Erythgars Aufbruch

Geschichten aus Tolkiens Welt vom Herrn der Ringe und anderen Werken.
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Blundo
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Erythgars Aufbruch

Ungelesener Beitragvon Blundo » Montag 4. Dezember 2017, 12:37

Erythgar zog den Umhang fester um sich. Schneidend biss ihm die Kälte in sein Gesicht, das dem Wetter nahezu schutzlos ausgesetzt war. Sicher, in Forlach war es aufgrund seiner Lage immer recht kalt, aber dieser Tag schickte sich an all die anderen kalten Tage des Jahres an Kälte übertreffen zu wollen. Schnell schloss er die Tür seines Hauses hinter sich damit die Wärme nicht entweichen konnte, denn es bedurfte viel Holz und Torf um den Hauptraum auf eine erträgliche Temperatur zu bekommen.

Vorsichtigen Schrittes machte sich Erythgar auf den Weg zum Stall in dem sein treues Pferd Frenja auf ihn wartete. Sein Blick richtete sich gen Himmel, der wieder wolkenverhangen war. Es war davon auszugehen dass es in Kürze wieder zu schneien beginnen würde, was für seine Reise eine weitere Erschwernis bedeuten könnte. Kurz grüßte er Haldvar, der ihm mit einer Holzfälleraxt über der Schulter tragend auf dem Weg entgegenkam. Keiner der beiden hatte das Bestreben zu einer längeren Unterhaltung unter dem freien eisigen Himmel und so passierten sie sich ohne weitere Worte zu wechseln. Auch für Haldvar wurde es schwieriger, denn in diesem besonders langen und harten Winter wurde das Holz das er einschlagen konnte rar, so dass er sich weiter nach Westen in die gefährlicheren Gebiete vorwagen musste. So fernab des Schutzes durch das Dorf warteten noch weitere, gefährlichere Gefahren als lediglich die Kälte. Finstre Kreaturen durchstreiften dieser Tage die Wildermark und erschwerten das Leben der Menschen obendrein. Dies war der dringlichste Grund wegen dem Männer und Frauen Forlach meist nur noch in Gruppen verließen und sich untereinander Schutz boten.

Kaum hatte Erythgar den Stall betreten kam Frenja bereits freudig auf ihn zugetrottet. Dampf entstieg ihren großen Nüstern als Sie Ihren großen Kopf zur Begrüßung über seine rechte Schulter legte. Freundschaftlich tätschelte Ihr Erythgar an den Hals um sie ebenfalls zu begrüßen. Kurz inspizierte er den Futtertrog und sah dass er nahezu leer war. Der Wassereimer war glücklicherweise noch nicht zugefroren, was er einzig dem Umstand verdankte, dass er im Stall stand. Müsste er Frenja auf der Koppel stehen lassen würde dies bedeuten das Wasser ständig vom Eis zu befreien. Umso mehr dankte Erythgar den Umständen dass er in der Lage war sein Ross in einem kleinen Stall nahe des Hauses unterstellen zu können.
Angestrengt hob Erythgar den schweren Sattel hoch, der auf einem Rundbalken lag wenn er nicht gebraucht wurde. Merkwürdigerweise hatte Erythgar den Eindruck dass der Sattel an solch kalten Tagen schwerer wog als üblich. Sicher, das Leder wurde durch die Kälte steif und unbeweglich, aber er konnte sich keinen Reim darauf machen weshalb sich dadurch das Gewicht ändern sollte. Belustigt erklärte er es sich damit dass wohl auch ein Sattel bei dieser Kälte keine Bestrebung fand vor die Tür zu gehen und sich dementsprechend zu weigern versuchte.

Mit einem Ruck warf Erythgar den Sattel auf Frenjas Rücken, auf dem bereits eine grobe Wolldecke lag die er immer auf den Rücken legte bevor der Sattel seinen Platz fand. So war die Kälte des Leders sicherlich auch erträglicher für das Pferd, das ihn noch niemals im Stich gelassen hatte. Während er die Ledergurte um Frenjas Bauch festzurrte und das Geschirr anlegte dachte er darüber nach wie alt Frenja mittlerweile eigentlich war. Er rechnete die Winter und Sommer zurück die das Pferd teil seiner Familie war und glaubte dass das Ross nun bereits seit 6 Jahren an seiner Seite war. Sicher, ein Pferd konnte ein hohes Alter erreichen doch irgendwann würde auch sie zu alt werden um weiter die langen Strecken mit hoher Traglast gehen zu können.
Erythgar hoffte dass der Tag, an dem er Frenja nicht mehr mit auf den Handelszug nehmen konnte noch fern lag und so konzentrierte er sich wieder auf seine bevorstehende Aufgabe. Er überprüfte den Sitz des Geschirrs und streichelte Frenja dabei sanft über den Nasenrücken was sie mit einem wohligen Schnauben kommentierte.

„So, mein Mädchen“, sprach Erythgar zu seinem Pferd, „Es wird Zeit dass wir wieder in die Ebenen ziehen. Das Mehl geht zur Neige und auch andere Dinge die wir dringend benötigen sind nahezu aufgebraucht. Wir werden versuchen gut nach Harwick zu kommen, auch wenn dies ein recht weiter Weg ist. Dort ist in ein paar Tagen großer Markt und wir werden sehen was wir dort bekommen können.“

Erythgar öffnete das halbhohe Tor des Gatters und führte Frenja zum Stalltor, das noch halb offen stand. Kaum waren beide hindurchgeschritten sahen sie auch bereits die anderen Bewohner des Dorfes, die sie nach Harwick begleiten würden. Jeder war in dicke wollene Kleidung gehüllt um der Kälte zu trotzen und in jedem Gesicht konnte man den Gram über die aktuelle Situation ablesen. Doch kaum standen alle auf dem weg zusammen hellten sich die Minen aller auf, man klopfte sich auf die Schultern, umarmte sich herzlich und man freute sich gemeinsam reisen zu können statt sich alleine allem Unbill aussetzen zu müssen.
Erythgar genoss die Anwesenheit der anderen. Der Zusammenhalt der Einwohner Forlachs wuchs mit Ansteigen der Gefahren durch Feind und Wetter. Nur gemeinsam konnte man all dem wiederstehen, das wussten die Forlacher und das schätzte Erythgar an allen.

Die Gruppe brach auf und verließ Forlach über das Südtor. Während die Kinder des Dorfes in Ihrer Unbekümmertheit mit Schneebällen nach einander warfen und Schneebolde aus zusammengerollten Schneekugeln bauten, verabschiedeten die Angehörigen der Aufbrechenden Ihre liebsten vor dem Tor, wie es seit je her Brauch war. Umarmungen und Wünsche für die Reise wurden ausgetauscht und hier und da küssten sich Paare, die sich nun für Wochen nicht sehen würden. Die Bewohner der Wildermark waren rauh, zäh und stark, daher machte sich keiner große Gedanken darüber dass man sein Gegenüber möglicherweise nicht mehr wiedersehen würde, also sprach man Sorgen in dieser Richtung auch nicht aus. Das Aussprechen von Gefahren die den Partner an der Heimkehr hindern könnten hieß für viele diese dabei herbeizureden, daher nannte man sie erst gar nicht und wünschte sich einfach eine gute Reise und eine baldige Heimkehr.
Nach der Verabschiedung zog die Gruppe los gen Harwick. Hinter ihnen winkten die Bewohner des Dorfes die teilweise sogar auf die Palisaden gestiegen waren um den Reisenden hinterherblicken zu können.
Wenn Soße das Essen nicht lecker werden lässt, hast Du nicht genug davon auf den Teller gemacht :D

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