Jadeblume Handschlag (RP)
Verfasst: Freitag 11. Juli 2014, 23:10
Jadeblume beginnt Ihren Rucksack mit den nötigsten Gegenständen zu packen. Das alte Kleid, das sie immer bei Ihrer Feldarbeit auf Vaters Haferguter Hof trug, knüllt sie etwas lieblos zusammen und legt es nach ganz unten. Darauf die wichtigsten Gegenstände des alltäglichen Lebens. Und schließlich das wertvollste oben auf – eingewickelt in ein altes Tuch befindet sich das alte Tintenfass Ihres Ur-Großvaters Bariton Tuk (die nördliche Linie).
Jahrzehntelang hatte es auf dem Kaminsims gestanden und die Farbe war lange schon eingetrocknet. Und doch konnte sie ihren Blick nicht davon lassen. Als eines Tages ein fahrender Händler vorbeikam und auch Tinte und Gänsekiel zum Schreiben dabei hatte, kratzte sie ihr Erspartes zusammen und erwarb neben diesen Dingen auch einige Blätter alten Pergaments. Doch nun war guter Rat teuer - sie fühlte sich wie jemand, dem man ein Pferd an die Hand gab, aber niemand war da, der Ihr helfen konnte aufzusteigen. Traurig berichtete sie Ihrer Großtante Vanilla, zu der sie immer schon ein besonderes Verhältnis hatte, von Ihren Sorgen und bekam ein zärtliches Lächeln als Antwort: „Wenn Du es Deinem Vater nicht erzählst, bringe ich Dir das Schreiben gerne bei“
Und so lernte sie Tag für Tag, Monat für Monat bis sie schließlich nicht nur schreiben, sondern auch die meisten Bücher, die sich am Ort fanden (und das waren recht wenig) lesen und studieren konnte. Doch damit nahm das Unheil aus der späteren Sicht Ihrer Eltern ihren Lauf und irgendwann ließ es sich nicht vermeiden, dass sie dahinter kamen, dass Ihre Tochter sich mehr für Buchstaben als für die Früchte des Feldes interessierte. Vor allem Ihr Vater war darüber sehr verärgert und er betrachtete sie fortan mit Argwohn.
Ständig gingen Jadeblume die gelesenen Geschichten durch den Sinn und als sie eines Tages ein Buch mit dem Titel „Altes aus alter Zeit“ bei einem Händler erwarb, war ihre Neugier vollends entfacht. Sie begann sich immer mehr für die Geschichte des Auenlandes zu interessieren und begriff zusehends, dass sie ihrem Wissensdrang hier nicht weiter nachgehen konnte.
Eines Tages kam ein Wanderer aus dem Süden und sofort stürzte sie sich mit ihren Fragen auf ihn. Sie erfuhr vom Mathomhaus in Michelbinge und von der Bibliothek in Buckelstadt und es dauerte nicht lange, bis in Ihr der Entschluss reifte, sich auf den Weg in den Süden zu machen. Vielleicht könnte sie an dem ein oder anderen Ort eine Anstellung bekommen. Sie würde sich mit wenig zufrieden geben, aber sie musste es versuchen. Als Ihre Großtante, die für sie bis zuletzt eine Mentorin war, im Frühjahr im Alter von 105 Jahren starb, nahm sie allen Mut zusammen und gestand den Eltern ihr Vorhaben. Vater schimpfte wie wie nie zuvor: „Das kommt nur von diesem vermaledeiten Tukblut in Deinen Adern - und Deine Mutter ist schuld.“ Mutter hingegen wurde still und nickte stumm.
So legt Jadeblume schließlich die Heilsalbe, die Mutter Ihr gegeben hatte, als letztes in den Rucksack, verschnürt ihn fest und verlässt ihre alte Heimstadt mutigen Schrittes. Mutter steht vor der Tür, nimmt sie noch einmal in den Arm und drückt sie so fest wie sie kann. Mit einem Kuss auf die Stirn nimmt sie mit den Worten Abschied: „Du schaffst das Kind, ich bin mir sicher“
Ihr Weg führt sie vorbei an Vaters Feldern, doch als er sie sieht, wendet er sich ab und so geht sie schweren Herzens weiter Ihren Weg Richtung Süden, weit über das Gründfeld bis sie schließlich nach einem langen Tagesmarsch Dachsbauten erreicht. Dort nimmt sie sich ein Zimmer im Gasthaus „Pflug und Sterne“ und will sich gerade zur Ruhe begeben als sie Musik und ein vielfältiges Stimmengewirr von den tiefer gelegenen Händlerständen vernimmt. Neugierig rafft sie Ihr Kleid und macht sich auf zum gerade stattfindenden Sommer-Markt. Ein schöner Abend, an dem sie Herrn Buchsbaum kennenlernt, der Ihr verspricht, ein gutes Wort für sie in der Bibliothek in Buckelstadt einzulegen. Ein Anfang ist gemacht.
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Jahrzehntelang hatte es auf dem Kaminsims gestanden und die Farbe war lange schon eingetrocknet. Und doch konnte sie ihren Blick nicht davon lassen. Als eines Tages ein fahrender Händler vorbeikam und auch Tinte und Gänsekiel zum Schreiben dabei hatte, kratzte sie ihr Erspartes zusammen und erwarb neben diesen Dingen auch einige Blätter alten Pergaments. Doch nun war guter Rat teuer - sie fühlte sich wie jemand, dem man ein Pferd an die Hand gab, aber niemand war da, der Ihr helfen konnte aufzusteigen. Traurig berichtete sie Ihrer Großtante Vanilla, zu der sie immer schon ein besonderes Verhältnis hatte, von Ihren Sorgen und bekam ein zärtliches Lächeln als Antwort: „Wenn Du es Deinem Vater nicht erzählst, bringe ich Dir das Schreiben gerne bei“
Und so lernte sie Tag für Tag, Monat für Monat bis sie schließlich nicht nur schreiben, sondern auch die meisten Bücher, die sich am Ort fanden (und das waren recht wenig) lesen und studieren konnte. Doch damit nahm das Unheil aus der späteren Sicht Ihrer Eltern ihren Lauf und irgendwann ließ es sich nicht vermeiden, dass sie dahinter kamen, dass Ihre Tochter sich mehr für Buchstaben als für die Früchte des Feldes interessierte. Vor allem Ihr Vater war darüber sehr verärgert und er betrachtete sie fortan mit Argwohn.
Ständig gingen Jadeblume die gelesenen Geschichten durch den Sinn und als sie eines Tages ein Buch mit dem Titel „Altes aus alter Zeit“ bei einem Händler erwarb, war ihre Neugier vollends entfacht. Sie begann sich immer mehr für die Geschichte des Auenlandes zu interessieren und begriff zusehends, dass sie ihrem Wissensdrang hier nicht weiter nachgehen konnte.
Eines Tages kam ein Wanderer aus dem Süden und sofort stürzte sie sich mit ihren Fragen auf ihn. Sie erfuhr vom Mathomhaus in Michelbinge und von der Bibliothek in Buckelstadt und es dauerte nicht lange, bis in Ihr der Entschluss reifte, sich auf den Weg in den Süden zu machen. Vielleicht könnte sie an dem ein oder anderen Ort eine Anstellung bekommen. Sie würde sich mit wenig zufrieden geben, aber sie musste es versuchen. Als Ihre Großtante, die für sie bis zuletzt eine Mentorin war, im Frühjahr im Alter von 105 Jahren starb, nahm sie allen Mut zusammen und gestand den Eltern ihr Vorhaben. Vater schimpfte wie wie nie zuvor: „Das kommt nur von diesem vermaledeiten Tukblut in Deinen Adern - und Deine Mutter ist schuld.“ Mutter hingegen wurde still und nickte stumm.
So legt Jadeblume schließlich die Heilsalbe, die Mutter Ihr gegeben hatte, als letztes in den Rucksack, verschnürt ihn fest und verlässt ihre alte Heimstadt mutigen Schrittes. Mutter steht vor der Tür, nimmt sie noch einmal in den Arm und drückt sie so fest wie sie kann. Mit einem Kuss auf die Stirn nimmt sie mit den Worten Abschied: „Du schaffst das Kind, ich bin mir sicher“
Ihr Weg führt sie vorbei an Vaters Feldern, doch als er sie sieht, wendet er sich ab und so geht sie schweren Herzens weiter Ihren Weg Richtung Süden, weit über das Gründfeld bis sie schließlich nach einem langen Tagesmarsch Dachsbauten erreicht. Dort nimmt sie sich ein Zimmer im Gasthaus „Pflug und Sterne“ und will sich gerade zur Ruhe begeben als sie Musik und ein vielfältiges Stimmengewirr von den tiefer gelegenen Händlerständen vernimmt. Neugierig rafft sie Ihr Kleid und macht sich auf zum gerade stattfindenden Sommer-Markt. Ein schöner Abend, an dem sie Herrn Buchsbaum kennenlernt, der Ihr verspricht, ein gutes Wort für sie in der Bibliothek in Buckelstadt einzulegen. Ein Anfang ist gemacht.
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