Von dem was wahr und echt ist...

Geschichten aus Tolkiens Welt vom Herrn der Ringe und anderen Werken.
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Blundo
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Von dem was wahr und echt ist...

Ungelesener Beitragvon Blundo » Dienstag 27. Juni 2017, 20:58

Langsam und gemütlich ging Blundo durch seinen Gemüsegarten. Seine Hände links und rechts leicht von sich gestreckt streiften die Tomatenpflanzen, deren Kraut bei der leichten Berührung sofort den typischen intensiven Geruch verstömten den Blundo so sehr mochte. Viele grüne Tomaten hingen bereits an den Pflanzen, viel zu viele als dass er sie hätte zählen können. Doch heute war Blundo nicht wegen der Tomaten hier.

Der Hobbit ließ die Tomaten hinter sich und gingleichten Schrittes weiter zu dem vor ihm liegenden Beet. Hohe Büschel feinen Krautes ragten vor ihm aus dem Boden und bezeichneten die Stellen an denen Blundos Lieblingsgemüse wuchs. Kaum etwas mochte Blundo mehr als frische Karotten. Für die Saat hatte er sich extra eine frühe Sorte ausgesucht, denn wie er sich kannte, konnte er unmöglich bis zum Hochsommer warten wenn die spätreifende Sorten erntereif waren. Kurz vor dem Beet blieb Blundo stehen, legte seine Hände in die Hüften und atmete tief durch. Es war ein herrlicher Sommertag, der nicht heiß, aber angenehm warm war. Der Wind spielte mit dem Laub der Bäume und erzeugte ein wohlklingendes Rauschen. Mit dem Geruch des Tomaten- und Karottenkrautes schwang ein Hauch von Kamille mit, den der Wind von den umliegenden Wiesen mit sich trug. Kurz schloß der junge Hobbit die Augen und verfolgte die einzelnen Gerüche mit seiner Nase. Tatsächlich, es war Kamille die nun ebenfalls in voller Blüte stand. Fest nahm er sich vor noch auf dem Nachhauseweg ein wenig davon zu pflücken um sie zum Teil in seinem Smial aufzuhängen, wo sie ihren angenehmen Duft verbreiten würden, und zum anderen Teil um die Blüten zu trocknen damit er sie bei Bedarf als Teeaufguss bereit hatte.

Während er so dastand und mit seinen Ohren und seiner Nase den Düften und Klängen der Natur folgte empfand er tiefe Dankbarkeit. Eigentlich wusste er gar nicht wirklich wem er dankbar sein sollte, oder für was genau. Da war einfach das Bedürfnis diesen Sommertag mit Gartenarbeit zu genießen und für ihn einfach dankbar zu sein. Langsam öffnete er die Augen und blickte gen Himmel, der sich in herrlichem Blau präsentierte. Einzelne Wolken zogen wie träge Schafe gemächlich vom Wind getrieben von West nach Ost.

Vorsichtig trat Blundo nun zwischen die Pflanzen seines Möhrenbeetes. Es wirkte etwas trocken da es nun seit mehreren Tagen nicht mehr geregnet hatte. Aus Erfahrung wusste er aber, dass nur wenige Fingerbreit unter der Oberfläche feuchte Erde lag, von der sich die Pflanzen noch nähren konnten. Bald schon würde es wieder regnen und die oberste Schicht benässen. Mitten in seinem Beet stehend beugte er sich nach vorne und tastete den kleinen Erdhügel ab aus dem ein besonders hohes Kraut wuchs. Er musste lächeln denn seit seinem letzten Besuch vor ein paar Tagen hat sich der Erdhügel noch ein klein wenig angehoben. Dass die Erde um das Kraut mehr Risse aufwies als im Rest des Beetes bestätigte seinen Eindruck.
Langsam grub Blundo seine Finger in die Erde und tastete nach dem Wurzelgemüse, ergriff es und zog vorsichtig an ihm. Langsam, nach fester werdendem Zug, löste sich die Karotte aus der Erde und Blundo konnte sie aus dem nun entstandenen Loch ziehen. Nie zog er die erste Karotte der Ernte am Kraut aus der Erde. Auf merkwürdige Art und Weise empfand der dies als respektlos, auch wenn er nicht begründen konnte weshalb. Vielleicht war es eine gewisse Verbundenheit, wenn seine Finger für einen kurzen Augenblick mit der Karotte in der Erde steckten. Es war der erste greifbare Moment einer Ernte. Mit Gartenwerkzeugen geerntetes Gemüse spürte man erst später mit den Händen. Mit seiner Linken löste er die größeren noch an der Karotte hängenden Erdbrocken und rieb den Rest vorsichtig am rauhen Stoff seiner Hose ab. Die Karotte war hervorragend gewachsen, von saftig oranger Farbe und sattem grünen Kraut. Er konnte keine Anzeichen eines Befalls von Gemüsefliegenmaden erkennen, also schien es sich gelohnt zu haben zerschnittene Zwiebeln mit in die Saatlöcher zu legen.

Blundo fasste die Karotte nun an beiden Enden und begann sie zu biegen. Eine kurze Weile leistete das Gemüse Widerstand doch letztendlich brach sie unter dem beherzten Griff des Hobbits in der Mitte entzwei.
Sofort vernahm Blundo den Geruch des süßlichen Karottenhertzens, das mittig entlang der Wurzel verlief. Auch im inneren wirkte die Karotte gesund und gut gewachsen. Er malte sich bereits aus wie er sich einen feinen Gemüseeintopf zubereitete, oder die Karotten dem Bratensaft eines guten Stückes Fleisch beilegte. Karottensuppe war ebenfalls eine Delikatesse wenn man sie richtig gewürzt zubereitete. Doch nun biss der Hobbit einfach beherzt ein gutes stück der Karotte ab. Schon immer aß er die erste Karotte der Ernte bereits auf dem Beet. Er konnte es einfach nicht abwarten bis er zu Hause war. Das konnte er nie. Die Wurzel schmeckte köstlich. Sie war noch kühl vom Boden, roch leicht nach Erde und trug ausreichend Feuchtigkeit in sich so dass sie schön saftig war.

Vorsichtig schritt Blundo aus dem Beet und setzte sich auf einen kleinen Felsen der am Rande des Beetes lag. Genüsslich nahm er einen zweiten Bissen von der Karotte und blickte wieder zu den wenigen trägen Wolken.
In diesen Augenblicken war er sich immer bewusst dass seine Arbeit wahr und echt war. Von der Saat bis zur Ernte konnte Blundo wortwörtlich die Früchte seiner Arbeit sehen. Er hatte die Saat ausgebracht, hatte den Boden gewässert und das Unkraut gerupft. Hohes Gemüse hatte er an Pfähle gebunden um ihnen Halt zu geben. Er konnte sich nicht vorstellen wie es wohl sein müsste den ganzen Tag zu arbeiten ohne am Ende einen Beweis für seine Arbeit zu haben. Würde er den Boden immer bestellen, wässern, pflegen ohne dass auch nur jemals eine einzige Pflanze daraus emporwuchs, er wüsste nicht wofür er sich die Arbeit gemacht hätte.

Nein, Blundo war glücklich, auch wenn manchmal sein Rücken schmerzte. Seine Arbeit war wahr und echt. Genüsslich biss der Hobbit ein weiteres Mal in die Karotte und genoss den Geschmack.
Wenn Soße das Essen nicht lecker werden lässt, hast Du nicht genug davon auf den Teller gemacht :D

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