Der einsame Jäger
Verfasst: Mittwoch 10. Februar 2016, 18:12
Der einsame Jäger
Der am Bogen sitzende Pfeil zielte genau auf einen Hirsch, der im Wald gerade am futtern war. Der Atem des Jägers wurde angehalten und einige Sekunden waren nichts außer der Vogelmusik des Waldes zu hören. Plötzlich wurde der Pfeil losgelassen, der gespannte Bogen brachte ihn in Bewegung und der Hirsch fiel sofort tot um. Als der Jäger sich dem Kadaver des Tieres näherte, um den Pfeil aus dem Hals zu ziehen, kam ein brauner Jagdhund von hinten angerannt, der einen toten Luchs im Maul hatte. Der Jäger drehte sich um und sah zum Hund. "Da bist du ja endlich. Was hast du mir mitgebracht?". Der Hund legte das tote Tier vor dem Jäger auf dem Boden ab, setzte sich auf seine Hinterbeine und sah sein Herrchen fröhlich hechelnd an. "Ah, ein Luchs. Gut gemacht, Borro. Der wird dem alten Löwenblum reichen. Ich hoffe, dass der Hirsch ihm hier auch gefallen wird, ich habe keine Lust wieder Ärger zu bekommen.", erklärte der Jäger, ehe er sich umdrehte und seine Umhängetasche abnahm, um nach ein paar Seilen zu suchen, mit welchen er den toten Hirsch schließlich angebunden hatte und sich auf die Schulter packte. "Komm wir gehen, es wird spät und mehr Beute als das hier werden wir heute sowieso nicht mehr bekommen."
Der Jäger samt Hund schlenderten mit dem toten Getier entlang eines kleinen Baches durch den Wald, ein paar Stunden waren vergangen, als sie endlich den Wald verlassen haben und auf den Weg, der nach Bree führt, kamen. Als sie die Stadt betraten, schlugen sie sofort den Weg zum Gerber ein. An seiner bescheidenen Hütte angekommen machten sie kurz halt. Der Jäger betrachtete still schweigend den Eingang für ein paar Augenblicke, ehe er schließlich den Fuß hineinsetzte.
"Löwenblum, wir haben Tiere dabei!", rief er in die Hütte hinein als er eintrat.
Die Hütte war wie ein kleines Geschäft gestaltet. Gegenüber vom Eingang stand ein Tresen, an dem vom Löwenblum Verkäufe getätigt wurden, während auf der linken Seite des Raums einige Ausstellungsstücke von verschiedenen Pelzen und Lederarten da lagen. Das Geschäft war gut beleuchtet, an jeder Wand hing ein Kerzenständer mit mehreren Kerzen drauf, die das Licht angemessen verbreiteten. Der Rest des Raumes war mit verschiedenen Tierpräparaten wie von Elchen, Wölfen und Bären geschmückt, um die Hütte lebendiger wirken zu lassen.
Nach einigen Sekunden konnte der Jäger bereits ein Knarzen der Holzdielen vernehmen, ein alter Mann mit einem roten Unterhemd und einer hellbraunen Lederjacke kam heranstolziert. Der Mann besaß kaum Haare auf dem Kopf, jedoch umso mehr welche am Kinn. Sein grauer Bart ging ihm etwa bis zur Brust und die Falten in seinem Gesicht ließen ihn auf ein höheres Alter von etwa Sechzig Jahren aussehen.
"Was hast du mir mitgebracht, Erwod? Wieder das Gedöhns, das du mir sonst auch immer vorbei bringst? Irgendwelche Eichhörnchen und Spitzmäuse?", fragte Löwenblum den Jäger mit einer tiefen, kratzigen Stimme.
"Nein, heute hab' ich 'nen Hirsch dabei, ob du's glaubst oder nicht.", erwidert Erwod, "Und Borro hier hat einen Luchs gefangen, das könnte sicher einen guten Schal für eine junge Dame werden.".
"Ein Luchs und ein Hirsch? Was besseres konntest du mir nicht anschleppen? Junge, du vergisst, dass du noch Schulden bei mir hast, ich finanziere deine Hütte, vergiss das nicht.", antwortete der alte Gerber mit gernevtem Unterton, "Jetzt gib' schon her, den Hirsch. Warum hast du den nicht ausgeweidet?".
"Es war schon spät. Hätte ich das noch gemacht, wäre ich nicht rechtzeitig vor Abenddämmerung aus dem Wald raus gewesen.", entgegnete er ihm.
"Du bist manchmal echt zu nichts zu gebrauchen, leg mir das Vieh hinten ins Lager. Und den Luchs auch.", befahl ihm der Gerber, ehe er unter der Theke ein wenig herum wühlte und einen kleinen Beutel auf den Tresen legte. "Mach dich dann auch wieder ab, hier liegt dein Geld."
Erwod tat wie man ihm befahl und brachte die Kadaver ins Lager, der Jagdhund saß währenddessen ruhig neben der Eingangstür und wartete auf sein Herrchen. Der Jäger schnappte sich den kleinen ledernen Beutel und verschwand dann auch schließlich aus der Hütte. "Ich weiß echt nicht, wie ich diese Schulden abbezahlen soll, Borro. Er hat uns geholfen hier zu leben, aber dennoch kann ich ihn einfach nicht leiden.", murmelte er draußen zu seinem Hund, welcher mit einem einmaligen Bellen antwortete. "Ich schätze, du weißt, was ich meine, großer."
Als nächstes peilte der Jäger das Gasthaus "Zum tänzelnden Pony" an und marschierte mit seinem Begleiter dorthin. Anhand seiner schnellen Schritte konnte man erkennen, dass der Jäger noch relativ jung war. Man könnte ihn auf Anfang dreißig schätzen, wenn man sich sein Gesicht ganz genau ansieht. Er hat schulterlange braune Haare, die ungekämmt zur Seite wegfallen. Sein Vollbart sorgt dafür, dass der junge Jäger älter aussieht, als er überhaupt ist. Er trägt ein dickes, olivgrünes Baumwollhemd, das unter einer braunen Jacke sitzt. An seiner Schulter hängt eine lederne Umhängetasche, in der allerlei Jagdzeug aufbewahrt wird. Dazu trägt er noch eine braune Hose und dunkle Stiefel, die fast bis zu den Knien reichen. An einem der Stiefel ist noch ein Jagdmesser befestigt, mit dem er seine Beute normalerweise einschneidet und ausweidet. Auf dem Rücken befestigt, ist sein aus Ahornholz geschaffener Bogen zu sehen, der über den Köcher gesteckt ist.
Als das Herrchen samt Begleiter an einem der vielen Marktstände in der Stadt vorbei liefen, wurden sie plötzlich von einem Verkäufer angehalten. "He, he! Erwod, alter Freund, komm mal her!", kam es von der rechten Straßenseite. Der Jäger suchte den Ursprungsort des Rufs und peilte dann einen kleinen Marktstand an, auf welchem noch ein paar Gemüseernten ausgelegt waren. Das meiste war bereits verkauft.
"Bran, alles gut bei dir? Ich hab' dich tagelang nicht mehr gesehen, dein Stand stand leer, was war los?", begrüßte Erwod den Mann, der ungefähr demselben Alter entsprach wie er selbst.
"Ach, ich hab' mir nur 'ne Erkältung eingefangen, ich musste ein paar Tage zu Hause bleiben und mich ausruhen. Meine Frau hat für mich gesorgt.", antwortete Bran, der braune Haare hatte, die nach hinten zu einem Pferdeschwanz gebunden waren, welcher unter seiner Mütze herausguckte.
"Ach, die gute alte Gabi, wie geht's ihr? Ich hab' lang nichts mehr von ihr gehört.", fragte Erwod neugierig.
"Der geht's bestens, speiht Feuer wie immer, dieser Drache.", antwortet der Marktverkäufer belustigt, "Wie sieht's bei dir aus? Ich hab' mich seit deiner Ankunft ja noch nicht richtig mit dir unterhalten können. Musste viel arbeiten, hast du ja gesehen. Wie war's in Schlucht? Immernoch alles beim alten?".
"Alles wie gehabt, ja. Hab' ein paar neue Leute kennengelernt, war ganz nett, aber so eigentlich auch nichts weiter spannendes.", antwortete der Jäger freundlich, ehe er nach einer kurzen Stille wieder zum Reden ansetzte. "Und naja.. Ich hab eine Frau kennengelernt, die mir ganz nett zu sein schien."
Der Marktverkäufer begann plötzlich zu lachen. "Sie scheint ganz nett zu sein? Das sagst du doch zu jeder, für die du irgendein Interesse hegst! Erzähl, wer ist es? Was macht sie? Wo kommt sie her? Ich will alles wissen mein Freund!"
Erwod begann zu grinsen und erwiderte: "He, mach mal halblang, Bran! Doch nicht alles aufeinmal hier und jetzt. Ich hatte vor jetzt ins Pony zu gehen und mir ein gutes Bier einschenken zu lassen. Vielleicht kommst du nachher vorbei und wir unterhalten uns dort ein bisschen, was meinst du?"
"Eine sehr gute Idee, ich lad dich ein! Gib' mir 'ne Stunde, dann hab' ich hier aufgeräumt und komme sofort.", antwortete Bran.
"Gut, gut! Ich werde warten.", sagte Erwod bevor er sich zu seinem Hund wendete, "Komm, Borro, wir gehen.".
Der junge Jäger marschierte mit seinem tierischen Freund weiter die Straße entlang, bis er schließlich am Pony ankam und das Gasthaus betrat.
Der am Bogen sitzende Pfeil zielte genau auf einen Hirsch, der im Wald gerade am futtern war. Der Atem des Jägers wurde angehalten und einige Sekunden waren nichts außer der Vogelmusik des Waldes zu hören. Plötzlich wurde der Pfeil losgelassen, der gespannte Bogen brachte ihn in Bewegung und der Hirsch fiel sofort tot um. Als der Jäger sich dem Kadaver des Tieres näherte, um den Pfeil aus dem Hals zu ziehen, kam ein brauner Jagdhund von hinten angerannt, der einen toten Luchs im Maul hatte. Der Jäger drehte sich um und sah zum Hund. "Da bist du ja endlich. Was hast du mir mitgebracht?". Der Hund legte das tote Tier vor dem Jäger auf dem Boden ab, setzte sich auf seine Hinterbeine und sah sein Herrchen fröhlich hechelnd an. "Ah, ein Luchs. Gut gemacht, Borro. Der wird dem alten Löwenblum reichen. Ich hoffe, dass der Hirsch ihm hier auch gefallen wird, ich habe keine Lust wieder Ärger zu bekommen.", erklärte der Jäger, ehe er sich umdrehte und seine Umhängetasche abnahm, um nach ein paar Seilen zu suchen, mit welchen er den toten Hirsch schließlich angebunden hatte und sich auf die Schulter packte. "Komm wir gehen, es wird spät und mehr Beute als das hier werden wir heute sowieso nicht mehr bekommen."
Der Jäger samt Hund schlenderten mit dem toten Getier entlang eines kleinen Baches durch den Wald, ein paar Stunden waren vergangen, als sie endlich den Wald verlassen haben und auf den Weg, der nach Bree führt, kamen. Als sie die Stadt betraten, schlugen sie sofort den Weg zum Gerber ein. An seiner bescheidenen Hütte angekommen machten sie kurz halt. Der Jäger betrachtete still schweigend den Eingang für ein paar Augenblicke, ehe er schließlich den Fuß hineinsetzte.
"Löwenblum, wir haben Tiere dabei!", rief er in die Hütte hinein als er eintrat.
Die Hütte war wie ein kleines Geschäft gestaltet. Gegenüber vom Eingang stand ein Tresen, an dem vom Löwenblum Verkäufe getätigt wurden, während auf der linken Seite des Raums einige Ausstellungsstücke von verschiedenen Pelzen und Lederarten da lagen. Das Geschäft war gut beleuchtet, an jeder Wand hing ein Kerzenständer mit mehreren Kerzen drauf, die das Licht angemessen verbreiteten. Der Rest des Raumes war mit verschiedenen Tierpräparaten wie von Elchen, Wölfen und Bären geschmückt, um die Hütte lebendiger wirken zu lassen.
Nach einigen Sekunden konnte der Jäger bereits ein Knarzen der Holzdielen vernehmen, ein alter Mann mit einem roten Unterhemd und einer hellbraunen Lederjacke kam heranstolziert. Der Mann besaß kaum Haare auf dem Kopf, jedoch umso mehr welche am Kinn. Sein grauer Bart ging ihm etwa bis zur Brust und die Falten in seinem Gesicht ließen ihn auf ein höheres Alter von etwa Sechzig Jahren aussehen.
"Was hast du mir mitgebracht, Erwod? Wieder das Gedöhns, das du mir sonst auch immer vorbei bringst? Irgendwelche Eichhörnchen und Spitzmäuse?", fragte Löwenblum den Jäger mit einer tiefen, kratzigen Stimme.
"Nein, heute hab' ich 'nen Hirsch dabei, ob du's glaubst oder nicht.", erwidert Erwod, "Und Borro hier hat einen Luchs gefangen, das könnte sicher einen guten Schal für eine junge Dame werden.".
"Ein Luchs und ein Hirsch? Was besseres konntest du mir nicht anschleppen? Junge, du vergisst, dass du noch Schulden bei mir hast, ich finanziere deine Hütte, vergiss das nicht.", antwortete der alte Gerber mit gernevtem Unterton, "Jetzt gib' schon her, den Hirsch. Warum hast du den nicht ausgeweidet?".
"Es war schon spät. Hätte ich das noch gemacht, wäre ich nicht rechtzeitig vor Abenddämmerung aus dem Wald raus gewesen.", entgegnete er ihm.
"Du bist manchmal echt zu nichts zu gebrauchen, leg mir das Vieh hinten ins Lager. Und den Luchs auch.", befahl ihm der Gerber, ehe er unter der Theke ein wenig herum wühlte und einen kleinen Beutel auf den Tresen legte. "Mach dich dann auch wieder ab, hier liegt dein Geld."
Erwod tat wie man ihm befahl und brachte die Kadaver ins Lager, der Jagdhund saß währenddessen ruhig neben der Eingangstür und wartete auf sein Herrchen. Der Jäger schnappte sich den kleinen ledernen Beutel und verschwand dann auch schließlich aus der Hütte. "Ich weiß echt nicht, wie ich diese Schulden abbezahlen soll, Borro. Er hat uns geholfen hier zu leben, aber dennoch kann ich ihn einfach nicht leiden.", murmelte er draußen zu seinem Hund, welcher mit einem einmaligen Bellen antwortete. "Ich schätze, du weißt, was ich meine, großer."
Als nächstes peilte der Jäger das Gasthaus "Zum tänzelnden Pony" an und marschierte mit seinem Begleiter dorthin. Anhand seiner schnellen Schritte konnte man erkennen, dass der Jäger noch relativ jung war. Man könnte ihn auf Anfang dreißig schätzen, wenn man sich sein Gesicht ganz genau ansieht. Er hat schulterlange braune Haare, die ungekämmt zur Seite wegfallen. Sein Vollbart sorgt dafür, dass der junge Jäger älter aussieht, als er überhaupt ist. Er trägt ein dickes, olivgrünes Baumwollhemd, das unter einer braunen Jacke sitzt. An seiner Schulter hängt eine lederne Umhängetasche, in der allerlei Jagdzeug aufbewahrt wird. Dazu trägt er noch eine braune Hose und dunkle Stiefel, die fast bis zu den Knien reichen. An einem der Stiefel ist noch ein Jagdmesser befestigt, mit dem er seine Beute normalerweise einschneidet und ausweidet. Auf dem Rücken befestigt, ist sein aus Ahornholz geschaffener Bogen zu sehen, der über den Köcher gesteckt ist.
Als das Herrchen samt Begleiter an einem der vielen Marktstände in der Stadt vorbei liefen, wurden sie plötzlich von einem Verkäufer angehalten. "He, he! Erwod, alter Freund, komm mal her!", kam es von der rechten Straßenseite. Der Jäger suchte den Ursprungsort des Rufs und peilte dann einen kleinen Marktstand an, auf welchem noch ein paar Gemüseernten ausgelegt waren. Das meiste war bereits verkauft.
"Bran, alles gut bei dir? Ich hab' dich tagelang nicht mehr gesehen, dein Stand stand leer, was war los?", begrüßte Erwod den Mann, der ungefähr demselben Alter entsprach wie er selbst.
"Ach, ich hab' mir nur 'ne Erkältung eingefangen, ich musste ein paar Tage zu Hause bleiben und mich ausruhen. Meine Frau hat für mich gesorgt.", antwortete Bran, der braune Haare hatte, die nach hinten zu einem Pferdeschwanz gebunden waren, welcher unter seiner Mütze herausguckte.
"Ach, die gute alte Gabi, wie geht's ihr? Ich hab' lang nichts mehr von ihr gehört.", fragte Erwod neugierig.
"Der geht's bestens, speiht Feuer wie immer, dieser Drache.", antwortet der Marktverkäufer belustigt, "Wie sieht's bei dir aus? Ich hab' mich seit deiner Ankunft ja noch nicht richtig mit dir unterhalten können. Musste viel arbeiten, hast du ja gesehen. Wie war's in Schlucht? Immernoch alles beim alten?".
"Alles wie gehabt, ja. Hab' ein paar neue Leute kennengelernt, war ganz nett, aber so eigentlich auch nichts weiter spannendes.", antwortete der Jäger freundlich, ehe er nach einer kurzen Stille wieder zum Reden ansetzte. "Und naja.. Ich hab eine Frau kennengelernt, die mir ganz nett zu sein schien."
Der Marktverkäufer begann plötzlich zu lachen. "Sie scheint ganz nett zu sein? Das sagst du doch zu jeder, für die du irgendein Interesse hegst! Erzähl, wer ist es? Was macht sie? Wo kommt sie her? Ich will alles wissen mein Freund!"
Erwod begann zu grinsen und erwiderte: "He, mach mal halblang, Bran! Doch nicht alles aufeinmal hier und jetzt. Ich hatte vor jetzt ins Pony zu gehen und mir ein gutes Bier einschenken zu lassen. Vielleicht kommst du nachher vorbei und wir unterhalten uns dort ein bisschen, was meinst du?"
"Eine sehr gute Idee, ich lad dich ein! Gib' mir 'ne Stunde, dann hab' ich hier aufgeräumt und komme sofort.", antwortete Bran.
"Gut, gut! Ich werde warten.", sagte Erwod bevor er sich zu seinem Hund wendete, "Komm, Borro, wir gehen.".
Der junge Jäger marschierte mit seinem tierischen Freund weiter die Straße entlang, bis er schließlich am Pony ankam und das Gasthaus betrat.