Hazeline Hasenbein

Geschichten aus Tolkiens Welt vom Herrn der Ringe und anderen Werken.
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Hazeline
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Hazeline Hasenbein

Ungelesener Beitragvon Hazeline » Sonntag 20. März 2016, 17:41

Die gerade erst jährig gewordene, junge Hobbit Dame, setzte sich nun schon zum zehnten mal an diesem wolkenbedecktem Tag auf den kleinen Holzstuhl, der schon so alt war, dass das eine Bein durch einen Stapel Bücher ersetzt werden musste und der an ihren kleinen mit Büchern und Skripten übersäten Schreibtisch stand , um endlich eine Idee zu finden wie sie ihre, vor langer Zeit angefangene, Geschichte zu Ende schreiben könnte.
Daran saß sie nun schon viel zu lange. Doch sie liebte das Geschichten schreiben sehr, besonders über Dinge die sie selbst niemals machen würde, wie freiwillig schwimmen gehen oder nicht laut los zu schreien wenn wieder einmal eine Spinne an der Decke hing und deshalb konnte sie einfach nicht aufhören, auch wenn sie seit Monaten so gut wie nichts anderes mehr tat und sogar ganze zwei Mahlzeiten am Tag ausfallen ließ.
Das hatte sie noch nicht einmal geschafft, als sie eine schlimme Erkältung hatte, die sich vor vier Jahren durch Lindental gezogen hatte.
Sie war schon zu dünn geworden und ihre tiefen Augenringe, zeugten von der Schlaflosigkeit, die sie übermannt hatte. Ihr großer Bruder sah sie oft besorgt an und hätte ihr am liebsten immer, wenn er sie aus Balgfurt besuchen kam, die Feder aus der Hand gerissen, da selbst er bemerkte dass etwas mit ihr ganz und gar nicht stimmte.
Doch sie konnte und wollte nicht aufhören. Sie wollte doch nur ihre Geschichte zu ende schreiben.
Warum konnten die anderen das nicht verstehen?
Dafür verzichtete sie sogar darauf, sich mitten in der Nacht in das hohe Gras zu legen und in das unendliche Sternenmeer zu blicken …

Schon immer war sie etwas abwesend in Gesprächen gewesen und hatte nur mit einem Ohr zugehört, während sie schon weiter über ihre Geschichten nachgrübelte, doch seitdem sie wieder richtig angefangen hatte zu schreiben, hörte sie fast gar nicht mehr zu oder besser gesagt kam sie gar nicht mehr dazu, da sie schon seit Monaten nur noch notgedrungen aus ihrem kleinen Smial ging.
Sie backte noch nicht einmal mehr für ihren Bruder einen Blaubeerkuchen, obwohl sie das backen sehr gerne hatte und darüber war nicht nur er traurig,
aber sie wollte sich einfach nicht freinehmen. Auf keinen Fall.
Ihre Mutter hatte sich doch immer so sehr gewünscht, das aus ihrer kleinen Haselnuss etwas großartiges werden würde und sie wollte sie einfach nicht enttäuschen.
Sie sah aus dem Fenster und betrachtete die gerade untergehende Sonne.
Ein kleiner blauer Schmetterling flog mit schnellem Flügelschlag in das Smial und die junge Hobbitdame musste an ihren Bruder denken, der Schmetterlinge sehr gerne hatte oder „Fmetterlinge“ wie er sagen würde.
Aber was machte das kleine Insekt im Winter hier im Auenland?

Moment…
Winter?
Es war schon Frühling geworden!

Sie hatte soviel zeit mit ihrer Geschichte verbracht, dass sie ihre Familie und das Leben vergessen hatte.
Sie betrachtete die grün gewordene Natur und erkannte ihre sonnenblonden Haare in der Sonne und ihre strahlend blauen Augen in den Flügeln des Schmetterlings, der wieder den weg hinaus gefunden hatte und kam schließlich zur Erkenntnis, dass sie doch eigentlich selbst so frei war wie das winzige geflügelte Insekt .
Da legte sie ihre Feder nieder,
stand von dem wackelnden Stuhl auf,
ging aus dem Smial hinaus,
legte sich ins saftige, hohe gras und wartete auf den Sternenaufgang.
Schon bald erschienen die ersten kleinen Lichter am Horizont.
Endlich breitete sich in ihrem Gesicht wieder ein strahlendes lächeln aus und sie beschloss eine Pause einzulegen.
Eine Pause von dem Druck den sie sich all die Zeit gemacht hatte,
eine Pause von den schlaflosen Tagen
und eine Pause von dem unglücklich und allein sein, dass sie durch ihren Ehrgeiz selbst verursacht hatte,
denn sonst würde sie die Geschichte ihres Lebens niemals vollenden können.

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