Die Reise des Kochs
Verfasst: Sonntag 12. März 2017, 15:02
Tee und Briefe
Sie fühlte sich schlichtweg miserabel. Sie lag auf dem Boden, schwer nach Luft schnappend und komplett durchgeschwitzt. Ihre rote Kleidung war von ihrem eigenen Schweiß komplett durchtränkt und färbte sich durch die Asche in ein dreckiges Grau. Sie schaute nach oben in den grauen Himmel. Seit Wochen hatte man die Sonne nicht gesehen. Der Himmel wurde von rötlichen Lichtschimmern durchzogen – manchmal fragte sie sich ob das die Überbleibsel eines mächtigen Zaubers sein könnten. Im Norden erhellte ein kränkliches Grün die grauen Aschewolken.
Ihr Blick verschwamm und klärte sich wieder als sich ein großes Orkgesicht in ihr Blickfeld schob. Er schnaubte verächtlich.
„Ist gut Ahkmou! Tot wird sie sich nie verbessern können.“
Der Ork mit dem Namen Ahkmou spuckte ihr ins Gesicht und zog sich zurück. Sie stand auf, zwar etwas wackelig auf den Beinen, aber sie stand. So wurde es von ihr erwartet. Ein Mann im schwarzen Umhang schnalzte mit der Zunge. Sie waren in einem Hof. Um sie herum standen Häuser aus weißem Lehm, bereits grau gefärbt von der aschverseuchten Luft. Im Eingang vom Hof stand eine Gestalt, komplett in eine graue Kutte gehüllt. Der Anblick eines Cargul erfüllte sie schon lange nicht mehr mit Schrecken. Sie gehörten zum bitteren Alltag, genauso wie die tägliche Prügel die sie sich von Ahkmou einfing. Andere junge Frauen und Männer standen abseits im Hof und beobachteten die Kämpfe bis schließlich auch sie dran waren. Auf einem Podest stand der Mann im schwarzen Umhang. Man konnte nichts von seiner Rüstung sehen, doch es war offensichtlich dass er welche trug. Eine riesige Narbe zierte den halb geschorenen Kopf. Was auch immer ihn verletzt hatte, die Wunde wurde nie richtig vernäht und hat sich wohl auch mehrmals entzündet. Er hatte sich die rechte und linke Seite seines Kopfes geschoren und die restlichen schwarzen Haare zu einem Zopf zusammengebunden. Mit einer Hand spielte er mit dem Band das in seinen Ziegenbart eingeflochten worden ist. Er würde freundlich lächeln, wenn seine schwarzen Augen nicht vor Boshaftigkeit leuchten würden. Sie hatte mehr Angst vor diesem einen Mann als vor der ganzen Armee, die hinter den Mauern der schwarzen Festung im Norden lauerte.
Der Mann schnalzte erneut mit der Zunge, schüttelte den Kopf und schaute sie durchdringend mit seinem unheimlichen Lächeln an.
„Meine Liebe, hast du eine Idee, warum ich dich nicht für diese jämmerliche Vorführung auspeitschen lasse?“
Sie hatte gute zwei Stunden mit dem Ork gekämpft - Mit nichts weiter als ihren Fäusten, während Ahkmou abwechselnd mit Keule und Schwert auf sie eindrosch. Sie schwieg und schüttelte nur den Kopf.
„Nicht? Nun…“ Der Mann wandte sich den anderen Menschen in roter Kleidung zu. Er packte eine kleine Phiole aus: „Was ist das?“
Die Gruppe schwieg. Sie räusperte sich um wieder Herrin ihrer Stimme zu sein und antwortete leise mit ruhiger Stimme: „Schattenschlaf. Ein Gift aus Bogbereths Brut und Nachtschattengewächs. Geschmacklos, farblos, geruchlos. Es führt zu einer Lähmung, die ohne das Gegengift nicht geheilt werden kann. Trotzdem ist man in der Lage zu fühlen und zu sprechen.“
„Sehr gut! Keinerlei Talent im Kampf, aber ausreichendes Wissen über Gifte und Gegengifte. Deswegen werde ich euch nicht bestrafen. Denn im Vergleich zu den anderen Enttäuschungen auf diesem Hof seid ihr nicht die Schlimmste.“
Die angesprochene Gruppe zuckte etwas zusammen, bevor sie wieder wie Statuen standen – unbewegt, mit kalter Miene. Sie tat es ihnen gleich. Sie wurde zwar gelobt, eine Seltenheit in diesem Bereich von Mittelerde, aber ein Lob konnte immer schnell zu einer weiteren Übungseinheit mit Ahkmou führen.
„Ihr seid Dolche! Ungeschliffen und stumpf, aber immer noch gefährliche Waffen. Aber im Moment ist sie die Gefährlichste unter euch! Denn auch ein stumpfer Dolch ist am tödlichsten, wenn er vergiftet ist. Du! Du bist als nächstes dran. Wenn ihr keine Ahnung von Giften habt, dann muss ich euch halt so lange schleifen, bis ihr zumindest in der Lage seid Butter auf ein Brot zu schmieren!“
Der Mann verschränkte die Arme vor der Brust während sie den Platz mit dem jungen Mann tauschte, der sich nun der Prügel unterziehen musste.
~
Teridax schiebt den Stoff zur Seite, der den Eingang des Zeltes verdeckt. Der große Ork Ahkmou folgt ihm ins Zelt ohne einen Ton von sich zu geben. Seine lila farbene Haut hatte einige Blutspritzer abbekommen bei der heutigen Übungseinheit mit den Frischlingen. Trotz der stundenlangen Kämpfe hat der Ork kein bisschen geschwitzt – und der Mann ist froh darum. Schwitzende Orks haben nicht grade den angenehmsten Geruch. Und Sauron möge ihn verschonen, er würde es niemals wagen Ahkmou zu einem Bad aufzufordern. Dieses Ungeheuer weiß wie man kämpft. Der Mann weiß sich zu behaupten, doch ein Kampf zwischen ihnen würde nur dazu führen, dass beide tot auf dem Boden liegen – und wer würde sich dann um die Frischlinge kümmern?
„Sie sind schwach!“ grunzt Ahkmou abfällig.
„Geduld, mein Freund. Ein Messer kann man nicht ein mal mit dem Schleifstein schärfen und dann erwarten, dass es schneidet. Noch mögen sie schwach sein, aber sie verbessern sich nach und nach. Besonders Lariska. Sie hat am längsten durchgehalten.“ während Teridax spricht macht er sich an einem großen Kohlebecken zu schaffen um … Tee aufzusetzen?
„Diese Göre hat nicht gekämpft! Sie ist abgehauen!“
Teridax lacht, während er getrocknete Kräuter das siedenden Wasser hinzufügt. Aus der Teekanne beginnt es nach grünem Tee zu duften. Eine Teepflanze aus der Heimat. Er wird bald nach Neuem verlangen müssen.
„Noch weiß sie nicht, wie man beim Ausweichen die Waffen einsetzt, noch hat sie keine Ahnung wo man zuschlagen muss um den größtmöglichen Schaden anzurichten. Nein! Lektion eins besteht darin Schmerz kennen zu lernen, Ausdauer aufzubauen und die Leichtgewichte von den Muskeltieren zu trennen. Wie gesagt, Geduld…“
Teridax gießt den zubereiteten Tee in zwei einfache Holzbecher und reicht dem Ork einen davon. Ein merkwürdiger Anblick, vor allem dann, als sich beide im Schneidersitz auf den Teppich setzen, der den Boden bedeckt und sie ihren Tee schlürfen.
„Warum lasst ihr mich einen dieser Grünschnäbel nicht ausweiden? Ihr seid erneut dazwischen gegangen.“ Wenn ein Ork schmollen könnte – Ahkmou würde es tun.
„Ich habe eine Assassinenarmee versprochen. Mir wurden diese Kinder anvertraut und ich werde sie nicht nach und nach von dir abschlachten lassen, weil du glaubst sie taugen zu nichts!“ Teridax schnaubt. Er ist zwar ein ruchloser, ausgebildeter Mörder, aber bei Kindern hört es auf! Nehmt sie lieber den Eltern weg und formt sie zu Soldaten, das ist seine Devise. Kinder zu töten ist nichts weiter als Verschwendung. Und Kinder sind leicht zu formen – es braucht nur ein gewisses Maß an Lob. Die Bestrafungen können andere übernehmen.
Grade als der Ork zu einer Antwort ansetzt, wird das Tuch vor dem Zelt weggeschoben und ein Angmarim Bote tritt ein. Teridax steht sofort auf und verbeugt sich leicht. Warum er das tut, bleibt dem Boten ein Rätsel. Sollte sich nicht der Bote vor dem Mann, der einige Stufen über ihm steht in der Hierarchie, verbeugen? Ahkmou bleibt derweil beleidigt sitzen aufgrund der Unterbrechung und dem Fakt, dass er niemanden töten darf.
„Einen wunderschönen guten Abend! Setzt euch und trinkt eine Tasse Tee mit uns.“ Begrüßt Teridax den Boten. Der Bote blinzelt verwirrt.
„Ehhh… danke… ich hab eine Nachricht aus Carn Dum für euch, Meister Teridax. Die Meisterin erwartet umgehend eine Antwort.“
Teridax hat derweil eine weitere Tasse mit Tee gefüllt und überreicht sie dem nun mehr als verwirrten Boten. Beide setzen sich und der Mann nimmt die sorgsam zusammengefaltete Nachricht entgegen.
Während der Bote am Tee nippt und etwas hilflos dreinschaut, grummelt Ahkmou vor sich hin. Der Ork hat den Tee bereits ausgetrunken.
Meister Teridax,
Mir ist durchaus bewusst, dass ihr mitten in der Ausbildung der versprochenen Assassinen seid, doch es hat sich eine Chance aufgetan im Breeland Fuß zu fassen. Unsere Spione berichten von einer erfolgreichen Gruppierung, die Einfluss mit Mord, Erpressung und Raub über die herrschende Gesellschaftsschicht der freien Völker ausübt.
Unser Meister befiehlt euch Kontakt zu dieser Gruppierung, die sich Mondschlangen nennt, aufzunehmen. Überzeugt sie, sich Angmar anzuschließen! Unser Meister hat Vertrauen in eure Fertigkeiten. Enttäuscht ihn nicht!
Auf eurem Weg ins Breeland solltet ihr einen Abstecher nach Fornost unternehmen. Remmenaeg vernachlässigt seine Pflicht und sollte daran erinnert werden, dass mehrere Berichte versäumt worden sind.
Hochachtungsvoll,
Mura
Teridax zieht die Augenbrauen zusammen. Wer wird sich um seine Schüler kümmern? Er geht die Liste der möglichen Kandidaten im Kopf durch und ist nicht zufrieden. Manche werden sterben – eine Riesenverschwendung! Und Teridax hasst Verschwendungen. Auf der anderen Seite ist dies ein direkter Befehl von Mordirith, wenn nicht sogar aus Mordor selbst. Das ist nie ganz aus Muras Briefen heraus zu lesen.
„Heh, ich werde den Befehl nicht verweigern, doch bitte ich darum, meine Schüler sorgsam zu behandeln. Sie brauchen noch Übung mit den Waffen und Theoriewissen über Gifte und Strategie.“ Teridax Stimme ist freundlich, doch seine Augen sagen ‚Tut ja nichts mit meinen Schülern, dass ich nicht gut heißen würde!‘. Denn wenn es etwas gibt, dass Teridax noch mehr hasst als Verschwendung, dann ist es, wenn jemand in seinen Plänen herumpfuscht! „Oh! Und Ahkmou wird mich begleiten! Nicht wahr?“
Der Holzbecher des Boten ist ausgetrunken. Er steht rasch auf und verbeugt sich.
„Ich werde es ausrichten.“ Dann ist er auch schon aus dem Zelt.
Ahkmou schaut Teridax entgeistert an.
„Was ist, mein aufbrausender Freund? Es geht nach Fornost, eine Rüstung zusammenschlagen und ins Breeland Menschen töten!“
Sofort entspannt sich der Ork wieder. Er hatte schon angenommen, er müsse mit dem Mann einen langweiligen Botengang erledigen. Dabei hatten sie noch nie einen langweiligen Auftrag erhalten. Aber er muss ja immer zuerst mit der Gesamtsituation unzufrieden sein.
Der Mann lächelt und sammelt die Becher ein. Morgen wird ein interessanter Tag.
Sie fühlte sich schlichtweg miserabel. Sie lag auf dem Boden, schwer nach Luft schnappend und komplett durchgeschwitzt. Ihre rote Kleidung war von ihrem eigenen Schweiß komplett durchtränkt und färbte sich durch die Asche in ein dreckiges Grau. Sie schaute nach oben in den grauen Himmel. Seit Wochen hatte man die Sonne nicht gesehen. Der Himmel wurde von rötlichen Lichtschimmern durchzogen – manchmal fragte sie sich ob das die Überbleibsel eines mächtigen Zaubers sein könnten. Im Norden erhellte ein kränkliches Grün die grauen Aschewolken.
Ihr Blick verschwamm und klärte sich wieder als sich ein großes Orkgesicht in ihr Blickfeld schob. Er schnaubte verächtlich.
„Ist gut Ahkmou! Tot wird sie sich nie verbessern können.“
Der Ork mit dem Namen Ahkmou spuckte ihr ins Gesicht und zog sich zurück. Sie stand auf, zwar etwas wackelig auf den Beinen, aber sie stand. So wurde es von ihr erwartet. Ein Mann im schwarzen Umhang schnalzte mit der Zunge. Sie waren in einem Hof. Um sie herum standen Häuser aus weißem Lehm, bereits grau gefärbt von der aschverseuchten Luft. Im Eingang vom Hof stand eine Gestalt, komplett in eine graue Kutte gehüllt. Der Anblick eines Cargul erfüllte sie schon lange nicht mehr mit Schrecken. Sie gehörten zum bitteren Alltag, genauso wie die tägliche Prügel die sie sich von Ahkmou einfing. Andere junge Frauen und Männer standen abseits im Hof und beobachteten die Kämpfe bis schließlich auch sie dran waren. Auf einem Podest stand der Mann im schwarzen Umhang. Man konnte nichts von seiner Rüstung sehen, doch es war offensichtlich dass er welche trug. Eine riesige Narbe zierte den halb geschorenen Kopf. Was auch immer ihn verletzt hatte, die Wunde wurde nie richtig vernäht und hat sich wohl auch mehrmals entzündet. Er hatte sich die rechte und linke Seite seines Kopfes geschoren und die restlichen schwarzen Haare zu einem Zopf zusammengebunden. Mit einer Hand spielte er mit dem Band das in seinen Ziegenbart eingeflochten worden ist. Er würde freundlich lächeln, wenn seine schwarzen Augen nicht vor Boshaftigkeit leuchten würden. Sie hatte mehr Angst vor diesem einen Mann als vor der ganzen Armee, die hinter den Mauern der schwarzen Festung im Norden lauerte.
Der Mann schnalzte erneut mit der Zunge, schüttelte den Kopf und schaute sie durchdringend mit seinem unheimlichen Lächeln an.
„Meine Liebe, hast du eine Idee, warum ich dich nicht für diese jämmerliche Vorführung auspeitschen lasse?“
Sie hatte gute zwei Stunden mit dem Ork gekämpft - Mit nichts weiter als ihren Fäusten, während Ahkmou abwechselnd mit Keule und Schwert auf sie eindrosch. Sie schwieg und schüttelte nur den Kopf.
„Nicht? Nun…“ Der Mann wandte sich den anderen Menschen in roter Kleidung zu. Er packte eine kleine Phiole aus: „Was ist das?“
Die Gruppe schwieg. Sie räusperte sich um wieder Herrin ihrer Stimme zu sein und antwortete leise mit ruhiger Stimme: „Schattenschlaf. Ein Gift aus Bogbereths Brut und Nachtschattengewächs. Geschmacklos, farblos, geruchlos. Es führt zu einer Lähmung, die ohne das Gegengift nicht geheilt werden kann. Trotzdem ist man in der Lage zu fühlen und zu sprechen.“
„Sehr gut! Keinerlei Talent im Kampf, aber ausreichendes Wissen über Gifte und Gegengifte. Deswegen werde ich euch nicht bestrafen. Denn im Vergleich zu den anderen Enttäuschungen auf diesem Hof seid ihr nicht die Schlimmste.“
Die angesprochene Gruppe zuckte etwas zusammen, bevor sie wieder wie Statuen standen – unbewegt, mit kalter Miene. Sie tat es ihnen gleich. Sie wurde zwar gelobt, eine Seltenheit in diesem Bereich von Mittelerde, aber ein Lob konnte immer schnell zu einer weiteren Übungseinheit mit Ahkmou führen.
„Ihr seid Dolche! Ungeschliffen und stumpf, aber immer noch gefährliche Waffen. Aber im Moment ist sie die Gefährlichste unter euch! Denn auch ein stumpfer Dolch ist am tödlichsten, wenn er vergiftet ist. Du! Du bist als nächstes dran. Wenn ihr keine Ahnung von Giften habt, dann muss ich euch halt so lange schleifen, bis ihr zumindest in der Lage seid Butter auf ein Brot zu schmieren!“
Der Mann verschränkte die Arme vor der Brust während sie den Platz mit dem jungen Mann tauschte, der sich nun der Prügel unterziehen musste.
~
Teridax schiebt den Stoff zur Seite, der den Eingang des Zeltes verdeckt. Der große Ork Ahkmou folgt ihm ins Zelt ohne einen Ton von sich zu geben. Seine lila farbene Haut hatte einige Blutspritzer abbekommen bei der heutigen Übungseinheit mit den Frischlingen. Trotz der stundenlangen Kämpfe hat der Ork kein bisschen geschwitzt – und der Mann ist froh darum. Schwitzende Orks haben nicht grade den angenehmsten Geruch. Und Sauron möge ihn verschonen, er würde es niemals wagen Ahkmou zu einem Bad aufzufordern. Dieses Ungeheuer weiß wie man kämpft. Der Mann weiß sich zu behaupten, doch ein Kampf zwischen ihnen würde nur dazu führen, dass beide tot auf dem Boden liegen – und wer würde sich dann um die Frischlinge kümmern?
„Sie sind schwach!“ grunzt Ahkmou abfällig.
„Geduld, mein Freund. Ein Messer kann man nicht ein mal mit dem Schleifstein schärfen und dann erwarten, dass es schneidet. Noch mögen sie schwach sein, aber sie verbessern sich nach und nach. Besonders Lariska. Sie hat am längsten durchgehalten.“ während Teridax spricht macht er sich an einem großen Kohlebecken zu schaffen um … Tee aufzusetzen?
„Diese Göre hat nicht gekämpft! Sie ist abgehauen!“
Teridax lacht, während er getrocknete Kräuter das siedenden Wasser hinzufügt. Aus der Teekanne beginnt es nach grünem Tee zu duften. Eine Teepflanze aus der Heimat. Er wird bald nach Neuem verlangen müssen.
„Noch weiß sie nicht, wie man beim Ausweichen die Waffen einsetzt, noch hat sie keine Ahnung wo man zuschlagen muss um den größtmöglichen Schaden anzurichten. Nein! Lektion eins besteht darin Schmerz kennen zu lernen, Ausdauer aufzubauen und die Leichtgewichte von den Muskeltieren zu trennen. Wie gesagt, Geduld…“
Teridax gießt den zubereiteten Tee in zwei einfache Holzbecher und reicht dem Ork einen davon. Ein merkwürdiger Anblick, vor allem dann, als sich beide im Schneidersitz auf den Teppich setzen, der den Boden bedeckt und sie ihren Tee schlürfen.
„Warum lasst ihr mich einen dieser Grünschnäbel nicht ausweiden? Ihr seid erneut dazwischen gegangen.“ Wenn ein Ork schmollen könnte – Ahkmou würde es tun.
„Ich habe eine Assassinenarmee versprochen. Mir wurden diese Kinder anvertraut und ich werde sie nicht nach und nach von dir abschlachten lassen, weil du glaubst sie taugen zu nichts!“ Teridax schnaubt. Er ist zwar ein ruchloser, ausgebildeter Mörder, aber bei Kindern hört es auf! Nehmt sie lieber den Eltern weg und formt sie zu Soldaten, das ist seine Devise. Kinder zu töten ist nichts weiter als Verschwendung. Und Kinder sind leicht zu formen – es braucht nur ein gewisses Maß an Lob. Die Bestrafungen können andere übernehmen.
Grade als der Ork zu einer Antwort ansetzt, wird das Tuch vor dem Zelt weggeschoben und ein Angmarim Bote tritt ein. Teridax steht sofort auf und verbeugt sich leicht. Warum er das tut, bleibt dem Boten ein Rätsel. Sollte sich nicht der Bote vor dem Mann, der einige Stufen über ihm steht in der Hierarchie, verbeugen? Ahkmou bleibt derweil beleidigt sitzen aufgrund der Unterbrechung und dem Fakt, dass er niemanden töten darf.
„Einen wunderschönen guten Abend! Setzt euch und trinkt eine Tasse Tee mit uns.“ Begrüßt Teridax den Boten. Der Bote blinzelt verwirrt.
„Ehhh… danke… ich hab eine Nachricht aus Carn Dum für euch, Meister Teridax. Die Meisterin erwartet umgehend eine Antwort.“
Teridax hat derweil eine weitere Tasse mit Tee gefüllt und überreicht sie dem nun mehr als verwirrten Boten. Beide setzen sich und der Mann nimmt die sorgsam zusammengefaltete Nachricht entgegen.
Während der Bote am Tee nippt und etwas hilflos dreinschaut, grummelt Ahkmou vor sich hin. Der Ork hat den Tee bereits ausgetrunken.
Meister Teridax,
Mir ist durchaus bewusst, dass ihr mitten in der Ausbildung der versprochenen Assassinen seid, doch es hat sich eine Chance aufgetan im Breeland Fuß zu fassen. Unsere Spione berichten von einer erfolgreichen Gruppierung, die Einfluss mit Mord, Erpressung und Raub über die herrschende Gesellschaftsschicht der freien Völker ausübt.
Unser Meister befiehlt euch Kontakt zu dieser Gruppierung, die sich Mondschlangen nennt, aufzunehmen. Überzeugt sie, sich Angmar anzuschließen! Unser Meister hat Vertrauen in eure Fertigkeiten. Enttäuscht ihn nicht!
Auf eurem Weg ins Breeland solltet ihr einen Abstecher nach Fornost unternehmen. Remmenaeg vernachlässigt seine Pflicht und sollte daran erinnert werden, dass mehrere Berichte versäumt worden sind.
Hochachtungsvoll,
Mura
Teridax zieht die Augenbrauen zusammen. Wer wird sich um seine Schüler kümmern? Er geht die Liste der möglichen Kandidaten im Kopf durch und ist nicht zufrieden. Manche werden sterben – eine Riesenverschwendung! Und Teridax hasst Verschwendungen. Auf der anderen Seite ist dies ein direkter Befehl von Mordirith, wenn nicht sogar aus Mordor selbst. Das ist nie ganz aus Muras Briefen heraus zu lesen.
„Heh, ich werde den Befehl nicht verweigern, doch bitte ich darum, meine Schüler sorgsam zu behandeln. Sie brauchen noch Übung mit den Waffen und Theoriewissen über Gifte und Strategie.“ Teridax Stimme ist freundlich, doch seine Augen sagen ‚Tut ja nichts mit meinen Schülern, dass ich nicht gut heißen würde!‘. Denn wenn es etwas gibt, dass Teridax noch mehr hasst als Verschwendung, dann ist es, wenn jemand in seinen Plänen herumpfuscht! „Oh! Und Ahkmou wird mich begleiten! Nicht wahr?“
Der Holzbecher des Boten ist ausgetrunken. Er steht rasch auf und verbeugt sich.
„Ich werde es ausrichten.“ Dann ist er auch schon aus dem Zelt.
Ahkmou schaut Teridax entgeistert an.
„Was ist, mein aufbrausender Freund? Es geht nach Fornost, eine Rüstung zusammenschlagen und ins Breeland Menschen töten!“
Sofort entspannt sich der Ork wieder. Er hatte schon angenommen, er müsse mit dem Mann einen langweiligen Botengang erledigen. Dabei hatten sie noch nie einen langweiligen Auftrag erhalten. Aber er muss ja immer zuerst mit der Gesamtsituation unzufrieden sein.
Der Mann lächelt und sammelt die Becher ein. Morgen wird ein interessanter Tag.
