Hasenzeit
Verfasst: Donnerstag 3. Dezember 2015, 17:10
Kapitel 1 - Zu Gast in Quellenburg
„Hase, wo willst du hin?“ sagte Schalotte in gewohnt scharfem Ton als ich die Türklinke umfasste und mich aufmachte, das Smial zu verlassen. Ich seufzte innerlich und wendete mich ihr zu.
„Ich muss nur noch mal schnell in den Laden, Maus. Es dauert höchstens eine Stunde.“ sagte ich und setzte mein höflichstes Lächeln auf.
„ Das trifft sich ausgezeichnet. Bring mir doch bitte etwas grünen Garn mit wenn du schon da bist. Und bleib nicht so lange. Ich koche uns gleich etwas zu Abend.“ sagte sie und wedelte drohend mit dem Zeigefinger.
„ Auch das noch..ähem…ich meine..natürlich Maus. Das mache ich doch gerne. Und natürlich beeile ich mich. Du kennst mich doch.“ erwiederte ich in beschwichtigendem Ton, öffnete sacht die Tür und setzte einen Fuß nach draußen.
„ Filbu Buchsbaum. Natürlich kenne ich dich. Deswegen sag ich es ja.“ fügte Schalotte noch hinzu und verschwand zügigen Schrittes in die Wohnstube des Buchsbaumsmials.
Die Haustür fiel leise klackernd ins Schloss. Der kalte Herbstwind schlug mir, begleitet von einigen rot und gelb gefärbten Herbstblättern, entgegen. Eiligst zog ich die Kapuze meines grünen Umhangs tief in mein Gesicht und verließ die Siedlung auf schnellstem Wege. An der ersten Wegkreuzung hielt ich inne und blickte, die Nase rümpfend, zu dem schief stehenden Wegweiser der von einer Laterne angeleuchtet wurde. Ich würde wohl eine Beschwere schreiben müssen, dachte ich mir. Der Pfahl des Wegweisers stand schon seit mehreren Tagen schief. Irgendwer musste sich doch schließlich darum kümmern.
Dann folgte mein Blick abwechselnd den pfeilartigen Schildern des Wegweisers. Links nach Lindholz und damit zum „Grünen Faden“. Geradaus nach Wegscheid und Michelbinge. Rechts ging es unter anderem nach Quellenburg. Unschlüssig verweilte ich einen Augenblick, entschied mich dann aber den Weg nach rechts einzuschlagen.
Just in dem Moment als ich mich in Bewegung setzen wollte, sah ich das Licht einer Laterne aus Wegscheider Richtung entgegenkommen. Im Laternenschein blitzte die Uniform eines Grenzers auf.
„Auch das noch“. entfuhr es mir und ich hielt inne. Als der Grenzer nur noch wenige Schritte von mir entfernt war grüßte ich mit erhobener Hand.
„Guten Abend der Herr. Alles in bester Ordnung? Was für ein schöner Abend…nicht wahr?“ sagte ich etwas überschwänglich um mich im nächsten Moment innerlich für mein Geschwätz zu schimpfen. Hatte ich gerade von einem schönen Abend gesprochen? Wie auf Befehl gesellten sich die ersten Regentropfen zu dem kalten Wind. Der Grenzer blickte irritiert nach oben.
„ Seid ihr sicher dass ihr den heutigen Abend meint? Oder versteht ihr wohl etwas anderes unter einem „schönen Abend“? sagte der ältere Herr und blickte mit ernster Miene zu mir rüber.
„ Nun ja. Das Wetter scheint gerade urplötzlich umzuschlagen. In Lindental hatten wir gerade noch Sonnenschein.“ erwiderte ich und zuckte mit den Achseln.
Der Grenzer zog die Augenbrauen nach oben und schüttelte ungläubig den Kopf.
„Sonnenschein? Gerade eben? Werter Herr es ist schon seit zwei Stunden dunkel. Seid ihr sicher das es euch gut geht?“ fragte der Grenzer und kam ein paar Schritte näher.
„ Ach. Schon zwei Stunden ist das her? Wie schnell die Zeit manchmal vergeht. Mein Großvater sagt immer…Filbu…Filbu…Filbu…sagt er immer….“
Der Grenzer winkte ab und fiel mir ins Wort.
„Schon gut. Ich bin mir sicher euer Großvater sagte mehr als nur euren Namen. Seid ihr Herr Buchsbaum? Der Schneider?“ fragte er und hielt seine Laterne höher um mein Gesicht besser in Augenschein nehmen zu können.
„Ähem..jaja der bin ich wohl. Und ich bin etwas in Eile. Ich muss dringend in meinen Laden. Kundschaft. Möchte die Dame ungern warten lassen.“ log ich und setzte mich zögernd in Bewegung.
Der Grenzer lies die Laterne wieder sinken und blickte skeptisch zu dem Wegweiser.
„ Herr Buchsbaum. Seid ihr sicher dass ihr gerade den richtigen Weg einschlagt? Ich dachte euer Laden wäre in Lindholz.“ gab der Grenzer zu bedenken
Ich blieb abrupt stehen und wendete mich um. Dann ging ich schnurstracks in die entgegengesetzte Richtung und dankte mit einem Kopfnicken für den Hinweis.
„ Wo hab ich heute nur meine Gedanken. Vielen Dank für den Hinweis. Gute Nacht und sichere Wege wünsche ich.“
„ Sichere Wege“ antwortete der Grenzer und schüttelte ungläubig den Kopf. Dann setzte er seinen Heimweg fort und dachte an sein wohlverdientes Abendessen.
Für einige Minuten war es still an der Wegkreuzung. Ein paar Herbstblätter schienen einen wilden Tanz aufzuführen während der Regen immer stärker wurde und sich erste Pfützen auf dem unebenen Kopfsteinpflaster bildeten. Dann huschte urplötzlich eine Gestalt durch den Lichtschein der Laterne und entschwand in Quellenburger Richtung.
Einige Zeit später stand ich vor dem Ortseingang der Siedlung. Es war gleich das erste Smial auf der linken Seite das ich ansteuerte. Ein riesiger Baum, der einen furchterregenden Eindruck erweckte, zierte den kleinen Garten der Behausung. Es schien als würde er mich genau beobachten, um mir bei Bedarf eins mit seinen langen Ästen überzubraten.
Weitere sonderbare Gegenstände standen in dem recht unordentlich und ungepflegt wirkenden Garten herum. In einem kleinen Teich spiegelte sich...nein…eigentlich spiegelte sich darin gar nichts. Würden sich die Regentropfen nicht in dem Wasser abzeichnen hätte ich den Tümpel kaum als solchen erkannt. Neugierig setzte ich einen Schritt an den steinernen Rand des kleinen Teiches und beugte mich leicht über. Plötzlich bewegte sich etwas an der Wasseroberfläche. Oder auch nicht? Ich war mir sicher eine Bewegung gesehen zu haben und beugte mich nun noch etwas weiter vor. Plötzlich legte sich eine Hand auf meine Schulter und ließ mich vor Schreck zusammenzucken. Ich fing an, abwehrend, mit den Händen umherzufuchteln und verlor den Halt auf dem nassen Stein. Bevor ich im Wasser aufschlug hörte ich noch…“Herr Buchsbaum…“. Dann wurde es nass und still um mich herum.
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„Hase, wo willst du hin?“ sagte Schalotte in gewohnt scharfem Ton als ich die Türklinke umfasste und mich aufmachte, das Smial zu verlassen. Ich seufzte innerlich und wendete mich ihr zu.
„Ich muss nur noch mal schnell in den Laden, Maus. Es dauert höchstens eine Stunde.“ sagte ich und setzte mein höflichstes Lächeln auf.
„ Das trifft sich ausgezeichnet. Bring mir doch bitte etwas grünen Garn mit wenn du schon da bist. Und bleib nicht so lange. Ich koche uns gleich etwas zu Abend.“ sagte sie und wedelte drohend mit dem Zeigefinger.
„ Auch das noch..ähem…ich meine..natürlich Maus. Das mache ich doch gerne. Und natürlich beeile ich mich. Du kennst mich doch.“ erwiederte ich in beschwichtigendem Ton, öffnete sacht die Tür und setzte einen Fuß nach draußen.
„ Filbu Buchsbaum. Natürlich kenne ich dich. Deswegen sag ich es ja.“ fügte Schalotte noch hinzu und verschwand zügigen Schrittes in die Wohnstube des Buchsbaumsmials.
Die Haustür fiel leise klackernd ins Schloss. Der kalte Herbstwind schlug mir, begleitet von einigen rot und gelb gefärbten Herbstblättern, entgegen. Eiligst zog ich die Kapuze meines grünen Umhangs tief in mein Gesicht und verließ die Siedlung auf schnellstem Wege. An der ersten Wegkreuzung hielt ich inne und blickte, die Nase rümpfend, zu dem schief stehenden Wegweiser der von einer Laterne angeleuchtet wurde. Ich würde wohl eine Beschwere schreiben müssen, dachte ich mir. Der Pfahl des Wegweisers stand schon seit mehreren Tagen schief. Irgendwer musste sich doch schließlich darum kümmern.
Dann folgte mein Blick abwechselnd den pfeilartigen Schildern des Wegweisers. Links nach Lindholz und damit zum „Grünen Faden“. Geradaus nach Wegscheid und Michelbinge. Rechts ging es unter anderem nach Quellenburg. Unschlüssig verweilte ich einen Augenblick, entschied mich dann aber den Weg nach rechts einzuschlagen.
Just in dem Moment als ich mich in Bewegung setzen wollte, sah ich das Licht einer Laterne aus Wegscheider Richtung entgegenkommen. Im Laternenschein blitzte die Uniform eines Grenzers auf.
„Auch das noch“. entfuhr es mir und ich hielt inne. Als der Grenzer nur noch wenige Schritte von mir entfernt war grüßte ich mit erhobener Hand.
„Guten Abend der Herr. Alles in bester Ordnung? Was für ein schöner Abend…nicht wahr?“ sagte ich etwas überschwänglich um mich im nächsten Moment innerlich für mein Geschwätz zu schimpfen. Hatte ich gerade von einem schönen Abend gesprochen? Wie auf Befehl gesellten sich die ersten Regentropfen zu dem kalten Wind. Der Grenzer blickte irritiert nach oben.
„ Seid ihr sicher dass ihr den heutigen Abend meint? Oder versteht ihr wohl etwas anderes unter einem „schönen Abend“? sagte der ältere Herr und blickte mit ernster Miene zu mir rüber.
„ Nun ja. Das Wetter scheint gerade urplötzlich umzuschlagen. In Lindental hatten wir gerade noch Sonnenschein.“ erwiderte ich und zuckte mit den Achseln.
Der Grenzer zog die Augenbrauen nach oben und schüttelte ungläubig den Kopf.
„Sonnenschein? Gerade eben? Werter Herr es ist schon seit zwei Stunden dunkel. Seid ihr sicher das es euch gut geht?“ fragte der Grenzer und kam ein paar Schritte näher.
„ Ach. Schon zwei Stunden ist das her? Wie schnell die Zeit manchmal vergeht. Mein Großvater sagt immer…Filbu…Filbu…Filbu…sagt er immer….“
Der Grenzer winkte ab und fiel mir ins Wort.
„Schon gut. Ich bin mir sicher euer Großvater sagte mehr als nur euren Namen. Seid ihr Herr Buchsbaum? Der Schneider?“ fragte er und hielt seine Laterne höher um mein Gesicht besser in Augenschein nehmen zu können.
„Ähem..jaja der bin ich wohl. Und ich bin etwas in Eile. Ich muss dringend in meinen Laden. Kundschaft. Möchte die Dame ungern warten lassen.“ log ich und setzte mich zögernd in Bewegung.
Der Grenzer lies die Laterne wieder sinken und blickte skeptisch zu dem Wegweiser.
„ Herr Buchsbaum. Seid ihr sicher dass ihr gerade den richtigen Weg einschlagt? Ich dachte euer Laden wäre in Lindholz.“ gab der Grenzer zu bedenken
Ich blieb abrupt stehen und wendete mich um. Dann ging ich schnurstracks in die entgegengesetzte Richtung und dankte mit einem Kopfnicken für den Hinweis.
„ Wo hab ich heute nur meine Gedanken. Vielen Dank für den Hinweis. Gute Nacht und sichere Wege wünsche ich.“
„ Sichere Wege“ antwortete der Grenzer und schüttelte ungläubig den Kopf. Dann setzte er seinen Heimweg fort und dachte an sein wohlverdientes Abendessen.
Für einige Minuten war es still an der Wegkreuzung. Ein paar Herbstblätter schienen einen wilden Tanz aufzuführen während der Regen immer stärker wurde und sich erste Pfützen auf dem unebenen Kopfsteinpflaster bildeten. Dann huschte urplötzlich eine Gestalt durch den Lichtschein der Laterne und entschwand in Quellenburger Richtung.
Einige Zeit später stand ich vor dem Ortseingang der Siedlung. Es war gleich das erste Smial auf der linken Seite das ich ansteuerte. Ein riesiger Baum, der einen furchterregenden Eindruck erweckte, zierte den kleinen Garten der Behausung. Es schien als würde er mich genau beobachten, um mir bei Bedarf eins mit seinen langen Ästen überzubraten.
Weitere sonderbare Gegenstände standen in dem recht unordentlich und ungepflegt wirkenden Garten herum. In einem kleinen Teich spiegelte sich...nein…eigentlich spiegelte sich darin gar nichts. Würden sich die Regentropfen nicht in dem Wasser abzeichnen hätte ich den Tümpel kaum als solchen erkannt. Neugierig setzte ich einen Schritt an den steinernen Rand des kleinen Teiches und beugte mich leicht über. Plötzlich bewegte sich etwas an der Wasseroberfläche. Oder auch nicht? Ich war mir sicher eine Bewegung gesehen zu haben und beugte mich nun noch etwas weiter vor. Plötzlich legte sich eine Hand auf meine Schulter und ließ mich vor Schreck zusammenzucken. Ich fing an, abwehrend, mit den Händen umherzufuchteln und verlor den Halt auf dem nassen Stein. Bevor ich im Wasser aufschlug hörte ich noch…“Herr Buchsbaum…“. Dann wurde es nass und still um mich herum.
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