Verkatert

Geschichten aus Tolkiens Welt vom Herrn der Ringe und anderen Werken.
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Bubikopf
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Verkatert

Ungelesener Beitragvon Bubikopf » Mittwoch 17. Februar 2016, 00:04

Ich öffnete die Augen. Es wär dämmrig, nur ein flackerndes Licht schien seitlich zu mir rüber. Die weissen Kissen unter mir waren zerkneult aber immer noch weich, sie lockten mich zurück in friedlichen Schlummer. Ich widerstand der Versuchung mich erneut fallen zu lassen und versuche mir klarer zu werden, wo ich bin und was ich hier mache. Dieser kleine Raum war ungewöhnlich gemütlich, ein großer schwarzgoldener Schrank stand in der Ecke, davor ein kleiner Stuhl in fast den gleichen Farben, weniger massiv aber genauso edel wie robust. Gegenüber, auf der anderen Seite des großen Schrankes, ein Bild von einer Ruine auf einem grünen Berg - ein Ausblick in wilde Lande, nicht weit entfernt von diesem Bett. Auf der anderen Seite dieses Bettes stand ein in die Wand eingearbeiteter Kamin, dessen knisterndes Feuer mich geweckt hat. Es verstrahlte eine Wärme die ich manchmal schmerzlich vermisst habe, am meisten damals, als ich das erste Mal aufbrach - und es scheint als wäre ich auch dieses mal nur angekommen um wieder aufzubrechen. Jeder Tag ist ein neuer Aufbruch und jede Nacht gibt ein wenig Hoffnung auf Frieden, Hoffnung, dass der nächste Tag besser wird, weniger schlechte Kunde, weniger Leid. Ich sprang auf, um der Verlockung mich erneut dem Schlaf hinzugeben zu widerstehen, raffe meine Kleidung zusammen, schnappe mir mein Schwert, das ich aus Gewohnheit nah bei mir - im Holzrahmen des Bettes - versteckt hatte. Dann lief ich rasch und gefasst den Korridor hinauf, folgte den braunen, breiten Linien der Steinwand, entschied mich nach links zu gehen. Dort am Ende des Korridors war erneut ein Raum, mit der gleichen Wand und dem gleichen Boden in gold und braun mit filigranen silbernen Linien. Im Korridor, genau wie im Raum am Ende standen prächtige goldene Leuchter, eine Bank nach ähnlichem Muster wie der Stuhl in meinem Raum. Ich erkannte in feinen goldenen Linien auf dunkelbraunem Stoff einen Baum. Auch in diesem Raum fand ich dann erneut ein Bett mit violetten Decken und weissen Kissen, eingefasst in verziertem, schwarzen Massivholzrahmen. An der hinteren linken Wand des Raumes wieder ein brennender Kamin, der den Amaranth und die Schatztruhe neben ihm ebenso in warmgelbes Licht tauchte, wie den Stuhl an der Wand mit Fenstern gegenüber, welche von einem Wandteppich aus edlem Stoff - einen König, Fürsten oder Ritter mit Schwert zeigend - und mehreren ansehnlichen Gemälden geschmückt war.
Wo war ich nur gelandet? Beide Räume und der Korridor legten den Schluss nahe, dass ich im Anwesen einer reichen Familie war, vermutlich Händlern oder Adligen, doch die Holzbalken, die die Decke stützen, zeugen von anderer Baukunst als die sonstige Einrichtung. Vielleicht hat sich jemand Bauteile und Baumeister aus anderen Gegenden der Welt kommen lassen, um sich anders einzurichten.
Ich ging den Korridor in die einzig verbliebene Richtung und es dämmerte mir, dass ich, auch wenn ich rausfinden würde wo ich bin und warum, mein Ziel doch das Gleiche bleiben würde, ich musste wieder los, in die weite Welt, in die Wildnis. Zu meinen Leuten, zu meinem Volk..
Richtig, ich war Gast, nur zu Besuch! Ich erinnerte mich, dass ich mich auf einen Handel mit den Halblingen einliess und die brachten mich nach einem heftigen Umtrunk zu sich in den Süden dieses Landes. Eines ihrer größeren Häuser war auf Menschen wie mich zugeschnitten, wenn auch nach meinen Maßstäben protzig. Aber die Wärme die das Innere des Hauses ausstrahlte hat mir jedenfalls den Kater des Umtrunks vermieden und offenbar hatte ich auch nicht die üblen Träume die ich sonst unterwegs hatte.. von verbrannten und erhängten Freunden, entführten Geschwistern, geköpften Eltern.. und erschlagenen Anführern..
Ja, meine Vermutung bewahrheitete sich, im großen Saal am anderen Ende des Korridors standen viele Bänke und Bücherregale in schwarz und gold, genauso prächtig wie bisher in diesem Haus. Geradezu in dieser Halle erblickte ich eine große Geode mit violetten Mineralien, die hier gut ins Gesamtbild passte und auf zwei Tischen lagen noch Papiere von diversen Geschäften, an der Wand hingen Karten von Regionen mit oder in denen offenbar Handel betrieben wurde.. Ausserdem fanden sich einige Kisten zum einlagern von Handelsgut in einem der kleineren Räume und hohe Wandregale quillten über vor Geschirr, sicherlich um die Handelspartner gut zu bewirten, wie es bei den Halblingen so üblich ist. Ich gebe zu, Menschen wie ich sind hier wirklich recht gut aufgehoben, wenn ihnen auch sonst die Bräuche der Hobbits fremd und seltsam erscheinen.
Dennoch. Ich musste raus! Nach wenigen weiteren Tischen und Karten dieses Teils der Welt, fand ich eine große runde Tür die nur der Ausgang sein konnte! Genug ausgeruht, das Abenteuer kann, nein muss weitergehen! So schritt ich in die Sonne eines wundervollen Morgens um aufzubrechen und ich fühlte mich ungewohnt frisch und lebendig, man könnte fast sagen hoffnungsvoll.

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