Eine Heimkehr in die Fremde

Geschichten aus Tolkiens Welt vom Herrn der Ringe und anderen Werken.
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Tobbo
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Eine Heimkehr in die Fremde

Ungelesener Beitragvon Tobbo » Sonntag 9. Juli 2017, 10:02

Gemächlich schritt er die Straße von Wegscheid gen Südviertel entlang, begleitet vom monotonen Klacken der Hufe seines Ponys. Über ihm der blaue Himmel und unter die ihm die Straße heimwärts, ein Weiler Namens Hasenwies, wenn er sich recht erinnerte.

"Sieh mal Isa, dort unten haben wir uns kennen gelernt. Du warst noch ein junges Fohlen und ich ein verwegener Hobbit der ein Rennen gewinnen wollte. Dahinter... was meinst du, hat jemand mal nach meinem Haus gesehen? Bestimmt quillt der Briefkasten über vor Post."

Isabella, schnaubt leise, während Tobbo durch ihre Mähne streichelt, einen kurzen Blick auf den großen Berg aus Andenken werfend. Schilde, zwei Stühle, ein altes Schwert, ein geschnitzter Fuchs aus Lorien und vieles mehr. Das wertvollste war aber zweifellos die Truhe gefüllt mit Pergammenten, gefüllt mit Karten, Zeichnungen, Notizen und Erinnerungen.

"Hast recht. Der Staub wird mir mindestens bis zur Hüfte gehen und von meinem Garten... nun, ein wilder Wald hat ja auch seine reize. Wie der alte Wald damals in meiner Kindheit. Wie lange waren wir jetzt unterwegs? Waren es fünf Jahre? Oder vielleicht sechs? Ha, ich weiß nichteinmal genau wie alt ich bin."

Hinter einer Kurve erschien das Zelt des Hobbit Schreiberlings, welcher immer einen wachen Blick auf die Bewohner und Grundstücke des Südviertels hatte.

"Ich wär auch gern länger unterwegs gewesen. Schau mich nicht so an, ich freue mich auch wieder hier zu sein. Geregelte Mahlzeiten und anständige Hobbits, welche ihre Prioritäten richtig zu setzen wissen. Aber komm, erinnerst du dich denn nicht an die Abenteuer die wir in Moria hatten? Oder das saftige Gras in Rohan?"

Mit schneller schlagendem Herzen tratt er vor Andi Dachsbau, welcher ihn und sein beladenes Pony neugierig in Augenschein nahm.

"Einen schönen guten Tag, Andi. Was macht das Südviertel? Wie steht es um mein Haus?"

"Einen schönen Tag auch, der Herr. Euer Haus...? Ihr kommt mir bekannt vor... aber ich kann euer Gesicht nicht ganz zuordnen. Und ist das dort an eurem Gürtel ein Schwert? Ihr seid doch nicht auf Ärger aus, ich bin jederzeit bereit, die Landbüttel zu rufen!"

Abwehrend hob Tobbo die Hände. "Gemach, gemach. Das ist nur ein Mathom. Eine kleine Erinnerung an überstandene Fährnisse. Mein Name ist Tobbo Goldschopf und ich bin im besitz eines Hauses. Ich bin vielleicht nicht der respektabelste Hobbit, aber meine Intentionen sind friedlicher Natur. Ich möchte nur nach Hause und mich von den Strapazen erholen."

"Ein Abenteuerer. So...so." Herr Dachsbau betrachtete ihn immer noch skeptisch. "Herr Goldschopf. Nun lasst mir einen moment um in meiner Liste nachzuschauen." Andi schlug ein dickes Buch auf und Blätterte schnell bis zum Buchstaben G. Dort fuhr er mit dem Finger die Liste entlang und murmelte Namen. "Tobbo Goldschopf, ehemals wohnhaft Hasenwies, Eggenstraße 6. Für verstorben erklärt vor fünf Jahren." Er schaute auf und nickte.

"Öhm. Da fehlen mir die Worte. Ich bin verstorben - das ist jetzt ein Scherz, oder nicht?"

Andi schob ihm das Buch unter die Nase und deutete auf die entsprechende Zeile. Schwarz auf weiß stand dort das vorgelesene. Mit ein paar kleinen weiteren Notizen.

"Das kommt jetzt etwas unerwartet. Wie ihr eindeutig sehen könnt, entspricht das nicht den Tatsachen."

"Es sei denn ihr seid ein Hochstapler, aus den Notizen hier geht hervor, das Herr Goldschopf recht wohlhabend war und eine feine Höhle besaß."

"HEY! Ich bin Herr Goldschopf. Ich werde doch wohl wissen wer ich bin! Was ist nun aus meinem Haus geworden?"

"Nehmen wir an, ihr seid wer ihr behauptet – seid euch versichert, ich werde diesen Vorfall den Landbütteln melden - lasst mich nachsehen. Ja, das Haus wurde verkauft, genauso wie die Möbel. Einige Andenken gingen zusammen mit dem Gold zu gleichen Teilen nach Hafergut, zu einem gewissen Fräulein Lilyani Goldschopf und nach Bockland, zu Herrn Merilsam Goldschopf."

"Wie bitte, jetzt bin ich nicht nur tot, mein Haus gibt es auch nicht mehr?" Tobbo hielt sich leicht wankend an seinem Pony fest und atmete ein paar mal tief ein und aus. "So habe ich mir meine Rückkehr wahrlich nicht vorgestellt. Was mache ich denn nun? Ich hatte gehofft, endlich mal wieder in meinem Bett zu schlafen und... und.. und.... Das ist alles ein schlechter Scherz."

"Meine Bücher sind immer korrekt. Wenn ihr nun doch nicht verstorben seit, meinen herzlichen Glückwunsch. Das Haus könnt ihr freilich nicht wiederhaben. Es ist schließlich bewohnt. Aber.. ich könnte euch vielleicht eine Alternative anbieten. Wir hätten unteranderem.." Andi schlug eine andere Seite im Buch auf, auf der die zu verkäuflichen Smials standen" "... ein Drei-Zimmer-Smial im Weiler Lindholz. Direkt das Wasser überblickend. Ein herrlicher Ort zum Angeln. Appropos, ein Angelladen gibt es hier auch in der Nähe. Zwei mittlere Zimmer und ein Großes. Man könnte es schon als Saal bezeichnen. Nur sieben Gold und es gehört ihnen. Sehr beschauliche Siedlung und das Smial der Gemeinschaft Südviertel ist auch gleich die Straße runter."

"Ich bin immer och etwas überwältigt. Sieben Gold? Da muss ich nicht einmal nachschauen." Tobbo wühlte für einen Moment in einer der vielen Taschen: "Soviel führe ich gerade nicht mehr bei mir. Könnt ihr das Smial für mich reservieren? Ich bin sicher, ich kann in ein paar Tagen das Gold auftreiben."

"Es ziehen ja nicht täglich Hobbits hierher, es wird sicher noch ein paar Tage frei sein. "Auftreiben" – ihr klingt etwas zwielichtig. Ich hoffe doch sehr, ihr sprecht von einer ehrlichen Arbeit! Bevor ihr weiterzieht, möchte ich kurz einige Daten richtig stellen. So sie durch eine Authoritätsperson bestätigt werden." Andi griff sich einen Bogen Papier und setzte mit einer Feder an: "Familie? Alter?"

"Ich bin.. hmm.. ich glaube 38 Jahre alt. Meine Eltern sind Mardoc und Clarabell Goldschopf, geboren und aufgewachsen Bockland. Ich habe zwei Geschwister, einen älteren Bruder, Merilsam und meine kleine Schwester Lilyani."

"Ungefähr – das erweckt kein Vertrauen!" Andi schüttelte skeptisch den Kopf: "Nun, sei es wie es sei. Beruf?"

"Ich muss gestehen, ich kann derzeit mit keinem zu Diensten sein. Ich bin gereist, müsst ihr wissen. Hab Karte gezeichnet. Ich könnte..."

"Nein, nein. Das tut hier nichts zur Sache, was ihr könntet. Dann notiere ich mal "Gelehrter mit abenteuerlichem Hintergrund". Das könnt ihr später ja noch ändern lassen."

Nach dem kurzem Geplänke verabschiedte sich Tobbo zunächst und wanderte zurück in die Richtung, aus der er kam, nur das er nach Michelbinge abbog. Im "Adler und Kind", dem hiesiegen Gasthaus quartierte er sich in ein Zimmer ein und ließ sich grübelnd an einen Tisch fallen. Seufzend zog er einen Bogen Papier aus de dem Gepäck und setzte an:

"Liebe Lilyani,

du wirst es nicht glauben. Ich bin es, dein Tobbo. Jah, ich bin gar nicht verstorben, sondern war nur auf Reisen. Ich hätte nicht mit dieser Rückkehr gerechnet und bin mir jetzt nicht sicher, was ich dir schreiben soll. Ich bin es wirklich, soviel ist sicher! Erinnerst du dich noch an unsere Ausflüge in den alten Wald? Bei einem trafen wir auf einen Wolf und ich wollte ihn mit einem geschickten Steinwurf vertreiben, Es hatte ihn provoziert und er hätte uns junge Hobbits sicher verspeist, wenn du nicht einen Stock gegriffen hättest und auf ihn eingedroschen. Das haben wir nie zuhause erzählt.
Du wohnst jetzt in Hafergut? Das ist ja nicht gerade um die Ecke, ich hatte gehofft, dich und Meril gleich besuchen zu können. Und Mutti und Vati natürlich auch... nur wie mache ich das, ohne das sie vor Schreck tot umfallen? Du bist ja inzwischen auch volljährig, was machst du derzeit? Bist du verheiratet?
Wie du ja sicher leider weißt, hat ma mein Haus und meine Möbelversteigert. Nun habe ich nicht mehr genug um mir ein Neues kaufen zu können. (Mein Gold war schließlich im Haus!) Kannst du mir bitte aus der Klemme helfen? Ich frage gar nicht gern, aber ich kann ja auch nicht für immer im "Adler und Kind" wohnen.
Wenn ich etwas ausgeruhte bin und meine Notizen gesichtet habe, werde ich dir ausführlich von meinen Abenteuern berichten, versprochen!

Dein dich liebender großer Bruder,
Tobbo Goldschopf"

Unzufrieden schaute er auf den schäbigen Brief in seiner Hand, zuckte mit den Schultern und faltete ihn zusammen. Hoffentlich war der Post-Schnelldienst noch immer so schnell wie damals.

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Einige Tage später, Tobbo saß wie sooft im Schankraum bei einer kräftigen Zwischenmalzeit, erhielt er ein Antwortschreiben. Ein kurzer Brief, welcher an einigen Stellen deutlich von Tropfen verschmiert war und einen dicken, klimpernden Beutel.

"Lieber Tobbo,

ich wusste immer, dass es dir gut geht. Immer! Ich bin trotzdem jubelnd (und weinend) von der Post nach Hause gelaufen. Ich möchte alles von deiner Reise hören! Wie geht es dir? Hast du immer genug zu essen gehabt? Wo warst du überall? Hast du mir etwas mitgebracht? Ich hab dich schrecklich vermisst! Du musst daheim unbedingt erzählen, dass du wieder da bist. Geh einfach hin, unsere Eltern sind robuste Hobbits, die werden schon nicht gleich umfallen. Naja, Papa vielleicht schon, aber Mama ist eiche echte Brandybock. Die ist Abenteuer ihrer Kinder doch gewöhnt.
Ich bin jetzt Grenzerin oben in Hafergut. Das ist ein wirklch schöner Beruf, den ganzen Tag ganz ich draußen umherstreifen. Manchmal helfe ich auch im Nordhüttinger Hof aus. Mama fragt auch jeden Monat, ob ich verheiratet bin und wann sie Enkel erwarten darf. Jeden Monat. Ich würde ja, aber hey, ich nehm auch nicht den Erstbesten.
Ich habe dir einen Beutel mit Münzen beigelegt, der sollte deine Ausgaben erstmal decken. Wenn du mehr benötigst, schreib mir. (Schreib mir so oder so, am besten, du kommst mich besuchen!)
Ich habe mich kurz gefasst, ich möchte dir ja schnell etwas Gold zukommen lassen. Ist im Grunde genommen ja auch dein Gold.

Liebe Grüße,
Lilyani"



Er sollte ihr sofort Antworten, sobald er einen Fuß in sein neues Haus gesetzt hatte.
Lächelnd vertaute Tobbo seine Besitztümer wieder auf dem Rücken von Isabella und machte sich auf den Weg zu Andi Dachsbau. Dort überreichte er diesem die ensprechende Summe.
Ein paar Formalitäten später marischierte Tobbo auch schon nach Lindholz, einen Schlüßel und einen Streifen Papier mit der Adresse darauf in der Hand.
Eine malerische Siedlung erstreckte sich vor ihm, ein gepflegter Weg, welcher sich an den unterschiedlichesen Smials vorbeischlängelte, hinunter zu einem klaren Gewässer. Auf der Bachuferstraße bog er nach rechts ab, wie ihn Andi angewisen hatte. Nur ein kleiner Fußmarsch später, stand er vor einem heimeligen Smial.

"Bachuferstraße 1. Das ist es. Bis hierher sah es doch wirklich gut aus, hoffentlich sind die Nachbarn so freundlich, wie ihre Gärten aussehen. Wilkommen in unserem neuen Zuhause, Isa!"

Mit diesen Worten stieß er das Tor und schritt voran.

((OOC: Für konstriktive Kritik bin ich zu haben!))

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Zwei Goldschöpfe, Teil I

Ungelesener Beitragvon Tobbo » Mittwoch 12. Juli 2017, 15:48

"Vorsicht mit der Ecke! Ich brauche nun wirklich nicht auch noch Kratzer im Bettpfosten. Schlimm genug, dass jemand es unten am Fluss hat fallen lassen.", wies Tobbo die Helfer des Schreiners an, welche ihm sein neues Bett lieferten. Ein schweres, robustes Möbelstück aus Auenlandeiche.
Die anderen Hobbits murrten leise, während sie das Bett weiter die Bachuferstraße entlang trugen.

"Da gibt es nichts herumzumaulen. Ich bin mir der Tatsache durchaus bewusst, das es ein gewisses Zutun meinerseits bei diesem Vorfall gab. Es ist jedoch gleich geschafft. Nur noch ein paar Schritte!"

Unter Tobbos strengem Blick wuchteten die Hobbits das Bett den letzten Meter zum Gartentor hinauf.

"Einen schönen guten Tag die Herren. Ihr könnt es dort stehen lassen, ich bin mir sicher Herr Goldschopf und meine Wenigkeit können es selbst an seinen zukünftigen Platz befördern." ertönte eine Stimme von hinten.

Erschrocken fuhr Tobbo herum, um dem Hobbit gewahr zu werden, welcher inerhalb seinens Grundstückes an den Zaun gelehnt stand, eine Pfeife in der Hand und einen ernsten Gesichtsausdruck aufgesetzt. Wie auch Tobbo hatte er blondes Haar und blaue Augen, die Gesichtszüge jedoch deutlich schärfer geschnitten. Er trug ein locckeres rot-weißes Hemd und eine dazu passende Hose.

Eine Augenbraue hochziehend erwiederte er: "Ich hätte es erwarten sollen. Sie hat's ausgeplaudert?"

"Hast du deine Manieren im Ausland verloren? Hier begrüßt man sich für gewöhnlich zunächst. Wo deine Umgangsformen doch sogar eine deiner stärkeren Seiten waren."

Mit einem lachen sprang Tobbo über den Zaun und schloß den Hobbit in die Arme: "Einen schönen Tag auch dir. Ich freue mich wirklich, dich wieder zu sehen. Du hast dich überhaupt nicht verändert."

Meril, dessen voller Name eigentlich Merilsam lautet, schloß seinen kleinen Bruder auch fest in seine Arme. Nachdem sich die beiden nach einigen Sekunden wieder trennten, betrachtete er Tobbo von oben bis unten: "Das kann ich von dir nicht gerade behaupten. Ich meine, du hattest damals etwas mehr um die Mitte. Deine Kleidung habe ich auch etwas... pompöser in Erinnerung. Toller Hut."

"Danke, aber du musst mir nicht erzählen, wie exellent ich aussehe, dessen bin ich mir vollauf bewusst! Da draußen ist oft von großem Vorteil, sich etwas bedeckter zuhalten. Ist auch wesentlich robuster als meine frühere Gewandung. Entschuldige mich kurz, ich verabschiede schnell die Träger"

Tobbo wandte sich den etwas den Trägern zu und drückte jedem etwas Silber in die Hand. Nach einer kurzen Verabschiedung machten sie sich auf den Rückweg.

"Das war ein Fehler, jetzt ist das Bett hier draußen, statt im Smial zu stehen, wie es sich für ein anständiges Bett gehört. Na komm, bringen wir es hinter uns."

Gemeinsam stellten sie das Bett quer und trugen es den Gartenweg entlang.

"Ja, du hattest Recht, Lily hat mir eine kurze Nachricht geschrieben. Es war nicht gleich versändlich, was sie genau im Sinn hatte – du kennst sie doch, war wahrscheinlich dabei am herumtanzen in ihrer Behausung. Hat keinen Namen geschrieben, es ging eher in Richtung "Er ist wieder da." in dieversen Variationen. Zumindest deine Adresse war dabei und nach etwas Grübelei war mir klar, das sie nur dich meinen konnte. Ich hab gleich meinen Rucksack genommen, unsere Speisekammer geplündert und mich auf den Weg hierhergemacht. Du hättest aber auch erstmal wieder ins Bockland ziehen können. Unsere Eltern hätten sich sicher gefreut."

"Die wissen es aber noch nicht, oder?" Merilsam schüttelte auf Tobbos Frage den Kopf, während sie das Möbelstück durch die Tür schoben: "Gut, das ist gut. Ich wollte persönlich bei ihnen vorbeischauen und es ihnen sagen. Ich hoffe nur, die Überraschung hat sie nicht zu sehr um. Ich hätte dort bestimmt wohnen können... aber ich hatte vor an damals anzuknüpfen. Hör ich da heraus, du hast hier etwas zu essen dabei. Möglicherweise ein paar dieser köstlichen Blaubertörtchen, die du früher oft gebacken hast?"

"Das, und vieles mehr! Ich war so frei, mir Zutritt zu deinem Haus zu verschaffen und hab die Feuerstelle angeheizt. Da wartet ein knusprig gebratenes Huhn auf uns, zusammen mit einem deftigen Kartoffeltopf, ein Fässchen Weidenwinder, das ich unterwegs im "Goldenen Barsch" gekauft habe. Dazu noch dieverse Käse, Würste, Brot, Pasteten, Törtchen... . Nun, niemand soll sagen, ich lasse meinen kleinen Bruder verhungern. Und deine Kochkünste waren zumindest damals eher mittelmäßig. Wohin soll das Bett? Und warum hast du dir ein nasses Bett gekauft?"

"Auf dem Weg war ein Fluss und der wie du dir sicher vorstellen kannst, ist der ganz schön nass. Dann kam eines zum anderen und nun ist das Bett es eben auch. Drüben, im Nachbarzimmer. Man, du bist wirklich der Beste. Dann schlage ich vor, wir bringen das hier noch rüber und machen uns dann daran, diese Köstlichkeiten nicht weiter verkommen zu lassen!"

Nicht so ungeduldig, da ich nicht wusste, wann du kommst, ist es noch nicht ganz durch. Wenn ich koche, gibt es keine halbfertigen Dinge. Soso, eines kam zum anderen? Du hast es also geschafft, das Bett, das du offensichtlich nichteinmal mitgetragen hast, über das Brückengeländer zu befördern? Warum frage ich überhaupt. Ein Wunder, das du noch an einem Stück bist, bei deinen zwei linken Füßen. Wie schaffst du es eigentlich, ein so fantastischer Tänzer zu sein, wo du doch kaum zehn Schritte am Stück geradeauslaufen kannst?"

Tobbo würdigte merils Fragen nur mit einer heraugestreckten Zunge und einem schiefen Grinsen. Mit einem letzten Ächzen schoben sie das Bett in eine Ecke und wandten sich wieder dem Hauptraum zu.

"Sag mal Tobbo, du hast deinen Smial aber nicht in diese düsteren Farben gestrichen? Hier muss etwas helles, belebendes hinein! Ansonsten ist es in gutem Zustand, deine Einrichtung ist noch etwas schlicht, aber vielleicht hast du dich ja an ein so bescheidenes Leben gewöhnt."

"Haha. Ich bin noch nicht dazu gekommen, es wirklich wohnlich herzurichten. Du kannst mir ja helfen, ein paar meiner Matthoms zu verteilen, das gibt dem Ganzen einen etwas wohnlicheren Touch. Den Berg hast du ja sicher drüben im Nebenzimmer liegen sehen."

"Ein paar Objekte schaffen wir vor dem Essen sicher noch. Ach übrigens, wusstest du, dass du hier Mäuse hast? Da solltest du beim einrichten einer Speisekammer darauf achten."

"Mäuse? Wirklich?" Tobbo sstöhnte auf.

"Lass mich raten. Du hast den Smial erworben, ohne ihn vorher zu besichtigen? Vollen Preis bezahlt, wo du ihn hättest sicher runterhandeln können? Ich mein, du musst noch neu streichen und deine Mitbewohner werden sicher nicht von alleine verschwinden."

Mit beiden Händen fuhr sich Tobbo durch die Haare und nickte langsam.

"Jah. So ist es, aber nun ist es geschehen, lass uns lieber weitermachen. Das passiert mir auch immer wieder.... . Zu meiner Verteidungung, ich hab in den letzten Jahren nur sehr wenige Häuser erworben."
Grinsend wandte sich Merilsam den aufgestapelten Matthoms zu und griff aus einer mit Eisenverstrebungen verstärkten Truhe eine Pergamentrolle und roltle sie vorischtig auf.

"Hmm Caras Galadhon. Sehr schön gezeichnet. Dafür hattest du schon immer ein Talent. Wo liegt das? Östlich von Bree?"

"Das kann man so sagen. Irgendwo ist auch eine Karte, auf der ich viele der detallierteren Karten zu einer großen zusammen gefasst habe. Caras Galadhon ist in Lothlorien.. ähmm. Das wird dir auch nicht viel sagen. Wenn du von Bree aus weiter nach Osten ziehst, kommt irgendwann ein großer Gebirgszug, auf der anderen Seite dessen liegt Lothlorien. Das ist ein großer Wald, mit weißen Bäumen mit goldenen Blättern, sogenannten Mallorn-Bäumen. Dort leben Elben, in Baumhäusern."

"Das ist also... sehr weit weg? Ich wäre in Bree wohl spätestens umgekehrt. Du bist schon ein komischer Hobbit. Wie lange warst du dort? Und bist du über das Gebirge drüber geklettert oder gibt es einen Weg drum herum?"

"Ein paar Wochen werden es schon gewesen sein. Mit Hin- und Rückweg zusammengerechnet wahrscheinlich mehrere Monate. Man hat die Zeit dort etwas vergessen, aber so konnte ich diese detallierten Karten zeichnen. Man wollte mich auch erst gar nicht reinlassen, also die Elben in ihren Wald. Ich musste erst ausführlich klar machen, das ich ein ehrbarer Hobbit bin und nichts in der Pastete versteckt habe, wie man so schön sagt. Weder noch. Das Gebirge ist etwas höher als die Berge bei im Breeland und nicht halb so begehbar. Ich bin durch das Gebirge gewandert!"


"Durch, du meinst durch eine Höhle? "

"Stell dir das ganze wie das Brandyschloß vor. Nur seeehr viel größer und nicht annähernd so gemütlich. Es ist düster, kalt und ganz schön schmutzig. Die Zwerge nennen das ganze Moria und haben das anscheinend auch erbaut. Sie sind seit kurzem wieder dabei, es neu zu besiedeln und haben mich die weiteste Strecke durchgeführt. Die Höhlen, wobei Höhlen ein mickriges Wort dafür ist, besser die.. die unterirdischen Hallen sind wirklich sehr beeindruckend, geradezu einschüchternd. Draußen ist's schöner aber ich bin froh, sie gesehen zu haben."

Der skeptische Gesichtsausdruck von Merilsam sprach Bände. Er wollte gerade zu einer Erwiederung ansetzen, da hob Tobbo auch schon eine Hand um ihn zu unterbrechen.

"Du hälst mich für verrückt, das ist mir klar. Es enspricht trotzdem der Wahrheit! Weiter unten ist auch eine Karte aus Moria. Und die.."Tobbo deutete auf eine Trommel, welche unter einer großen Vase stand: ".. stammt auch von dort. Die habe ich den Zwergen abgekauft und die haben sie den Orks entrungen."

"Du wirst mich bestimmt nicht anflunkern, aber dir sollte klar sein, das dir viele Hobbits sehr skeptisch dabei begegnen werden. Die meisten Hobbits halten uns schon für sonderlich, weil wir aus dem Bockland stammen. Du setzt der Vogelscheuche noch die Krone auf. Nur wenige Hobbits reisen bis Bree, noch viel weniger darüber hinaus. Du bist mein Bruder und ich kenne dich nicht als Lügner, an deiner Stelle würde ich aber damit rechnen, das die meisten dem ablehnend gegenüberstehen." Er klopfte Tobbo mit einem Lächeln auf die Schulter. "Nichts desto trotz, ich freue mich schon darauf, viele Geschichten zu hören. Eine tolle Abenteuergeschichte am abendlichen Kamin ist immer ein wilkommener Zeitvertreib. Insbesondere, wenn man diese nicht selbst erleben muss!"

"Du warst schon immer ein Langwei.. ein ganz respektabler, bodenständiger Hobbit! Du kannst gut kochn - von mir aus auch ausgezeichnet – und bist ein hart arbeitender Bauer. Nicht jeder von uns kann solch ausgezeichnete Qualitäten haben. Ich hingegen bin die Art von Hobbit, die vor vielen hundert Jahren das Bockland besiedel hat, sich in das unbekannte begeben hat, neue Horizonte erforscht! Ich bin der Stoff, aus dem Legenden sind!", deklarierte Tobbo mit glühenden Augen, sich mit der Faust bei den letzten Worten auf die Brust klopfend.

Darauf hin fingen die beiden Brüder laustark an zu lachen, bis sie sich mit Tränen in den Augen und nach Atem ringend wieder soweit gesammelt hatten, sich wieder ihrer Arbeit zu widmen. Nach und nach hängten sie die diversen Karten an den Wänden auf, immer wieder unterbrochen von Merilsams Fragen und Tobbos immer auschweifenderen Antworten. Nachdem sie zumindest einen Raum geschafft hatten, unterbrachen sie ihre Arbeit um die mitgebrachten Speisen zu verzehren.
Da ein Tisch noch nicht vorhanden war, setzten sie sich vor die Feuerstelle und gossen sich großzügig das Bier Weidenwinder Art ein.

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Zwei Goldschöpfe, Teil 2

Ungelesener Beitragvon Tobbo » Montag 24. Juli 2017, 23:01

„...Hoch die Krüge und im Bunde
feiern wir die frohe Kunde,
das Leben muss dich nämlich nehmen,
nehmen wie du bist....."

Sangen sie zweistimmig und lautstark.

"Auf deine Heimkehr, kleiner Bruder!"

"Auf die Heimkehr!"

Scheppernd ließen Tobbo und Meril ihre Krüge zusammenstoßen, das Bier großzügig verspritzend. Vor ihnen ein Berg von leeren Tellern, Schüsseln und verschiedengroßen Töpfen.

"Hey, erinnerst dich noch, wann wir das letztemal soviel Weidenwinder getrunken haben?" fragte Tobbo, während er sich erschöpft auf dem Boden ausstreckte.

"Hmm ja. Kurz vor deiner Abreise. Ich dachte am nächsten Morgen, du hast den Weg mal wieder nicht nach Hause gefunden, nachdem du am Morgen nicht da warst."

Tobbo schnaubte in sein Bierkrug hinein: „So ungefär wars ja dann auch. Hat mich nurn paar Jahre gebraucht wieder hierher zu finden. An den Zwerg, mit dem wir zusammen saßen erinnerst du dich auch noch?“

„Ja. Zusammensaßen ist milde formuliert. War der nicht auf einer „glorreichen Mission“, sich durch das Auenland zu trinken? Hast du den nochmal wieder gesehen? Hat aber gut Harfe gespielt… trotz der vielen Biere, das muss ich gestehen.“

„Bluryd Harfenklang, du sagst es. Harfe… wir haben noch ne Weile dort gesessen, nachdem du schon auf dein Zimmer bist. Hat von den Ered Luin erzählt und von sonem einsamen Berg weit im Osten, wo er herkommt. Dann hat er mir fest in die Augen gesehen und gesagt, er läd mich auf nen Bier bei sich ein, weil wir ja nun so gute Freunde sein, nach dem Abend und all den Krügen. Seine Geschichten klangen unglaublich. Wasser bis zum Horizont. Landschaften, die auch im Sommer voller Schnee und Eis sind. Ich geb zu es hat mich neugierig gemacht. Ich wollte schon immer sehen, was auf der anderen Seite der Hecke ist“

„Dafür hätte ein Spaziergang gereicht... Ihr seid dann gleich noch in der Nacht los? Einfach so?“

„Fast, wir gleich aufgebrochen, aber nach Westen. Haben nicht weit von Stadel am Wegesrand geschlafen – jaa, ich weiß was du sagen willst, wir hätten auch einfach im „Goldenen Barsch“ schlafen können – und sind dann weiter zum Südviertel. Zu meinem alten Haus. Ich habe ein paar Kleidungsstücke in einen Rucksack geworfen, einen Umhang angelegt und soviel Essen wie noch hineingepasst hat mitgenommen. Dann ging es auf nach Bree. Ein Pony kaufen und noch so dies und das.“

„Du bist gar nicht allein gereist? Das beruhigt mich zu hören. Jetzt bist du zwar schon wieder heil hier, aber dennoch, die Welt dort draußen ist leider kein Hobbitgarten und einen Zwerg dabei zu haben hält einem sicher Ärger vom Leib.“

„Das denkst du, er hat überall Streitereien vom Zaun gebrochen… „ Tobbo schmunzelte etwas: „Ich verullke dich nur, Bluryd hatte immer ein sehr zivilsiertes Auftreten. Hätte fast ein Hobbit sein können, wenn er nicht den Bart hätte und immer ein Kettenhemd an. Bis Moria sind wir zusammen gereist. Also… bis auf die andere Seite von Moria. Allein wäre ich dort nur ungern durchmaschiert. Beim erstenmal jedenfalls. Er hat sogar ein Lied über mich gesungen, zumindest.. mach dir selbst ein Bild.“

Man hat sogar ein Lied über mich gesungen!“

Tobbo erhob sich und setzte mit erstaunlich klarer Stimme an.
"Es war einst ein Krieger, mit strohblondem Haar,
der saß am Feuer,den Becher voll Met!
Er strahlte und prahlte, was er schon geleistet,
zehn Riesen, geschlagen mit bloßer Faust!
Laut lachten die andern und riefen ihm zu,
beweis das im Nu, zeig uns deine Kraft, deinen Mut, dein Geschick!

Heb hoch dieses Faß mit goldenem Met,
auf das wir sie sehen, die Stärke von dir!
Er tat wie geheißen, doch nichts geschah,
so hob er den Becher und tauchte ihn ein.
Er trank das Faß leer und grinste dabei,
seht her und staunt, das ganze Faß trag ich nun mit mir rum!

Hol raus dies, aus Becken, gefüllt voller Glut!
Ein Messser sie warfen hinein in das Feuer,
und johltem dabei, als die Funken hoch flogen.
Schnell griff er zu und konnt es erwischen,
viel schneller noch, als er konnte fluchen.
Siegessicher blickte er auf, das Messer erhoben und stolz darauf.

Und jetzt zeig uns wie geschickt du kannst springen,
von diesem Tisch zu jenem dortin der Ecke!
Er ging zu dem anderen und zog ihn heran,
auf das diese Lücke kaum zwei Fuß betrug
und dann sprang er mit einem Satz hinüber,
den Schalk in den Augen, den Met in der Hand.

Laut fluchten die andern, wie er sie gelöst.
Er tratt hinaus, aus lauter Tavern, in die Nacht.
Da sang weit weg ein Vogel sein einsames Lied,
Der Krieger sprang voller schrecken auf und zurück,
dabei rutschte er aus, zu schwach, sich zu halten,
an der Tür zur Tavern und landete, mit dem Haupte voraus, in einem Haufen voll Mist.“


„Ha, das klingt wirklich nach dir. Nicht überall ganz zusammenpassend, aber er hat's bestimmt nicht nüchtern ersonnen. Na dann: Auf Bluryd!“

„Auf Bluryd, möge er noch weit Reisen.“

Sie schwangen die Tassen erneut durch die Luft und prosteten sich zu.

„Du Meril, bevor ich gar nicht mehr geradeaus schauen kann – obwohl das Bier hier etwas schwäscher ist als ich es in Erinnerung hab – lass mich dir ein Idee vortragen!“

Meril machte eine einladende Geste mit seinem Krug.

„Weist, ich bin kein Bauer, alsso das war ich nie und ich weiss auch nicht ob ich jemals diese Diszplin haben werde. Früh aufstehen, den gansen Tag aufm Acker ackern...“Tobbo gluckste in sich hinein: „… ich kans ausporbiern, aber wascheinlich werd ich nich in deine Fussstabfen treten. Ich kann gud zeichnen und schreibn, aber ich weis nicht obs da genug für mich su tun gibt um den gansen Tag su tun suhaben. Also di weist schon, so als Beruf. Also hab ich die letsen Meilen darüber nachgedacht, was ich noch könnte. Als Gelderwerb. Kann ja nicht aus Lily's Tasche leben. Nenene…. Ne!“ energisch schüttelte Tobbo den Kopf.
„Lilly…. Ich hade gehofft, sie da drausen wiederzufinden. Leider nicht geschafft. Hast du in den letzden Jarhn was von ihr gehört?“

„Lily? Öhm die wohnt in Hafergut, aber das wusstest das passt jetzt ja nicht wirklich zu „wiederfinden“. Oder meinst du… „ Meril schnippste nachdenklich mit dem Finger.

„...Lilly Weißblum. Weiße.. quadsch. Ein Schopf voller brauner Haare mit weißen Blumen eingeflochten, grüne Augen und was für eine Singstimme. Zusammen auf dem Sommerfest. Sie wohnd nicht mehr hier.“

„Ah, ja. Du… mhhh. Wenn du jetzt hier bleibst und nicht mehr auf reisen gehst, dann.. du wirst sicher jemand kennenlernen, mit der du zusammen alt werden kannst. Hast du nicht über diese Konsequenz nachgedacht, als du so überstürzt aufgebrochen bist?“

Tobbo schüttelte den Kopf und seufzte leise: „Hab damals gar nicht viel über Gon-- Konsequenzen nachgedacht. Ich wollde Abendeuer erleben und ich glaub, tief in meim Innern wussde ich, dass es so nichts mit ihr werden wird.“

Sie leerten ihre Krüge und Meril machte sich daran sie wieder zu füllen. Bevor er sich wieder setze, legte er noch ein paar Scheite auf das Feuer. Funkenstiebend landeten sie im Kamin. Für einen Moment war das Feuer das einzige Geräusch im Raum, die beiden Hobbits mit in den Flammen versunkenem Blick. Ein lautes Knacken schreckte sie nach einer gefühlten Ewigkeit auf ihren Gedanken auf und als hätte jemand den Befehl dazu erteilt, hoben sie beide die Becher und tranken.

„Du hast deine Idee jetzt nicht erzählt. Für eine Arbeit.“

„Ahja. Isch hab da drausen viele Leude kennen gelernt. Bluryd, Frau Cer...ähm.. Moriyane, Menschen, Elben, Zwerge. Überall welche und ich hab an vielen Orden Biere getrungen. Und Weine unso. Was meinsd du dasu, dass ich meine ein paar Briefe schreib und..“, Tobbo fuchtelte mit den Armen in der Luft herum: „.. ich würd über sie das Zeugs hier her schaffen lassn und dann verkaufn. So stell ich mir das vor.“

Merilsam nickte zustimmend: „Das klingt nach einer famosen Idee. Ich kenn da auch genau die richtigen, um dir das benötigte Kapital auszulegen! Oder hast du unterwegs ein paar Schätze eingesammelt, von dennen ich noch nichts weiß?“

Nach einem tiefen Blick in den Becher und etwas kratzen am Kopf, antwortete Tobbo: „Schädse? Jahh… für mich schon. Aber nich sum verkaufen, un ich hab nur noch etwas Gold, das mir Lily geschickt had. Aprobo Lilly… also die anere Lilly. Du has noch nichs von dir erzählz, was aus deiner Frau gewordn ist. So.. Spaphira? 'tschuldigung, bin mir nich mehr gans so sicher, ihr ward grad ers frisch vermählt.“

Merilsam senkte traurig den Kopf und schloss die Augen, das Gesicht von unangenehmen Erinnerungen verzzehrt.
„Sie hieß Sophie.“, immer leiser werdend, sprach er weiter: „Sie ist vor fünf Jahren plötzlich verstorben.“

„Oh. . . . . .“ war das einzige, das Tobbo in diesem Moment entfuhr. Er rappelte sich auf und schloss Merilsam fest in die Arme. „Das tud… ich bin sprachlos. Mein tiefsdes Beileid,. Wie gehd es dir? Woran is sie…? Gann ich was für dich tun?“

„Lass uns ein andermal darüber sprechen, bitte. Aber weißt du, durch deine Rückkehr ist die Sonne schon etwas wärmer geworden.“ Die Minuten verstrichen, während sie so dastanden.

Irgendwann drehte Meril leicht den Kopf um nach seinem Bruder zu sehen, dessen Kopf auf seine Schulter gerutscht war. Traurig lächelte er. Tobbo war eingeschlafen und atmete ruhig. Vorsichtig trug er ihn zu seinem Bett und legte ihn darauf. Dann setzte er sich daneben, den Rücken an die Kopfteil des Bettes und flüsterte: „Es geht schon etwas besser, der Anfang war wirklich hart. Jetzt wo du wieder da bist, da werden wir zusammen etwas großes aufbauen! „Brauerei Goldschopf“ oder so. Und wenn du dann mal Kinder hast – unser Schwesterchen natürlich auch – werde ich der beste Onkel sein, den du dir vorstellen kannst.“

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Tobbo
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Re: Eine Heimkehr in die Fremde

Ungelesener Beitragvon Tobbo » Mittwoch 16. August 2017, 19:40

„… und dann, mit einem lauten Rumpeln kam die halbe Decke runter! War nicht mehr ganz so stabil, wie der Herr Zwerg sich dachte. Ich konnte Isa gerade so noch mit aller Kraft festhalten, sonst wäre sie sicher in irgendein bodenloses Loch galoppiert. So war es doch, nicht wahr, Isa?“

Isa schnaubte – mit Sicherheit um ihre Zustimmung auszudrücken.

„Du nimmst ein Pony mit in eine Höhle? Das arme Tier!“ tadelte Meril.

„Was sollte ich denn ansonsten mit ihr machen? Sie an diesem ominösen Gewässer vor dem Eingang für Jahre stehenlassen?“

Gemütlichen Schrittes näherten sie sich das Trio aus Tobbo, Merilsam und Isa der Brandyweinbrücke entgegen. Meril trug seine gewöhnliche braune Weste über einem bauen Hemd und einen kleinen Rucksack, Isa beladen mit zwei Satteltaschen und Tobbo hatte sich unterwegs einen majestätischen Federhut mit breiter Krempe, in Burgunderrot gehalten. Die Gruppe hatte auf ihrem Blick durch das Auenland so manch einen kopfschüttelnden Blick auf sich gezogen. Schon von Ferne sahen sie die Gestalt, welche am Fuß der Brücke auf sie wartete. Gut gelaunt hoben die beiden Hobbits ihre Hand zum Gruß, da stürmte die junge Hobbitfrau ihnen auch schon entgegen. Auf dem Rücken trug sie einen, für einen Hobbit recht großen Schild und in der Hand einen Speer. Fast stolpernd kam sie vor ihnen zum Stehen. Einen Moment betrachtete sie Tobbo von Zehenspitze bis zur Hutfeder, dann brach ein lautes Lachen aus ihr hervor. Unter den Lachsalven waren nur undeutlich die Worte „Hut“ und „bescheuert“ zu verstehen. Noch immer lachend fiel sie Tobbo um den Hals und deckte ihn jede erreichbare Stelle mit Küssen ein. Tobbo hob sie im Gegenzug mir einer Umarmung leicht in die Luft und drehte sich einmal im Kreis, wobei er über das ganze Gesicht strahlte.

„SO habe ich es mir vorgestellt, zurück nach Hause zu kommen! Schön, dass du auch mitkommst, Lily. Jede moralische Unterstützung ist zu begrüßen! Du hast mir da draußen sehr gefehlt.“

„Du mir auch! Nach deinem Verschwinden waren die Abenteuer einfach nicht mehr das Selbe. Fad und Meril…“, sie ließ Tobbo los und umarmte auch ihren großen Bruder kurz: „… auf der anderen Hand hat einfach keinen Sinn für abenteuerliche Unterfangen.“

Merilsam hob belehrend den Finger: „Tja, einer muss ja ein respektabler Hobbit sein. Sonst bleibt vom Namen Goldschopf nach euch nur noch übrig, das wir seltsame Käuze seien, wie der Herr Beutlin drüben bei Hobbingen. Hobbits wie ihr werden noch die Grundmauern unserer Gesellschaft erodieren. Wir Goldschöpfe sind ehrenwerte Bauern, seit wir den Namen Goldschopf tragen. Das mag nur drei, beziehungsweise zweieinhalb Generationen her sein, aber das ist absolut kein Grund für den Untergang unseres Rufes als anständige Bockländer.“

Lily und Tobbo knufften sich und grinsten sich an.

„Die Zeit hier im Auenland scheint stehen geblieben zu sein. Das meiste ist so, wie es vor fünf Jahren war. Obwohl, du bist größer geworden, Lily?“

„Ohhh ja!“, stolz stellte sich Lily vor ihm auf die Zehenspitze und zog ihre Hand von ihrem Kopf zu seinem: „Ich bin fast genauso groß wie du geworden. Oben im Nordviertel nennt man mich schon die junge Bullenrasslerin!“

„Ja, ich seh’s. wenn ich dir noch eine Kiste zum draufstellen gebe, dann werden wir alle ehrfürchtig zu die aufblicken.“

Lily strecke ihm die Zunge heraus.

„Ähm, wir sollten aufbrechen, ihr wisst wie sehr Mama und Papa Wert auf pünktliche Mahlzeiten legen. Es ist noch ein ganzes Stück bis Bockenburg.“ , warf Merilsam ein und deutete demonstrativ zur Brandyweinbrücke.

So setzten sie sich wieder in Bewegung, die Hobbits vornweg, das Pony hinterher. Der diensthabende Torwächter am Eingang in der Hecke grüßte sie freundlich und ließ sie unbehelligt passieren. Nach einem strammen Marsch bat Merilsam um einen kurzen Stop und trabte zu einem am Weg liegenden Haus hinüber.

Lily beugte sich zu Tobbo und fragte mit gesenkter Stimme: „Hast du schon gehört, dass seine Sophie gestorben ist?“

„Ja, er hat es mir gegenüber kurz erwähnt, bevor wir bei mir aufgebrochen sind. Was ist passiert?“

„Es fing ganz harmlos an. Etwas husten im vorletzten Winter, ständig kalte Füße. Dann bekam sie Fieber. Nichts was er und Mama gemacht haben, hat geholfen. Sie wurde immer heißer und ich dachte schon, bald können wir Pfannenkuchen auf ihrer Stirn braten. Dann, eines Morgens war sie verstorben. Meril war am Boden zerstört und hat sich in die Küche verzogen. Dort hat er gekocht und gekocht und gekocht, bis er vor Erschöpfung umgefallen ist. Und dann wieder. Papa hat das Essen, das wir nicht schaffen konnten, rüber zu den Boffins gebracht. Die haben ja viele, hungrige Kinder und freuen sich über eine gute Mahlzeit. Zum Dank sind die Boffin-Kinder zu ihm gegangen und haben ihn mit der Zeit wieder etwas aufgemuntert. Er geht jetzt gerne bei ihnen vorbei und plaudert etwas oder bringt ihnen ein paar Kleinigkeiten zum Essen vorbei.“

„So ein Ziegenmist. Er war so glücklich mit ihr. Und er hatte sich so darauf gefreut, Vater zu werden.“

„Wollte er… . Ich hoffe er findet etwas Glück, wenn er Onkel sein kann.“

Tobbo zog fragend eine Augenbraue hoch: „Du willst damit doch nicht andeuten, das du Schwanger bist? Ich wüsste nicht, ob ich heillos entsetzt sein sollte, oder dir dazu gratulieren soll!“

„Nee, ich hab ja nichtmal einen Freund. Ich mein doch nur, wenn DU dann Kinder hast, dann darf er doch ganz bestimmt viel Onkel sein. Weißt du, ich dachte mir das einfach so: Du steigst Nachts in ein Schlafzimmerfenster, betörst eine Damen mit deinem Charme und bevor wir uns versehen, purzeln dutzende Hobbits umher.“

„Das klingt selbst für meinen Geschmack zu abenteuerlich und überstürzt. Ich würde mich freuen, eine nette Frau zu finden, aber uhh.. alles zu seiner Zeit!“ erwiderte Tobbo mit einem leicht entsetzten Blick, die Arme vor der Brust verschränkt. Lily grinste ihn passend dazu an.

Wozu das entsetzte Gesicht, was hast du ausgefressen Tobbo?", fragte der wieder hinzugekommene Meril.

„Frauen.“, antwortete Lily, wissend nickend.

„Immerhin teile ich mir mein Bett nicht nur mit einem Speer. Obwohl der sicher alle deine Bedürfnisse befriedigt.“

„Er ist beim kuscheln nicht sehr weich, keine Frage, aber er hat seine Vorzüge. Um ihn zu ersetzen, muss sich ein Kerl schon ganz schön anstrengen.“

„Ich seh schon, ihr solltet den Rest des Weges an euren Ohren gezogen werden!“, mischte sich Meril ein und ging los. Die anderen folgten schnell, Lily etwas errötet, aber beide bis zu den Ohren grinsend.

Mit fragendem Blick zeigte Lily auf die Satteltaschen: „Was hast du eigentlich dabei? Planst du morgen wieder, dich in Luft aufzulösen?“

„Nein, keine Sorge, Große. Da sind nur ein paar kleine Geschenke drin. Ich habe versucht, für jeden Unterwegs etwas Passendes zu finden.“

„Das hättest du nicht sagen sollen, jetzt werde ich die bis du sie austeilst aufgeregt sein!“ Vorsichtig und möglichst unauffällig versuchte sie eine der Taschen zu öffnen und hineinzuspähen. Schnell griff Tobbo ihren Arm und zog sie die letzten Meter zum elterlichen Smial.


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