Ein schicksalhafter Tag - oder der Umzug ins Südviertel

Geschichten aus Tolkiens Welt vom Herrn der Ringe und anderen Werken.
Lilydalia
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Ein schicksalhafter Tag - oder der Umzug ins Südviertel

Ungelesener Beitragvon Lilydalia » Dienstag 19. September 2017, 18:13

Lilydalia Flinkfuß, von allen nur kurzerhand Lily genannt, wuchs in wohlbehüteten Verhältnissen, und ohne Geschwister, im schönen Michelbinge auf. Sie führte bisher ein sorgenfreies Leben, und konnte sich, schon in sehr jungen Jahren, ihrem liebsten Hobby, dem Blumenkränzchen flechten, voll und ganz widmen, welches sie mit großer Freude bis heute noch betreibt. Im Grunde hätte alles so bleiben können, wäre da nicht noch diese andere Leidenschaft gewesen: das Laufen, und ich meine damit nicht das schnelle Gehen sondern das Rennen! Während nämlich andere Bewohner des Auenlandes, gemäßigten Schrittes durch Michelbinge daher bummelten, raste Lily an ihnen vorbei in einer Geschwindigkeit, als ginge es um Leben und Tod. Natürlich sehr zum Ärger ihrer Nachbarn, die überhaupt kein Vertändnis für ein derartig unsinniges Verhalten aufbringen konnten. Wo sollte das bitte schön hinführen, wenn jeder in so einem Tempo umherlaufen würde? Kopfschüttelnd starrten ihr die anderen Hobbits hinterher, und es kam wie es kommen mußte: Es hagelte Beschwerden bei den Eltern der inzwischen jungen Dame! Es wurden reichlich Fragen gestellt, sehr unangenehme Fragen, wie zum Beispiel, warum die Kleine denn so rennen würde und obendrein noch ständig? Ob es möglicherweise daran liegen würde, dass sie von Angst angetrieben wurde, denn Lily war schon immer ein bißchen ängstlich und das wußten natürlich alle, oder ob sie vor hätte einfach ihrem Nachnamen alle Ehre zu machen?

Es wurde gespottet und gelacht, was das Zeug hielt, und sogar erzählt, dass Lily eines Tages alleine bleiben würde, falls sie weiterhin so rennen würde, denn immerhin müßte sich erstmal jemand finden, der in so einem Tempo hinter ihr herlaufen könnte, ohne dazu auf ein Reittier steigen zu müssen, und das war bekanntlich nicht Jedermans Sache. In dieser Geschwindigkeit würde sie mit Sicherheit jeden möglichen Verehrer abhängen, sofern überhaupt einer auftauchen würde. Immerhin hätte nicht jeder interessierte Hobbit den Ergeiz und die nötige Kondition, seiner lauffreudigen Angebeten ständig im rasanten Eiltempo hinterherzujagen. Wobei ohnehin zu bedenken sei, die meisten Hobbits interessieren sich nunmal nicht für wildes Herumrennen, sondern eher für weniger hektische Sportarten, wie dem Angeln oder ähnlichen Aktivitäten. Davon mal abgesehen, sollte sich die junge Dame doch nun wirklich lieber um wichtigere Dinge kümmern, wie dem Kochen zum Beispiel, wurde Herrn und Frau Flinkfuß vorgeworfen. Es war einfach unerträglich, täglich so viele Beschwerden entgegen zu nehmen, obendrein noch aus der Nachbarschaft.

Unabhängig davon, ob sich Lily überhaupt für hinterherlaufende, oder nicht hinterherlaufende Hobbits interessiert, da sie bisher ohnehin viel zu schnell verlegen wurde in Gegenwart männlicher Gesellschaft, kam es schließlich zu dem schicksalhaften Tag und einer ausgesprochen unschönen Unterhaltung zwischen ihr und ihrem Vater, der kurzerhand beschloß, so könnte es nicht weiter gehen, denn immerhin hatten die Flinkfußens einen Ruf zu verlieren. Schließlich wollten sie nicht zum Gespött der Leute werden, weil ihre einzige Tochter diesen „Fimmel“ hatte, und außerdem mußte Lily langsam mal den Ernst des Lebens erkennen und selbständig werden. Es mußte unbedingt eine Lösung her, das stand nunmal fest, und da ihre ratlosen Eltern Lily diesen Unfug nicht austreiben konnten, gaben sie ihre Tochter in die Obhut der ältesten Tochter von Barnfeld Bierheber, der schon immer ein einfacher, aber bodenständiger Hobbit zu seinen Lebzeiten gewesen ist, und es immerhin geschafft hatte seine beiden Töchter, Nounini und Beljadonna Bierheber, zu selbständigen jungen Hobbitdamen zu erziehen, die durchaus in der Lage waren, ihr eigenes Smial zu bewohnen und nicht solche Flausen im Kopf hatten. Zumindest war das die Meinung von Lily's Eltern, und da sie mit den Bierhebers schon immer gut befreundet gewesen waren, stellte diese Möglichkeit die ideale Lösung dar, zumal eine der beiden Töchter im Südviertel lebte, wo bekanntlicher Weise, einige autoritäre Hobbits ansässig waren, die diesem Firlefanz sicherlich Einhalt gebieten könnten.

Es folgte ein tränenreicher, wirklich dramatischer Abschied, woraufhin die junge Lily bedröppelt und gesenkten Hauptes, ihres Weges zog, um sich ins Südviertel zu begeben, geradewegs in die idyllische Gänseblümchenschlucht, in der Nounini Bierheber wohnte. Diese erwartete sie schon freudestrahlend, da sie gerne Gesellschaft hatte und endlich den ganzen Tag jemanden bekochen konnte. Das Kochen war Nounini's große Leidenschaft, was immerhin bedeutete, die beiden würden schon mal nicht entfetten, und die grundlegenden Dinge wären damit geregelt. Aber dennoch, ob die Entscheidung, die ansonsten eher scheue und zurückhaltende Lily in die Obhut von so einem „Tempramentsbündel“ wie Fräulein Bierheber zu geben, nun wirklich die richtige war, bleibt zu bezweifeln. Immerhin sieht Nounini die Dinge eher von der einfachen Seite, sagt was sie denkt, plappert drauflos, was ihr gerade so in den Sinn kommt und schlägt auch ungebetene Besucher, falls notwendig, mit Kochgeschirr, wie zum Beispiel Bratpfannen in die Flucht. Man munkelt sogar, dass sie bei einer dieser „Bratpfannen-Attacken“ schon mal einen Unfall erlitten hätte, der mit einer schrecklichen Beule und einem zeitweiligen Gedächtnisverlust endete. Der genaue Hergang ist nicht bekannt, und auch über den Grund wird geschwiegen, jedoch behauptet ein Augenzeuge, Fräulein Bierheber hätte im Eifer der Attacke, durch den Schwung des Schlages, die Balance verloren und sich aus Versehen selbst mit der Pfanne am Kopf getroffen, woraufhin die unglückselige Dame bewußtlos zu Boden sank. Spricht man die Betroffene darauf an, streitet sie ab, sich an diesen Vorfall erinnern zu können mit den Worten: „Hömma, dat is doch alles Unsinn, mitte Pfanne selbst auffe Birne haun, sowat mach ich nich! Die is doch zum brutzeln für die Töftens un so, dat weiß doch Jeder!“.

Ob also die derzeitigen Lebensumstände ein vernünftigeres Verhalten bei Fräulein Flinkfuß fördern, bleibt deshalb abzuwarten. Positiv anzumerken ist jedoch, dass sie weiterhin stets höflich und freundlich zu anderen Hobbits ist und einen sehr eleganten Knicks nach wie vor beherrscht. Auch hat sie sich inzwischen, seit ihrem Umzug ins Südviertel, diesen „Lauf-Fimmel“ abgewöhnt, was immerhin ein Anfang ist...

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