtung Lumars sagte:
"....diese Klinge wurde einst dazu geschmiedet, um gegen das Unrecht in Mittelerde zu kämpfen Lumar und nicht dafür, um über einem Bücherregal in einer Wandhalterung zu verstauben und irgendwann eingeschmolzen zu werden."
Etwas verbittert drehte sich der Elb Lumar daraufhin entgegen und schaute ihm entschlossen in seine Augen.

"Jetzt klingst du genauso wie der Elb, dem ich vor so vielen Jahren in Imladris begegnet bin, Taurthir."
Valimaro verzog auf diese Worte hin sichtlich das Gesicht und fragte ihn interessiert:
"Wie meinst du das?"

Der Elb auf der Stute pustete leicht Luft aus und lächelte, als er ihm darauf schließlich gelassen eine Antwort gab:
"Als ich dich damals dort im versteckten Tal, direkt vor dem Bruinenquell, reden hörte und dann auch sah, wusste ich, dass du der Sinda aus dem Nachtwald warst, von dem die Hochelben diesseits des Nebelgebirges sprachen.
Diese Klinge hattest du an jenem Tag mit dir geführt und hast darüber berichtet, wie wichtig es doch wäre, zusammen gegen das Unrecht jenseits der Wälder im fernen Rhovanion zu bestehen. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie du versucht hast, die anwesenden Elben von den Geschehnissen zu überzeugen, die Muriell und dir dort widerfahren sind."

Valimaro hörte aufmerksam auf die Worte des Elben und nickte ihm zustimmend entgegen, dann ergänzte er schließlich:
"Ich sagte zu den anwesenden Elben..." setzte Valimaro an, wurde dann aber augenblicklich von Lumars Worten unterbrochen:
"Diese Elbenklinge würde euch meine Worte und Geschichten bestätigen, könnte ich sie nur an meiner statt sprechen und dafür einstehen lassen, da ihr meinen Wort offensichtlich weder Gehör noch Glauben schenken wollt.
Du warst bereits dabei, zu gehen und aus dem Kreis all derjenigen zu treten, die dir vorher zugehört hatten. Aber dann machten alle Anwesenden Platz für Glorfindel, dem Noldo, der von Manwe nach Mittelerde zurückgeschickt worden war, um uns im Kampf gegen Sauron Beistand leisten zu können.
Glorfindel streckte seine Hand nach dieser Klinge aus, als wollte er sie dir abnehmen. Ich weiß es noch wie heute, dass du sie ihm bereitwillig in seine Hände gelegt hast, unwissend, was er damit täte.
Doch der Noldo schmiegte lediglich sein rechtes Ohr an die Innenseite deines Schwertes und lauschte auf das, auf was auch immer er versuchte, dabei zu lauschen.
Er drückte sein Ohr so fest an diese Klinge und begann, mit ihm in der verbotenen Sprache der Noldor zu flüstern, als wenn er mit dem Klinge sprechen könne.
Es war so still auf dem Platz vor dem Bruinen, dass man das Wasser hören konnte, wie es weit unten im Tal gegen die Ufer klatschte.
Nach einer geraumen Weile schloss Glorfindel seine Augen und verstummte, so, als wenn er den Antworten des Elbenstahls zuhören wollte.
Und wir alle wurden dann Zeuge davon, wie der alte Noldo, der so viel erlebt und gesehen hatte, seine Augen öffnete und zu schluchzen begann.
Seine Augen füllten sich mit leisen Tränen, die auf die Klinge herab fielen. Noch nie hatte ich diesen Elben weinen sehen, aber es geschah dennoch, wir alle wurden damals Zeuge davon.
Glorfindel wischte sich die Tränen nach einiger Zeit aus dem Gesicht und gab dir dein Schwert zurück. Dann sprach er...."

Diesmal war es Valimaro, der Lumar mit seinen Worten unterbrach und seinen Satz zu Ende führte:
"Jedes eurer Worte ist wahr und noch mehr. Dieser Elb hat in die Augen eines Umaiar geblickt und wurde nicht in den tiefen Schatten hineingezogen, unser aller Hilfe sollte ihm zu Teil werden."
Die beiden Elben nickten sich nach diesem Satz zu und Lumar sprach nach einigem Zögern weiter:
"An diesem Tag wusste ich, ich werde dir bei deinem Vorhaben helfen und dir folgen, Taurthir."
Valimaro legte seine freie Hand auf das Knie Lumars und blickte ihm in die Augen:
"Du weißt, wie diese Geschichte hier enden wird Lumar. Ich werde morgen früh an deine Tür klopfen."

Lumar lächelte daraufhin wissend hinunter zu Valimaro und schaute dann in Richtung Celondim.
"Es ist schon spät, ich breche jetzt besser auf."

Valimaro nickte und trat ein paar Schritte weg von Lumars Stute und auch von Valkas.
Dann trabte Lumar mit beiden Pferde davon, ohne sich noch einmal zu Valimaro umzudrehen, der ihm nachsah.
Nach ein paar Metern preschte Lumar etwas schneller mit beiden Pferden davon und verschwand dann auch aus dem für Valimaro sichtbaren Teil der Dunkelheit in der Nacht, die bereits dabei war, allmählich dem aufziehenden Morgen Platz zu machen.
Leise murmelte Valimaro für sich:
"Die Noldor wissen weit mehr über die Kunstfertigkeiten dieser Welt, mein Freund."
Der Elb erhöhte seinen Druck auf den Griff der Klinge und schaute dann auf dieselbe, als er weiter zu sich sprach:
"Natus besteht mitnichten aus Elbenstahl und ist auch nicht von elbischer Hand gefertigt worden, auch das las der Noldo vor so lange Zeit in meiner Klinge."

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Blutmond über Tham Gelair Teil 9

Ungelesener Beitragvon Valimaro » Dienstag 2. Juli 2019, 21:27

Wo sie sind

...ein Reiter verließ die Ruinen bei Tham Gelair und führte zwei Rösser mit sich, als er sich Richtung Celondim aufmachte...

Valimaro schaute Lumar noch eine kurze Weile nach und grübelte ob der an ihn gerichtete Frage kurz vor ihrer Verabschiedung, eher er sich bereit machte, die Anhöhe erneut in dieser Nacht hinaufzugehen.
Bei jedem seiner Schritte erinnerte sich der alte Sinda an die vielen Momente, die ihn stets quälten, wenn er Natus mit sich führte.
Der Zweihänder glänzte im fahlen Mondlicht, der ab und an seine helle Wärme auf die Stahlklinge warf und dabei die vielen Gravuren und Verzierungen erkennen ließ, die an der gesamten Waffen eingefasst und vom Meisterschmied Keldor eingeschmolzen worden waren.
Behände ließ Valimaro Natus leicht zu Boden sinken, sodass die Spitze fast die Grashalme beim Vorübergehen berührte und der Elb den Griff seiner Waffe im Gehen betrachten konnte.
Mit goldenen Ornamenten und einigen Edelsteinen versehen wirkte alleine der mächtige und lange Griff des Schwertes erhaben und eines Königs würdig, welcher diese Waffe genauso gut in einer Schlacht hätte mit sich führen können, um seinen Soldaten mit diesem erhobenen Stahl ein Vorbild zu sein und ihnen Mut zu machen.
Aber eines von diesen Schwertern, die für Könige angefertigt wurden, war Natus bei weitem nicht, auch wenn sein Anblick auf jeden, der diese Klinge zum ersten Mal zu Gesicht bekam, so wirken musste.
Valimaro umklammerte den Griff etwas fester und wog sein Schwert leicht durch das Gras.
Kurz bevor er die Ruinen erreichte und dort in das Sichtfeld von Langlas trat, ließ er Natus in kurzen, rhythmischen Bewegungen durch die Luft schnellen, so, als wenn er sie mit der scharfen Schneide zerteilen wollte.
In seiner Angriffspose verharrend sprach Langlas von der rechten Seite zu ihm herüber:

"Was denkst du Valimaro?"
Der Sinda entspannte seine Körperhaltung etwas und ließ Natus dann allmählich vollständig gen Boden sinken, bevor er schließlich gelassen in Richtung Langlas' antwortete:
"Ich denke, sie haben die echten Spielleute hier oben ermordet. Die Leichen werden sie entweder in der Nähe verscharrt oder gleich verbrannt haben oder sie, falls die Zeit dafür noch nicht ausgereicht haben sollte, in die Gewölbe der Ruinen geschafft haben." Valimaro schaute in Richtung Celondim und sprach dann weiter: "Nach dem Zustand der Mädchen zu urteilen, wohl auch nicht erst heute, vielleicht stießen sie bereits gestern oder die Nacht zuvor auf den Spielmannszug hier in den Ruinen. Ich schätze, es war eine ähnliche Situation wie heute, als wir sie entdeckten. Entweder sahen sie das Feuer hier oben und haben sich angeschlichen oder sie lockten mit ihrem Feuer die unschuldigen Spielleute an."

Langlas nickte und fragte weiter:
"Und was ist mit der Elbin, von der vorhin gesprochen wurde? Was denkst du über sie?"
Valimaro wirkte daraufhin sehr nachdenklich und ruhig.
Er beugte sich auf den Boden herunter und legte Natus kurz neben sich ab, um dann mit beiden Händen den kühlen und feuchten Boden zu berühren und seine Hände leicht mit schwarzer Erde einzureiben.
Dann blickte er Langlas, der mittlerweile etwas näher auf ihn zugekommen war, in die Augen und sprach:
"Dieses Pergament, von dem Cyril sprach. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie vorhin eines bei sich trug. Das hätten wir mit Sicherheit bemerkt. Wir wissen auch, dass Cyril sie schwer verletzt hat, auch wenn ihre Wunden von dir und Thrasi gut versorgt worden sind und sie sicherlich bald außer Gefahr sein wird. Aber so viel bleibt im Ungewissen für uns...wir konnten sie nicht einmal genauer nach ihrer Verletzung befragen und auch diese Männer hier oben werden uns wohl keine Antwort mehr darauf geben."
"Was suchen sieben Männer hier im Norden. Hier gibt es außer den Zwergenansiedlungen und den hiesigen Elben keine Menschenansammlungen oder etwas, das eine derartige Unternehmung rechtfertigen würde.", unterbrach ihn Langlas flüchtig.
Valimaro verrieb sich die Erde in seinen Händen und erhob sich dann wieder vom Boden:
"Wir wissen nicht, was auf diesem Pergament steht oder welches Anliegen diese Männer hier antrieb, soweit abseits der nächsten größeren Menschensiedlungen nach ihm zu suchen. Was bleibt ist die Tatsache, dass eine schwer verletzte Elbin auf der Wegkreuzung deiner Hütte zusammenbrach und wir ihre Spur bis hierher zurückverfolgen konnten, mein Freund. Wir sollten uns vielleicht mehr auf die Männer konzentrieren, die uns noch Rede und Antwort stehen können, meinst du nicht auch?"
Langlas wurde daraufhin sehr ernst in seinem Tonfall:
"Ich bin einer der Beschützer dieser Lande, Vali. Sofern eine Elbin hier durch Menschenhand verletzt wird und eine Truppe marodierender Verbrecher die Ruinen unseres Volkes als Lager benutzt, werde ich stets zur Stelle sein und Unheil von den Bewohnern dieser Region abwenden."
Valimaro nickt ihm leicht entgegen und ließ dann seinen Blick zum Eingang der Elbenruinen schweifen, eher er Langlas' Worte folgendermaßen erwiderte:
"Ich fürchte, wir haben es hier nicht unbedingt mit einfachen Räubern oder gewöhnlichen Banditen zu tun. Diese Männer sind Söldner, die für einen Auftrag angeheuert wurden, davon gehe ich aus."
Bei seinen Worten ergriff Valimaro sein Schwert und drehte es leicht kämpferisch zu Langlas, der seinen Freund daraufhin ehrfürchtig ansah.

"Ich wusste nicht, dass du Natus wieder mit dir führst, Taurthir."
Langlas schielte aufmerksam zur Klinge, die Valimaro ihm nun vollends präsentierte.
Der Elb folgte dem Blick des Jägers und verzog seinen Mund zu einem schmalen Schlitz, dann sprach er:
"Heute Nacht, hier in Tham Gelair, werde ich wieder für einen kurzen Moment derjenige Elb sein, den sie in Rhovanion seinerzeit 'Taurthir' nannten.
Denn genau nach diesem Elben haben diese Kreaturen, die sich dort in den Ruinen versteckt halten, heute Nacht verlangt."

Langlas schaute seinen Freund wissend an und fragte ihn dann:
"Was genau, hast du jetzt vor, Taurthir?"
Valimaro schaute vom Eingang der Ruinen zu den toten Körpern, die verstreut auf der Anhöhe und in unmittelbarer Nähe dieser lagen und dann wieder zurück zur Ruine.
Schließlich antwortete der Elb entschlossen:
"Wir sammeln zunächst die toten Männer zusammen und werfen sie mit brennbarem Material auf einen Haufen, direkt dort."
Valimaro deutet mit einem Finger auf den Eingangsbereich der Ruinen.
"Wir wissen nicht mit Sicherheit, wie viele Männer sich noch im Inneren der Ruinen verbergen mögen. Vielleicht haben innen schon welche geschlafen während die anderen sieben hier draußen noch am Feuer beisammen saßen."
"Dann können wir nicht abschätzen, was uns dort drinnen erwarten wird. Es könnte eine Falle sein und zwar mit einer vielfachen Überzahl ihrerseits."
Valimaro schüttelte leicht den Kopf bei diesen Worten und entgegnete:
"Wären sie sich über Überlegenheit uns gegenüber bewusst, dann wären sie bereits alle aus den Ruinen hinaus getreten, wohlwissend, dass sie ihren Vorteil ausspielen können. Ich denke also, es verhält sich eher so, dass sie von der Überraschung durch uns eingeschüchtert worden sind und nun ihrerseits den Vorteil der Ruine nutzen wollen. Wenn sie es schaffen, uns in die schmalen Gänge hinein zu locken, können wir unsere Schnelligkeit und Kampfkunst nicht unbedingt gewinnbringend einsetzen und bieten so leichtere Ziele für einen Kampf in den Ruinen. Deshalb werden wir dies auch nicht machen."
Langlas nickt dem Elben zu und sagte dann:
"Dann können wir nochmal mit ungefähr fünf bis sieben Männern rechnen, die sich jetzt noch kampfbereit in den Gewölben befinden."
"Ja, ich fürchte, das kommt ungefähr hin, plus-minus ein bis zwei Männer zusätzlich. Vermutlich haben sie schon alles genau vorbereitet und ihren Hinterhalt untereinander abgestimmt oder sie warten lediglich darauf, dass es Tag wird und wir den Vorteil der Dunkelheit hier draußen verlieren."
"Wie sollen wir vorgehen, um unseren Vorteil nicht zu verspielen?"
Valimaro schaute in Richtung des Eingangsbereichs der Ruinen und antwortete dann:
"Wir treiben Sie aus ihrer Deckung, wie Ratten aus ihrem Versteck, indem wir ihnen einheizen und am Eingang der Ruinen ein Feuer entzünden, dass ihnen die Luft zum Atmen nehmen wird."
"Ich kenne die Ruinen hier, Taurthir. Die übrigen Ausgänge sind zerfallen und verschüttet oder die Natur hat dort ihr übriges getan, um ein Entkommen zu verhindern. Meines Wissens gibt es lediglich diesen Eingang dort, um in die unteren Kellergewölbe zu gelangen."
"Umso besser, dann wird sich der Qualm gut in den schmalen Gängen verteilen und sie hinaus jagen. Und hier draußen...."
"...Nehmen wir sie dann in Empfang und beenden die Nacht für sie und uns."
Valimaro stimmte dem Elben daraufhin zu und griff bereits nach zusätzlich brennbarem Material, das um die ehemalige Stelle des Lagerfeuers zerstreut lag.

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Valimaro
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Blutmond über Tham Gelair Teil 10

Ungelesener Beitragvon Valimaro » Freitag 2. August 2019, 16:48

Der Hilferuf

...die Morgendämmerung war noch nicht heraufgezogen und die Landschaft, die sich zu beiden Seiten der nun seit einigen Metern befestigten Straße zeigte, war noch immer in den dunklen Schleier der kühlen Nacht eingebettet...
...die einladenden Kuppen der hohen Dächer Celondims kamen langsam in Sichtweite von Lumar, der mit einem der schlafenden Mädchen auf seiner Stute ritt, während Valimaros schwarzer Hengst in kurzem Abstand ein paar Meter hinter dem Elben leicht trabte...


Auf den weichen Schwingen des Windes wurde leise eine Melodie in die Richtung des Reiters und der beiden Rösser getragen, die einem fernen Rufen glich, das in einiger Entfernung hinter ihnen geflüstert wurde.
Lumar hörte diese Melodie nicht und war erleichtert, als er die blassen Türme der Hafenstadt seines Volkes erblickte, gleich würden Nephaleon und seine Frau sich um die Mädchen kümmern und Lumar wäre seiner Familie bald darauf ein Stückchen näher gekommen.
Gleichzeitig beschäftigte ihn der Gedanke, ob seine Freunde in Tham Gelair bereits mit den Männern fertigt geworden waren und ob sie sich vielleicht ebenfalls auf dem Weg nach Celondim befanden?

Unbemerkt dessen klappten sich die Ohren von Valkas nach hinten, in die Richtung der Ausläufer der Blauen Berge, aus der sie gerade kamen.
Die Melodie im Wind hatte sich zwar verflüchtigt, jedoch hatten sich die vertrauten Töne bereits ihren Weg in das Gehör und den Geist von Valkas gebahnt und beunruhigten diesen plötzlich.
Augenblicklich hielt der Hengst in seiner Bewegung inne und stockte leicht, die sanften Schwingen des Windes trugen die Melodie erneut an seine Ohren und Valkas machte sofort ein paar Ausfallschritte zurück, als würde er umkehren wollen.

Lumar war bereits ein kleines Stück weiter entlang der steinernden Straße Richtung Celondim geritten, als seine Stute ihr Tempo verlangsamte und schließlich zum Stehen kam.
Der Elb blickte sich nach Valkas um, der abrupt stehen geblieben war und sich mit seinem Kopf in Richtung der Elbenruine gedreht hatte.
Dann wieherte der Hengst laut und stampfte mit seinen Vorderbeinen nervös auf den Boden herum.

"Was ist los, Valkas? Wir haben Celondim doch fast schon erreicht....", Lumar unterbrach sein ruhiges Fürsprechen zum Tier und versuchte stattdessen, das Gebärden des Pferdes für sich richtig zu deuten, um die Situation abschätzen zu können.
Der Hengst machte langsam in Richtung des Weges kehrt, den sie eben geritten waren und stampfte erneut mit seinen Vorderbeinen auf der Stelle, dann blies er deutlich hörbar Luft aus seinen Nüstern und wieherte abermals.

Lumar nickte still und sprang anschließend von seiner Stute ab, die er sogleich an ihrem Halfter in schnellen Schritten mit sich das kurze Stück zum Hengst führte.
Als er dann dicht neben Valkas stand, der sich vollständig in Richtung Tham Gelair zugewandt hatte, löste der Elb die Schnüre, mit denen das blonde Mädchen an die Mähne des Hengstes angebunden war.
Lumar beeilte sich, er befreite den Hengst von den Schanieren des Sattels und zog gekonnt die Füße des Mädchens aus den Steigbügeln, wohlgemerkt so, dass sie dabei nicht erwachte oder ihre bequeme Haltung verlor.
Dann zog er letztlich an einer Masche und leicht an einem weiteren Halteseil und das Mädchen rutschte vorsichtig hinunter in seine Arme.
Das Mädchen wurde etwas unsanft geschultert und seufzte dabei angestrengt, als Lumar sie in diese nun doch eher unbequeme Haltung brachte.
Mit seinem nun freien Arm öffnete der Elb die letzten Schlaufen und Befestigungen des Sattels sowie der Satteltaschen, sodass sie nun lose auf Valkas lagen.
Rasch nahm Lumar beides vom Rücken des Tieres herunter und streichelte anschließend sanft über dessen Nasenrücken, als er leise in Sindarin zum Hengst flüsterte:
"Reite geschwind zu deinem Herrn und bring ihn sicher an meine Türschwelle zurück, Valkas."

Sein Name war noch nicht ganz ausgesprochen, da begann der schwarze Hengst bereits, seinen Kopf von Lumar in Richtung Tham Gelair abzuwenden und tat ein paar langsame Schritte nach vorne.
Lumar trat seinerseits einige Meter von Valkas zurück, der sofort ansetze, die Straße in schnellem Trab hinaufzureiten, nach einiger Entfernung wechselte der schwarze Hengst in einen raschen Galopp und verschwand aus dem Sichtbereich des Elben, der das Mädchen wieder in bequemerer Haltung in seinen Armen wog und Valkas beunruhigt nachsah.


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